Immer dasselbe: sitzt man neben einer Frau (im ICE, im Kino, im Theater, egal wo), bleibt die geteilte Armlehne in aller Regel frei, es sei denn (vor allem im Zug) die früher Dagewesene ist so herrisch, ihr älteres Recht auf das Territorium auszuspielen, was i.d.R. stillschweigend anerkannt wird, so daß diejenige, die zuerst alleine saß, die Armlehne weiter für sich beanspruchen kann.
Ganz anders, wenn ich neben einem Mann sitze! Auch dann, wenn ich schon Stunden alleine dasaß und ganz klar die älteren Rechte habe und dann ein Mann z.B. zusteigt, sagen wir mal: in Wolfsburg, wenn man von Frankfurt am Main nach Berlin fährt. Dann ist man nicht nur die Armlehne sofort los, sondern sie wird nicht mal als neutrales Territorium anerkannt und von beiden freigehalten. Wenn man neben einem Mann sitzt, beansprucht der sofort - und völlig selbstverständlich - alle verfügbaren Armlehnen für sich. Was ist das nur!?
Mein Experiment, die gemeinsame Armlehne sehr deutlich und selbstsicher für mich zu beanspruchen und meinen Arm breit und bräsig auf der Lehne zu belassen endet regelmäßig mit zu großem Kuschelfaktor. Und immer bin ich diejenige, die die Nerven verliert und die unerwünschte Tuchfühlung beendet, indem ich die Armlehne aufgebe. Neulich wurde mein Ellbogen sogar rüde vom zugestiegenen Arm von der Armlehne geschubst. Meine Beschwerde stieß auf total taube Ohren: nein, gar nicht, er hätte meinen Ellbogen gar nicht runtergeschubst.
Wer kann mir dieses Phänomen erklären? Letzteres Beispiel scheint mir dafür zu sprechen, dass Männer einfach nix merken. Eben auch nicht, wenn sie Kontakt zu einem Fremdarm haben und diesen weg- und runterschieben.
Bei den Konstellationen Frau-Frau und Mann-Frau ist die Armlehnenlage empirisch und abschließend geklärt. Was mich aber brennend interessiert: wie wird die Armlehne verteilt, wenn zwei Männer nebeneinander sitzen??
Ich bitte dringend um erhellende Kommentare!
Dienstag, 13. November 2007
Freitag, 9. November 2007
Wide Open

Nachdem ich "Clear" von Nicola Barker so großartig fand, habe ich ihren Roman von 1998 mit großen Erwartungen gelesen. Und wieder war ich am Anfang abgestoßen - diesmal nicht vom Stil, der nicht so aufdringlich "kinky" ist und auf den ersten Blick vergleichsweise bieder, sondern von den Figuren und der - durch einen Bezug auf Becketts Stück gleich angekündigten - Handlung: Mann gabelt einen durchgeknallten Obdachlosen auf, sie nennen sich bald so wie der jeweils andere und es ist absehbar, daß das Leben des - scheinbar - normalen Mannes ursurpiert werden wird vom anderen. Vor meinem inneren Auge lief der Rollentausch ab, wie der normal wirkende Mensch mit Arbeit und Wohnstatt zum durchgeknallten Obdachlosen wird und dieser wiederum Job und Wohnstatt übernimmt. Schwer zu ertragen.
Ganz so ist es dann nicht.
Nicola Barker verwebt wieder verschiedenste Charaktere, Ideenstränge und Geschichten eng und enger miteinander; das ist ganz klar konstruiert, wirkt auch konstruiert - aber nicht aufgesetzt. Wieder das Phänomen: bei ihr funktioniert, was bei anderen gewollt und gezwungen wirkt. Wieder absolut originelle - und so treffende! - Sprachbilder ("A whole herd of feelings trampled across his face"), wieder eine extrem seltsame Personnage (der Mann ohne große Zehen), wieder extrem seltsame Ideen (ein merkwürdiges Monsterwesen in einem Karton, der nie geöffnet wird) und komplexe Verknüpfungen. Überhaupt wieder eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit.
Und erneut - wenn auch aus ganz anderen Gründen - ein mich erstmal abstoßendes Buch, das mehr und mehr gewinnt. Es hätte es verdient gehabt, schneller und intensiver gelesen zu werden - nicht auf 14 Tage verteilt in U-Bahn-Fahrten- und Mittagspausen-Häppchen.
In "Clear" geht es auf allen Ebenen um Transparenz, hier um Offenheit - eng verwandte Themen, die dieselbe Stoßrichtung haben. Wenn bei Barkers neuestem Roman "Darkmans" der Titel ebenfalls derart programmatisch ist, wird das ein deutlicher Themenwechsel.
