
"Indecision" von Benjamin Kunkel - allein der Titel! Ein Buch wie für mich geschrieben! Das kann ja nur großartig sein! Dachte ich so. Handelt von einem (man kanns ja eigentlich schon nicht mehr hören, lesen oder sehen) nicht erwachsen werden wollenden Endzwanziger oder schon Thirtysomething in New York, der an akuter und chronischer Entschlußlosigkeit leiden soll. Da stellte ich mir schon die wunderbarsten kafkaesken Szenen aktiver Entschlußunfähigkeit vor sowie minutiöse Beschreibungen der absurdesten Techniken zur Entscheidungsfindung (Münzenwerfen, Würfeln, Abzählen, um nur mal die unspektakulärsten und nächsliegenden zu nennen). Aber nö. Nix da.
Dwight Wilmerding ist ein ganz normaler, sogar ein besonders netter Kerl, halt n bisschen schluffig. Es fällt einem sofort der männliche Moppel aus dem Film "Knocked up" ein. (Überhaupt fallen einem sofort ganz viele Filme ein und umgekehrt viele Szenen in dem Buch auf, die als Film besser funktionieren würden als im geschriebenen Wort. Unangenehm.) Das originellste am Hauptcharakter ist noch sein Name. "Charakter" trifft es sowieso nicht - sagen wir mal lieber "Hauptfigur", das paßt eher. Worin nun seine besondere Entscheidungsunfähigkeit besteht, ist mir auf 120 Seiten nicht klar geworden; sie ist weder besonders auffällig noch bereitet sie ihm auffällig Probleme. Da brauch man nur mal zum nächtbesten Verhaltenstherapeuten zu gehen, der kann einem überzeugendere Beispiele für Entscheidungsunfähigkeit beschreiben, daß man nicht mehr aus dem Haus geht, weil man sich nicht entscheiden kann, was man anziehen soll. Nur mal so als Beispiel.
Aber sowas eindeutiges gibt's nicht in dem Buch. Die "Aussage" soll wohl sein: dieses typische Slackerdasein, dieser Ennui am Leben mit um die 30 sind lediglich Symptome der zugrunde liegenden Krankheit, keine Entscheidung fällen zu können oder wollen.
Tut mir leid - das ist zu wenig für knapp 250 Seiten, ich kann das so neu oder bemerkenswert auch nicht finden. Die Idee ist ja ganz witzig, daß es ein neues Medikament gegen Unentschlossenheit gibt, Dwight dies einnimmt und nun auf die Heilung wartet - aber ich warte seit mindestens 40 Seiten mit ihm und verliere langsam die Geduld. Dwight denkt auf Seite 90 "It seemed like the only way I had of thinking about anything was to think about something else. And this really ruined the procedure."
Wie treffend! Es scheint, daß Herr Kunkel eigentlich über was ganz anderes schreiben will, das aber nicht gebacken kriegt, - und das runiniert den Vorgang, nämlich den des Lesens!
Ich kann mich außerdem des Eindrucks nicht erwehren, daß hier jemand zu gewollt zu Werke geht; daß z.B. Benjamin Kunkel sich den Spruch, mit dem sich Dwight in seinem Job als Tech Support am Telephon meldet ("Hello and thank you for calling the Problem Resolution Center. This is Dwight speaking") mit ganz viel Hirnschmalz aufwändig einzig und allein dafür ausgedacht hat, dann den Joke bringen zu können: "Hello and thank you for calling the Dwight Resolution Center. This is Problem speaking."
Haha.
Irgendwie ist das alles zu offensichtlich auf Effekt und Witz ausgelegt; da will jemand ganz arg geistreich sein, raus kommt dabei aber spätpubertärer, reichlich uninteressanter Quark. Was ein verwöhntes pseudointellektuelles Jüngelchen aus New York halt so für Probleme hält.
Schade, da wurde eine witzige Idee und ein gutes Thema verdaddelt.
