Heute habe ich auf derbste Art eine Lektion in Sachen Ironie bekommen - und habe nicht mal das passende Lied parat: "Isn't it ironic".
Ist okay, Leben, du bitch, ich hab's geschnallt - und auch das mit dem "wen die Götter strafen wollen, erfüllen sie seine Wünsche".
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Samstag, 27. Dezember 2008
Revolution
Wahnsinn, wie schnell die Weltwahrnehmung sich ändern kann. Manchmal genügt ein Tag, manchmal 5 Minuten - und die Welt ist eine gänzlich andere geworden, revolutioniert. Und wie grauenhaft abhängig das ist von extrinsischen Umständen! Einmal mehr erscheint ein Leben als Einsiedlerin extrem reizvoll. Wozu sich abhängig machen von anderen? Warum nicht autark und allein sein?
Mittwoch, 24. Dezember 2008
Weihnachtsüberlagerungen
Nachdem ich gestern noch frotzelte, ob es nicht eher "Wein-Nacht" heißt, brauche ich heute tatsächlich ein gerüttelt Maß an Alkohol, um den Abend zu überstehen. Und das, obwohl ich nicht alleine in meiner Berliner Wohnung sitze, sondern bei der lebhaften und nicht winzigkleinen Familie meiner lieben Schwester. Meine jüngste Nichte hat ihren boy friend da, vielleicht spielt das neiderweckend eine Rolle. Oder, daß es vertraut ist, weil Familie, aber doch reichlich eigenartig, weil z.B. meine Mutter fehlt und es auch keinerlei Bestrebungen gibt, weitere Geschwister zu treffen. Auch seltsam ist, während der Feiertage nicht wie irre durch halb Deutschland zu reisen, das ist so ungewohnt stationär und allein durch die fehlende Hektik etwas lähmend.
Vielleicht wäre es doch verträglicher gewesen, in Berlin zu bleiben? Das wäre immerhin ein gänzlich anderes Weihnachten gewesen und hätte daher vielleicht die scheinbar kleinen, aber letzlich so entscheidenden Differenzen zu Weihnachten der letzten Jahre nicht so überdeutlich gemacht? Wenn alles ganz anders ist, schieben sich wohlmöglich nicht so penetrant die vordergründig ähnlichen Bilder der Vergangenheit vor die Gegenwart und dieses ungute Schwindelgefühl wäre ausgeblieben? Stattdessen hätte ich mir mit Peter Fox sagen können "Alles neu!" - eben auch die Art, Weihnachten zu verbringen, was ein stärkendes Bewußtsein von Coolness und Unabhängigkeit hätte bringen können. Stattdessen bin ich befremdet und fühle mich wie die Vorlage für dieses Suchspiel mit den zwei nur auf den ersten Blick identischen Bildern mit der Aufgabe "Finde die Fehler".
Vielleicht wäre es doch verträglicher gewesen, in Berlin zu bleiben? Das wäre immerhin ein gänzlich anderes Weihnachten gewesen und hätte daher vielleicht die scheinbar kleinen, aber letzlich so entscheidenden Differenzen zu Weihnachten der letzten Jahre nicht so überdeutlich gemacht? Wenn alles ganz anders ist, schieben sich wohlmöglich nicht so penetrant die vordergründig ähnlichen Bilder der Vergangenheit vor die Gegenwart und dieses ungute Schwindelgefühl wäre ausgeblieben? Stattdessen hätte ich mir mit Peter Fox sagen können "Alles neu!" - eben auch die Art, Weihnachten zu verbringen, was ein stärkendes Bewußtsein von Coolness und Unabhängigkeit hätte bringen können. Stattdessen bin ich befremdet und fühle mich wie die Vorlage für dieses Suchspiel mit den zwei nur auf den ersten Blick identischen Bildern mit der Aufgabe "Finde die Fehler".
