So ein Zufall: Gerade fällt mir eine wissenschaftliche Abhandlung in die Hand, 2003 in der Michigan State University Press erschienen, "Gendering Talk" von Robert Hopper. Dort steht als Vorwort des zweiten Kapitels ein Zitat aus den "Stone Diaries". Als Verfasserin wird eine "Carol Stone" angegeben und der erste Satz dieses Kapitels in Mr Hoppers Buch lautet: "This segment from Carol Stone's fictionalized memoir 'The Stone Diaries'..."
Hallo!?
Carol Shields heißt die Frau!
Erstens: bitteschön, richtiges Zitieren in einer wissenschaftlichen Arbeit, das sollte ja wohl mindestens klappen!
Zweitens - und viel schöner: voll reingefallen!
Carol Shields' (!) Buch verwischt die Grenzen zwischen fiktionaler und wirklicher Biographie und mehr. Wie es jemand im San Francisco Chronicle viel besser ausgedrückt hat: " 'The Stone Diaries' chips away at our most cherished, comforting beliefs about the immutability of facts and fate."
Das gelingt nun offenbar so souverän, dass Herr Robert Hopper (Professor for Communication at the University of Texas - o.k., es ist nicht Harvard, aber trotzdem) nicht mehr auseinanderbekommt, was hier Fiktion und was Realität ist und der Fehleinschätzung "fiktionalisierte Memoiren" erliegt. Nein, knapp vorbei - es handelt sich um einen Roman! Roman! Fiktion! Nix (Auto)Biographie! Der Name der Verfasserin lautet also auch nicht Stone - Stone heißt anfänglich die Romanfigur!
Drittens - und gänzlich gruselig: Dieses Fehlzitat findet sich in einem Buch, das das "Gendering" in Kommunikationsprozessen zwischen Mann und Frau behandelt.
Man addiere dann noch Frau Senta Trömel-Plötz' (no games with names!) Erkenntnis, daß die Verunstaltung oder falsche Wiedergabe des Namens eine probate Mißachtung ist, die überwiegend Frauen zu erdulden haben - und: bingo!
Montag, 17. September 2007
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen