von Gordon W. Dahlquist - ich hatte mir einen spannenden Schmöker versprochen, einen Schinken zum Wegschlabbern an einem faulen Herbstwochenende, mal wieder Urlaub fürs Hirn und von der Realität. Diese Hoffnung schien nicht übertrieben, da u.a. der Guardian schrieb "it is a page-turner" -überhaupt ist das Buch ziemlich gehypt als sonstwie originell und ehrgeizig und spannend usw. usf.Alles Lüge. Es ist stinkend langweilig und uninterressant. Die Charaktere sind nicht nur platt und eindimensional, sondern werden dadurch auch noch unnötig völlig unplausibel gemacht (nichts gegen eindimensionale Charaktere, heldenhafte Helden und liebende Liebende, wenn sie überzeugend und knackig sind), daß ihnen nach ca. 500 (von 880!) Seiten plötzlich an den Haaren herbeigezogene Skrupel/Gefühle/Motive zugeschrieben werden. Da kann man auch gleich in das Buch reinschreiben: "dies ist ein ehrgeiziger Roman und die Figuren sind komplex und tiefgründig!"
Die Handlung besteht daraus, daß die 3 Helden zusammen oder jeder für sich von A nach B gelangen müssen, dabei ständig dem Tod entrinnen und ihrerseits in Notwehr diverse Leute umbringen. Und wie lange sie immer dazu brauchen! Hundert Seiten für eine Zugfahrt! "This book is all about transportation!" Und alles scheint in Zeitlupe vor sich zu gehen, soll aber eigentlich action-packed daherkommen. Und dann auch noch so unanschaulich schlecht beschrieben, daß die Räume/Häuser/Züge/Städte oder einfach die "Abläufe" einfach nicht plastisch werden wollen - ich kann mir die Örtlichkeiten nie richitig vorstellen und bin häufig verwirrt, wie sie jetzt auf einmal in den nächsten Raum gelangt sind. Schlecht! Wie konnten so viele Kritiker dem Autor seine Prätension abkaufen: spannender, dabei aber komplexer und richtig phantasievoller Rundumschlag? Die haben das Buch, so meine Vermutung, alle nach ca. 100 Seiten weggelegt - und wissen nicht, daß auf den nächsten 780 Seiten nichts, aber auch gar nichts anderes mehr passiert!
So richtig angefangen zu hassen habe ich es dann wegen kleiner, nerviger Schlampigkeiten: es spielen (mal wieder) Deutsche eine Rolle, und die kommen aus "Macklenburg" und heißen z.B. "Flaüss". Hallo?? Kann man das nicht anständig lektorieren und wenigstens mal in Wikipedia nachgucken, wie diese Gegend wirklich heißt? Und wo im Deutschen diese lustigen Pünktchen auf Vokalen gesetzt zu werden pflegen?
Es hängt mir auch zum Hals raus, daß auf jeder Seite (mindestens!) einmal irgendjemand "scoffed". Gibt's keine anderen Vokabeln? Schonmal was von Synonymenlexika gehört? Und wozu diese künstlichen Cliffhanger - kaum ein Abschnitt ist länger als 2,5 Seiten, Szenen werden willkürlich unterbochen, nur um Spannung vorzutäuschen - ätzend! Schlecht, so schlecht!
Das alles ist geschrieben wie darauf geschielt, die Rechte für eine Verfilmung möglichst teuer zu verkaufen - aber ich möchte bitte bitte nie die Verfilmung dieses Machwerks erleben müssen.
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