In den "Stone Diaries" gibt es die Figur des Barker Flett, ein Botaniker, der vor Intimität und enger menschlicher Verwicklung zurückschreckt. Er rettet sich in die Systematik der botanischen Nomenklatur, lebt allein und verbietet sich seine eine spontane emotionale Regung: er fühlt sich - 22jährig - zu einem elfjährigen Mädchen hingezogen, daß so etwas wie sein Mündel ist. Auch nachdem sie wieder bei ihrem Vater lebt, schreibt er ihr regelmäßig alle 2 Monate einen Brief, 20 Jahre lang. Diese Frau und die Briefe an sie sind - abgesehen vom täglichen Umgang mit Kollegen, Nachbarn - seine einzige Verbindung mit einem anderen Mensch. Wie anrührend! Wie herzzerreissend!
Aber warum eigentlich?
Warum nehmen wir (wir? oder nur ich?) diesen Typ von Charakter als besonders tragisch wahr? In Büchern, Filmen, Theaterstücken - warum gehen die Figuren so ans Herz, die ihre Freunde verlieren, die ihre Liebe nicht finden, die wir allein in - meist eher dunklen, abendlichen - Räumen sehen? Vielleicht wollten sie ihre Liebe gar nicht finden, vielleicht haben sie ihre Freundschaft selber weggeworfen, vielleicht _wollen_ sie allein sein! Sind das nicht vielleicht die glücklicheren Menschen? Sie können sich ihre Illusionen und ihre Träume ewig bewahren. Ohne Realitätsabgleich keine Desillusionierung. Die von weitem Geliebte bleibt auf immer vollkommen, der jung verstorbene Freund auf immer ein Idol.
Überhaupt: warum erscheint uns Einsamkeit als so ein schlimmes Los, das schlimmste überhaupt? Was genau daran erscheint uns so erbarmenswert, was genau daran schreckt uns so?
Ist die Angst vor Einsamkeit letztlich und ganz am Grunde nichts anderes als die Angst vorm Tod, dem ultimativen Alleinsein? Empfinden wir die einsamen Helden als so herzzerreißend, weil dahinter unsere Angst liegt, bis zum Ende und am Ende allein zu sein? Allein zu sein, wenn die Not am größten ist?
Falls das so ist, kann man das Mitgefühl mit den einsamen Existenzen in der Kunst (aber ob auch im Leben?) getrost hinter sich lassen: jeder stirbt sich selbst. Am Ende ist jeder ganz für sich.
And now for something _completely_ different:
Ich wußte es! Noch vor wenigen Wochen tönte ich, niemals, nie im Leben, never ever würde ich den skinny-Jeans-Mist mitmachen. Und schon bin ich weichgekocht. Gestern habe ich eine Jeans gekauft, die weit weg davon ist, skinny zu sein. Aber sie ist auch bei weitem nicht weit (haha) , ausgestellt oder gerade geschnitten. Also vielleicht: Röhre. Und das ist, wir wollen uns nichts vormachen, der erste Schritt zur skinny Jeans.
Meine Resistenzen gegen das furchtbare 80er-Jahre-Revival sind offenbar der Augeninfektion zum Opfer gefallen... das Immunsystem wird anderweitig beansprucht, da ist der privaten Wiederkehr von Ringel-T-Shirts und Schulterpolstern Tür und Tor geöffnet.
Donnerstag, 13. September 2007
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