Dienstag, 23. Dezember 2008
Surreale S-Bahn
Am Südkreuz formerly known as Papestraße steige ich in eine am Bahnsteig als "S 41 nach Gesundbrunnen über Westkreuz" ausgewiesene S-Bahn (bin dort immer leicht desorientiert, die Richtung scheint mir aber hinzuhauen). In der S-Bahn sagt die Lauftextanzeige "S 42 Richtung Hermannstraße, nächster Halt Tempelhof", die Stimme vom Band meint dasselbe. Mist, denke ich und mache mich bereit, an der nächsten Station (=Tempelhof) wieder auszusteigen, gucke zufällig auf das Schild auf dem Bahnsteig, und das sagt: Schöneberg. Da ist ja eigentlich klar, was Sache ist bzw. daß die Anzeige und -Sage in der S-Bahn falsch gepolt ist. Trotzdem bleibt es 15 Minuten lang an jedem S-Bahnhof für mich leicht unwägbar, wo ich nun wirklich bin - ich traue den Schildern auf den Bahnhöfen nicht dringend mehr als der in der S-Bahn laufenden Anzeige, meinen eigenen Sinnen nicht mehr als dem geschriebenen Wort, meiner eigenen Erkenntnis nicht unbedingt mehr als der vermittelten Wirklichkeit. Das Ganze ergibt ein 15 Minuten anhaltendes surreales Gefühl von Vertigo - entschieden kafkaesk.
Dienstag, 9. Dezember 2008
Anonyma
Ich nutze diesen Blog als Sammellager und Ausweichdeponie für allen möglichen Kram, der mir grade so durchs Hirn wabert und habe überhaupt kein Problem damit, mir, wie eine Freundin sagte "in den Kopf gucken zu lassen", weil ich ja sowieso alle, die mich kennen und die Geduld aufbringen, sich mein Gedankenmäandere anzuhören, damit zutexte.
Der unwahrscheinliche Fall, dass mir Unbekannte den Blog lesen, läßt mich auch kalt - was kratzt es mich, was irgendjemand, den ich nicht kenne, und der nicht weiß, wer ich bin, von mir liest? Das ist eben genau der Segen der Anonymität.
Kürzlich habe ich aber mal ernsthaft - und länger! - darüber nachgedacht, ob es sowas wie ein für andere nicht zugängliches Blog gibt, also ein Blog, das nicht gelesen werden kann - und ich bin tatsächlich erst nach etlichen Denkminuten drauf gekommen, daß es das in der Tat gibt: man nennt es Tagebuch.
Früher gab's das in Papierform, heute böte sich eine Datei auf dem eigenen Rechner an... wie Web 2.0 ist das denn, daß ich da ernsthaft nicht sofort drauf gekommen bin?
Der unwahrscheinliche Fall, dass mir Unbekannte den Blog lesen, läßt mich auch kalt - was kratzt es mich, was irgendjemand, den ich nicht kenne, und der nicht weiß, wer ich bin, von mir liest? Das ist eben genau der Segen der Anonymität.
Kürzlich habe ich aber mal ernsthaft - und länger! - darüber nachgedacht, ob es sowas wie ein für andere nicht zugängliches Blog gibt, also ein Blog, das nicht gelesen werden kann - und ich bin tatsächlich erst nach etlichen Denkminuten drauf gekommen, daß es das in der Tat gibt: man nennt es Tagebuch.
Früher gab's das in Papierform, heute böte sich eine Datei auf dem eigenen Rechner an... wie Web 2.0 ist das denn, daß ich da ernsthaft nicht sofort drauf gekommen bin?
Samstag, 6. Dezember 2008
Novemberkind

Die Rezensionen waren durchweg so angetan, daß meine Zweifel (Doppelrolle Mutter und Tochter, da werd ich schon vorsichtig) hinweggefegt wurden; zu Unrecht. Mag ja an mir liegen, aber ich fand Story und Erzählweise unangenehm konstruiert und überfrachtet. Und vor allem kann ich nicht die Ansicht teilen, daß man nicht merkt, daß es ein Abschlußfilm ist - ich finde, man merkt sehr deutlich, daß der Regisseur seinen Themen - u.a. Schuld und individuelle Verantwortung - (noch) nicht gewachsen ist. Zuviel krampfhaft symbolische Handlungen und Bilder, zuwenig erfahrener Schmerz. Zumal man den Personen nicht wirklich nahe kommt, sie bleiben alle so fern und fremd, daß zumindest ich kein wirkliches Interesse entwickelt habe; was besonders befremdlich war, als man sich von der Besetzung her in einem Andreas-Dresen-Film wähnte, aber in dessen Filmen ist man eben ganz dicht an den Figuren dran und lebt mit ihnen mit - hier nicht.
Ein Film, der seinen eigenen Ansprüchen nicht recht gerecht wird.