Auf dem Umschlag steht das Zitat von Arthur Phillips, "Benjamin Kunkel is able to provoke deep thought and deep laughter in equal measure." Ich kann das für mich umformulieren: "Benjamin Kunkel is able to provoke me". Punkt.
Ich bin wahrlich nicht sehr entschlußfreudig, aber nach 120 Seiten der Unentschlossenheit habe ich immerhin diese Entscheidung getroffen: an dieses Buch verschwende ich keine weitere Lebenszeit.
Dwight Wilmerding ist ein ganz normaler, sogar ein besonders netter Kerl, halt n bisschen schluffig. Es fällt einem sofort der männliche Moppel aus dem Film "Knocked up" ein. (Überhaupt fallen einem sofort ganz viele Filme ein und umgekehrt viele Szenen in dem Buch auf, die als Film besser funktionieren würden als im geschriebenen Wort. Unangenehm.) Das originellste am Hauptcharakter ist noch sein Name. "Charakter" trifft es sowieso nicht - sagen wir mal lieber "Hauptfigur", das paßt eher. Worin nun seine besondere Entscheidungsunfähigkeit besteht, ist mir auf 120 Seiten nicht klar geworden; sie ist weder besonders auffällig noch bereitet sie ihm auffällig Probleme. Da brauch man nur mal zum nächtbesten Verhaltenstherapeuten zu gehen, der kann einem überzeugendere Beispiele für Entscheidungsunfähigkeit beschreiben, daß man nicht mehr aus dem Haus geht, weil man sich nicht entscheiden kann, was man anziehen soll. Nur mal so als Beispiel.
Aber sowas eindeutiges gibt's nicht in dem Buch. Die "Aussage" soll wohl sein: dieses typische Slackerdasein, dieser Ennui am Leben mit um die 30 sind lediglich Symptome der zugrunde liegenden Krankheit, keine Entscheidung fällen zu können oder wollen.
Tut mir leid - das ist zu wenig für knapp 250 Seiten, ich kann das so neu oder bemerkenswert auch nicht finden. Die Idee ist ja ganz witzig, daß es ein neues Medikament gegen Unentschlossenheit gibt, Dwight dies einnimmt und nun auf die Heilung wartet - aber ich warte seit mindestens 40 Seiten mit ihm und verliere langsam die Geduld. Dwight denkt auf Seite 90 "It seemed like the only way I had of thinking about anything was to think about something else. And this really ruined the procedure."
Wie treffend! Es scheint, daß Herr Kunkel eigentlich über was ganz anderes schreiben will, das aber nicht gebacken kriegt, - und das runiniert den Vorgang, nämlich den des Lesens!
Ich kann mich außerdem des Eindrucks nicht erwehren, daß hier jemand zu gewollt zu Werke geht; daß z.B. Benjamin Kunkel sich den Spruch, mit dem sich Dwight in seinem Job als Tech Support am Telephon meldet ("Hello and thank you for calling the Problem Resolution Center. This is Dwight speaking") mit ganz viel Hirnschmalz aufwändig einzig und allein dafür ausgedacht hat, dann den Joke bringen zu können: "Hello and thank you for calling the Dwight Resolution Center. This is Problem speaking."
Haha.
Irgendwie ist das alles zu offensichtlich auf Effekt und Witz ausgelegt; da will jemand ganz arg geistreich sein, raus kommt dabei aber spätpubertärer, reichlich uninteressanter Quark. Was ein verwöhntes pseudointellektuelles Jüngelchen aus New York halt so für Probleme hält.
Schade, da wurde eine witzige Idee und ein gutes Thema verdaddelt.
Auf dem Umschlag steht das Zitat von Arthur Phillips, "Benjamin Kunkel is able to provoke deep thought and deep laughter in equal measure." Ich kann das für mich umformulieren: "Benjamin Kunkel is able to provoke me". Punkt.
Ich bin wahrlich nicht sehr entschlußfreudig, aber nach 120 Seiten der Unentschlossenheit habe ich immerhin diese Entscheidung getroffen: an dieses Buch verschwende ich keine weitere Lebenszeit.
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