
Habe so lange nichts geschrieben, daß es jetzt zig Bücher abzuarbeiten gibt: als nächstes "Clear" von Nicola Barker. Ich hatte das Riesenglück, daß ich es lesen mußte. Weil: "Digging to America" hatte ich ausgelesen und es stand die 6stündige Zugfahrt von München nach Berlin an; als Lesestoff hatte ich nur noch den Roman von Nicola Barker. Hätte ich weiteren Lesestoff in petto gehabt, wäre ich über die ersten 30 Seiten niemals hinausgekommen, weil, o Mann, was ein oberaffiger Stil! Kreisch! Wie die Rezensentin im Guardian schreibt (überhaupt eine sehr tolle und treffende Kritik): sie war die ersten 50 Seiten nur angenervt und hätte am liebsten geschrieen "what's with all the italics?"
So ein - auf den ersten Blick - furchtbarer jung-forscher Stil, schreiben wie geredet wird (angeblich), voller Ausrufezeichen, Kursivdruck, what have you. Nicht meine Tasse Tee, sowas von nicht. Meine Idee: So würde Herr Stuckradt-Barre (schreibt der sich so?) gerne schreiben, wenn er könnte, nur eben auf deutsch.
Aber dann, nach ein paar Dutzend Seiten, lo and behold: Inhalt! Oder so: hier schreibt nicht irgendein Jungspunt, der das cool findet, einen ach so flapsigen Stil zu schreiben, sondern hier schreibt jemand mit Ideen, die all die vielen überlappenden Ideengeschichten ineinanderdrillt mit diesem atemlosen GedachtgleichGesagtgleichGeschrieben-Stil, der mit den Seiten eine unerwartete und ganz eigenartige Poetik entfaltet.
Handlung bzw. Dreh- und Angelpunkt: der amerikanische "Illusionist" (Mittelding zwischen Aktionskünstler und Magier) David Blaine schließt sich für 44 Tage ohne Nahrung in eine transparente 3x3x2 m große Kiste ein, die an der Tower Bridge in der Luft hängt. (Das ist Fakt, die Aktion und diesen Künstler gab bzw. gibt es.) Was soll das, was soll man davon halten, hat das irgendeine Wirkung, bedeutet das irgendwas oder ist es reine monitär motivierte Selbstdarstellung? Das fragt sich der Icherzähler und eine handvoll seiner Bekannter, und seine 44 Tage sind der "Plot" des Romans, der vollgestopft ist mit Geistesgeschichte, Zeitgeist, Irrwitz und Witz.
Kleine Kostprobe dafür: der Untertitel des Romans lautet "A Transparent Novel"... auch wenn die Relation transparenter Roman - transparente Kiste sehr - mein Gott, ja: transparent ist - wie geil! Dadurch öffnen sich (zumindest für mein unsubtiles Hirn) weitere zahlreiche Facetten und Durchblicke des Buches. Großartig!
Letztlich vielleicht nicht mehr als eine intellektuelle Spielerei, das Buch, aber als solche so gelungen und anregend! Und nach der - allerdings nötigen - Desensibiliierung auch: ein Buch, in dem Sprache nicht nur dazu dient, eine Geschichte zu transportieren, sondern Teil des Spiels ist, Lust an der Sprache und ihren Ausdrucksmöglichkeiten.
Nicola Barkers neues Buch "Darkmans" (auf der Kurzliste des diesjährigen Man Booker Prize) ist bislang leider nur als Hardcover erschienen, auf das Taschenbuch muß ich also wohl noch ne Weile warten.
So ein - auf den ersten Blick - furchtbarer jung-forscher Stil, schreiben wie geredet wird (angeblich), voller Ausrufezeichen, Kursivdruck, what have you. Nicht meine Tasse Tee, sowas von nicht. Meine Idee: So würde Herr Stuckradt-Barre (schreibt der sich so?) gerne schreiben, wenn er könnte, nur eben auf deutsch.
Aber dann, nach ein paar Dutzend Seiten, lo and behold: Inhalt! Oder so: hier schreibt nicht irgendein Jungspunt, der das cool findet, einen ach so flapsigen Stil zu schreiben, sondern hier schreibt jemand mit Ideen, die all die vielen überlappenden Ideengeschichten ineinanderdrillt mit diesem atemlosen GedachtgleichGesagtgleichGeschrieben-Stil, der mit den Seiten eine unerwartete und ganz eigenartige Poetik entfaltet.
Handlung bzw. Dreh- und Angelpunkt: der amerikanische "Illusionist" (Mittelding zwischen Aktionskünstler und Magier) David Blaine schließt sich für 44 Tage ohne Nahrung in eine transparente 3x3x2 m große Kiste ein, die an der Tower Bridge in der Luft hängt. (Das ist Fakt, die Aktion und diesen Künstler gab bzw. gibt es.) Was soll das, was soll man davon halten, hat das irgendeine Wirkung, bedeutet das irgendwas oder ist es reine monitär motivierte Selbstdarstellung? Das fragt sich der Icherzähler und eine handvoll seiner Bekannter, und seine 44 Tage sind der "Plot" des Romans, der vollgestopft ist mit Geistesgeschichte, Zeitgeist, Irrwitz und Witz.
Kleine Kostprobe dafür: der Untertitel des Romans lautet "A Transparent Novel"... auch wenn die Relation transparenter Roman - transparente Kiste sehr - mein Gott, ja: transparent ist - wie geil! Dadurch öffnen sich (zumindest für mein unsubtiles Hirn) weitere zahlreiche Facetten und Durchblicke des Buches. Großartig!
Letztlich vielleicht nicht mehr als eine intellektuelle Spielerei, das Buch, aber als solche so gelungen und anregend! Und nach der - allerdings nötigen - Desensibiliierung auch: ein Buch, in dem Sprache nicht nur dazu dient, eine Geschichte zu transportieren, sondern Teil des Spiels ist, Lust an der Sprache und ihren Ausdrucksmöglichkeiten.
Nicola Barkers neues Buch "Darkmans" (auf der Kurzliste des diesjährigen Man Booker Prize) ist bislang leider nur als Hardcover erschienen, auf das Taschenbuch muß ich also wohl noch ne Weile warten.
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