Und mein Urteil bestätig: nichts angucken, weder Theaterstück noch Film, in dem Ulrich Matthes mitspielt. Der nervt immer nur mit seiner manischen und trotzdem so dermaßen flachen Spielweise und offenbar bürgt sein Mitwirken stets für Nicht-Qualität.
Samstag, 29. November 2008
Wider den Eskapismus (?)
Mit der Beschreibung von Lesen als eine Form der Selbstentrückung meine ich keineswegs, daß ich Lesen als Eskapismus betrachte oder betreibe. Ganz das Gegenteil ist der Fall: Lesen ist (m)eine Art der Weltaneignung - was aber bedeutet, daß ich mich beim Lesen genau nicht mit mir, sondern mit der Welt auseinandersetze; insofern also ist es eine Befreiung vom Kreisen um das eigene kleine begrenzte Selbst mit seinem Weltausschnittchen.
Lesen bedeutet, neues kennenzulernen, sich mit anderen als den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen, im besten Fall Neues über die Welt lernen, im allerbesten Fall Horizonterweiterung oder gar Epiphanie. Meine etwas grobe Formel: Literatur ist Philosophie plus Kunst bedeutet genau nicht, lesen als Weltflucht zu benutzen.
Diese Art der Auseinandersetzung bedeutet, natürlich, die Auseinandersetzung in einem geschützten, alles andere als unmittelbarem Raum: wie durch eine Milchglasscheibe beobachtend bin ich davor gefeit, tatsächlich selber involviert und verletzt zu werden. Schmerz und Leid mögen emphatisch getriggert werden, aber es bleibt ein gefilterter Widerhall eigenen Erlebens; Anna Karenina wirft sich vor den Zug - ich lebe ruhig weiter; Effie Briest geht zugrunde - auch das beeinträchtigt meinen Gefühlshaushalt nicht nachhaltig. Schmerz und Leid der Romanfiguren sind letztlich nicht meine.
Aber, dennoch: ich habe doch etwas erfahren durch das Lesen dieser Romane; meine Weltsicht - und damit meine Welt! - hat sich doch verändert, mein Gedanken- und Gefühlsgefüge ist doch nicht dasselbe wie vor der Lektüre?
Lesen bedeutet, neues kennenzulernen, sich mit anderen als den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen, im besten Fall Neues über die Welt lernen, im allerbesten Fall Horizonterweiterung oder gar Epiphanie. Meine etwas grobe Formel: Literatur ist Philosophie plus Kunst bedeutet genau nicht, lesen als Weltflucht zu benutzen.
Diese Art der Auseinandersetzung bedeutet, natürlich, die Auseinandersetzung in einem geschützten, alles andere als unmittelbarem Raum: wie durch eine Milchglasscheibe beobachtend bin ich davor gefeit, tatsächlich selber involviert und verletzt zu werden. Schmerz und Leid mögen emphatisch getriggert werden, aber es bleibt ein gefilterter Widerhall eigenen Erlebens; Anna Karenina wirft sich vor den Zug - ich lebe ruhig weiter; Effie Briest geht zugrunde - auch das beeinträchtigt meinen Gefühlshaushalt nicht nachhaltig. Schmerz und Leid der Romanfiguren sind letztlich nicht meine.
Aber, dennoch: ich habe doch etwas erfahren durch das Lesen dieser Romane; meine Weltsicht - und damit meine Welt! - hat sich doch verändert, mein Gedanken- und Gefühlsgefüge ist doch nicht dasselbe wie vor der Lektüre?
Freitag, 28. November 2008
Waltz with Bashir

Ein Hammerfilm. Optisch das brillianteste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe, absolut umwerfend, manche Bilder und Sequenzen absolut hypnotisch - man kann sich überhaupt nicht entziehen. Ein rasanter Soundtrack, der stellenweise fast manische Energie in den Film und den Zuschauer pumpt. Zum Teil sehr dicht an "Apocalypse Now", sowohl in den fast mythisch überhöhten Bildern als auch in der Darstellung des durch und im Krieg entstehenden Irrsinns.
Mich hat der Film mindestens erschüttert, eigentlich eher verstört, und das nachhaltig - der Tag danach war wie überschattet, viele Bilder zucken mir jetzt noch, Tage später, durch den Kopf und lassen mich innehalten.