Donnerstag, 8. November 2007
Auf der anderen Seite
Hmpf. Nicht meine Tasse Tee. Hanna Schygulla wie immer unerträglich pomadig. Die Erzählstruktur fand ich unnötig verschachtelt und insgesamt alles reichlich konstruiert - vermutlich, weil mich alle und alles reichlich kaltließ. Professor für Germanistik kauft spontan Buchladen in Istanbul? Es rennen immer alle Figuren haarscharf aneinander vorbei? Naja... Am besten gefiel mir noch das erste Kapitel und die Figur der toughen, völlig selbständigen und unabhängigen Yeter.
Odette Toulemonde
Es ist mir unendlich peinlich, überhaupt in diesem Film gewesen zu sein; es war ein grauer, trister und regnerischer Herbstsonntag, und mir war nach einem Film wie ein Schaumbad. Stattdessen: gequirlte Scheiße. Ich mußte den Brechreiz unterdrücken. Der abgrundtief mieseste Film seit.... Teen Wolf? Mehr Worte und Gedanken will ich nicht an ihn verschwenden. Schrecklich, einfach schrecklich. Der ganze Film eine einzige Beleidigung.Schade, daß im Filmpalast Berlin immer nur Mist läuft - ein wunderschönes Kino; fast war der Film es wert, endlich mal in diesem Kino gewesen zu sein.
Freitag, 2. November 2007
Glass Books of the Dream Eaters
von Gordon W. Dahlquist - ich hatte mir einen spannenden Schmöker versprochen, einen Schinken zum Wegschlabbern an einem faulen Herbstwochenende, mal wieder Urlaub fürs Hirn und von der Realität. Diese Hoffnung schien nicht übertrieben, da u.a. der Guardian schrieb "it is a page-turner" -überhaupt ist das Buch ziemlich gehypt als sonstwie originell und ehrgeizig und spannend usw. usf.Alles Lüge. Es ist stinkend langweilig und uninterressant. Die Charaktere sind nicht nur platt und eindimensional, sondern werden dadurch auch noch unnötig völlig unplausibel gemacht (nichts gegen eindimensionale Charaktere, heldenhafte Helden und liebende Liebende, wenn sie überzeugend und knackig sind), daß ihnen nach ca. 500 (von 880!) Seiten plötzlich an den Haaren herbeigezogene Skrupel/Gefühle/Motive zugeschrieben werden. Da kann man auch gleich in das Buch reinschreiben: "dies ist ein ehrgeiziger Roman und die Figuren sind komplex und tiefgründig!"
Die Handlung besteht daraus, daß die 3 Helden zusammen oder jeder für sich von A nach B gelangen müssen, dabei ständig dem Tod entrinnen und ihrerseits in Notwehr diverse Leute umbringen. Und wie lange sie immer dazu brauchen! Hundert Seiten für eine Zugfahrt! "This book is all about transportation!" Und alles scheint in Zeitlupe vor sich zu gehen, soll aber eigentlich action-packed daherkommen. Und dann auch noch so unanschaulich schlecht beschrieben, daß die Räume/Häuser/Züge/Städte oder einfach die "Abläufe" einfach nicht plastisch werden wollen - ich kann mir die Örtlichkeiten nie richitig vorstellen und bin häufig verwirrt, wie sie jetzt auf einmal in den nächsten Raum gelangt sind. Schlecht! Wie konnten so viele Kritiker dem Autor seine Prätension abkaufen: spannender, dabei aber komplexer und richtig phantasievoller Rundumschlag? Die haben das Buch, so meine Vermutung, alle nach ca. 100 Seiten weggelegt - und wissen nicht, daß auf den nächsten 780 Seiten nichts, aber auch gar nichts anderes mehr passiert!
So richtig angefangen zu hassen habe ich es dann wegen kleiner, nerviger Schlampigkeiten: es spielen (mal wieder) Deutsche eine Rolle, und die kommen aus "Macklenburg" und heißen z.B. "Flaüss". Hallo?? Kann man das nicht anständig lektorieren und wenigstens mal in Wikipedia nachgucken, wie diese Gegend wirklich heißt? Und wo im Deutschen diese lustigen Pünktchen auf Vokalen gesetzt zu werden pflegen?
Es hängt mir auch zum Hals raus, daß auf jeder Seite (mindestens!) einmal irgendjemand "scoffed". Gibt's keine anderen Vokabeln? Schonmal was von Synonymenlexika gehört? Und wozu diese künstlichen Cliffhanger - kaum ein Abschnitt ist länger als 2,5 Seiten, Szenen werden willkürlich unterbochen, nur um Spannung vorzutäuschen - ätzend! Schlecht, so schlecht!
Das alles ist geschrieben wie darauf geschielt, die Rechte für eine Verfilmung möglichst teuer zu verkaufen - aber ich möchte bitte bitte nie die Verfilmung dieses Machwerks erleben müssen.
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