Dienstag, 2. Oktober 2007

Ein fliehendes Pferd

Ein Film, den ich überhaupt nicht auf dem Plan hatte, im Gegenteil, den ich dezidiert nicht sehen wollte. Martin Walser - ochnö. Und dann noch mit Katja Riemann! Die nervt mich seit den fiesen Komödien der 80er Jahre. Erinnert sich da noch jemand dran? An den Boom des deutschen Films in der Form übler Geschlechterkampfklamotten vor nunmehr - o Graus - 20 Jahren? War schon ein schlimmes Jahrzehnt, die Achziger.
Eine überaus positive Rezension in der epd Film stimmte mich dann um - zum Glück. Klasse Film, und, die größte Überraschung für mich: Katja Riemann ist großartig. Zum Niederknien. Ist ja ohnehin ein Schauspieler-Film, aber keiner der beiden Männer kommt an sie ran. Wie da in einem Blick, in einer Körperdrehung ein ganzes Leben liegt - ich war schwer beeindruckt.
Der Film ist auch sehr elegant gemacht; Schnitte fallen mir selten auf, meist, wenn sie gewollt künstlerisch oder anstrengend schnell sind. In diesem Film aber sind sie mir aufgefallen, weil sie minimal anders sind, als erwartet (ich kann nichtmal sagen, ob einen Sekundenbruchteil früher oder später), und dadurch ganz stark die Aufmerksamkeit auf die Person, auf das Geschehen bündeln. Irgendwie rhythmisch, intensiv, sehr genau kam mir das vor.
Die ganze Geschichte ist dann doch nicht wirklich klischeefrei, aber überaus amüsant. Und so langsam schleicht sich dann das Abgründigere - oder ist es nur die Midlife-Crisis? - in die extrem unterhaltsamen Szenen. Sehr gelungen.

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