Montag, 24. November 2008
Lesen ist wie Atmen
bzw. das tägliche Wort ist wichtiger als das tägliche Brot, daher ja auch der Blogname. Um im ersten Bild zu bleiben: ich halte seit 5 Wochen die Luft an, denn in den letzten 5 Wochen habe ich ein einziges Buch gelesen. Eines! In 5 Wochen! Normalerweise halte ich soviel Eigenrealität gar nicht aus, daß ich so wenig lesen könnte. Vielleicht bin ich im Moment einfach mit Selberleben ausgelastet, anstrengend, aber schön und gut. Vielleicht fehlt mir aber auch komplett die zum Lesen nötige innere Ruhe. Nicht so schön und gut - Luftanhalten ist auf Dauer hirnschädigend.
Mittwoch, 19. November 2008
Scheiß-Fußball, Scheiß-Hools, Scheiß-Testosteron-Scheiße
Was ich zur Fußball-WM befürchtet hatte, was aber damals glücklicherweise nie eingetreten ist (oder nur von mir nicht erlebt wurde?), die Kleinhölle hatte ich heute zu dem scheiß Fußballspiel Deutschland-England: auf dem überquellenden U-Bahngleis am Zoo schon grölende und schreiende Besoffene, Polizei und BVG-Wachleute mit fetten Schäferhunden ohne Ende, aggressive üble Stimmung, eine sardinenbüchsenvollgequetschte U-Bahn mit diesen sympathischen Zeitgenossen, und dann am Ernst-Reuter-Platz die endgültig dampfende Kacke: rennende, schreiende und prügelnde Horden, vier prügeln auf einen Mann ein, dem läuft das Blut über den Nacken, keiner geht dazwischen (ich auch nicht, Ausrede: bin mittendrin in der Sardinenbüchse) - was genau machen diese Fritzen in BVG-Leibchen auf dem Gleis eigentlich? - die ganze U-Bahn vollgestopft mit Leuten, und wie wahnsinnig schnell die Luft in so einem vollgepackten Waggon verbraucht ist!
Was tun - aussteigen und dieser Scheiße entkommen und evtl. mittenrein geraten in die Gewalthandlungen oder die Klaustrophobie bekämpfen - wobei unklar ist, ob die Prügelnden nicht auch in diesen Waggon einsteigen oder von außen einfach mal dreinhauen. Die U-Bahn steht mind. 8 Minuten, gefühlte 28, am Ernst-Reuter-Platz, bevor es weitergeht.
Meine Waggonecke bleibt dankenswerterweise recht gefaßt, Engländer und Deutsche, aber leichte Panik kommt doch auf, und in Fremdhirnen geht dann auch so mancher Mist drunter und drüber und quillt aus dem Mund: "alles rund um die Uhr mit Kameras überwachen!"
An der Deutschen Oper nix wie raus.
Scheißescheißescheiße.
Was tun - aussteigen und dieser Scheiße entkommen und evtl. mittenrein geraten in die Gewalthandlungen oder die Klaustrophobie bekämpfen - wobei unklar ist, ob die Prügelnden nicht auch in diesen Waggon einsteigen oder von außen einfach mal dreinhauen. Die U-Bahn steht mind. 8 Minuten, gefühlte 28, am Ernst-Reuter-Platz, bevor es weitergeht.
Meine Waggonecke bleibt dankenswerterweise recht gefaßt, Engländer und Deutsche, aber leichte Panik kommt doch auf, und in Fremdhirnen geht dann auch so mancher Mist drunter und drüber und quillt aus dem Mund: "alles rund um die Uhr mit Kameras überwachen!"
An der Deutschen Oper nix wie raus.
Scheißescheißescheiße.
The Road Home

Eine meiner englischen Kolleginnen sagte vor einigen Jahren "Rose Tremain can do anything", und ich war ihrer Meinung. Bis zu diesem Buch, das enttäuscht. Rose Tremain schafft es nicht, der doch mittlerweile zu beliebig gewordenen Geschichte vom ostischen/russischen Einwanderer, der versucht, in London eine Existenzgrundlage und vielleicht sogar ein neues Leben aufzubauen, neue und interessante Aspekte hinzuzufügen. So wunderschön die ersten beiden Kapitel geschrieben sind, so prägnant dort die totale Entfremdung bei der Ankunft in London beschrieben wird und die Weltverlorenheit angesichts einer fremden Sprache, die man zu sprechen meint, in der man sich aber doch nicht zu verständigen vermag, so sehr läßt die Dichte an Sprache und Gedanken dann nach, als hätte die Idee nicht getragen für einen ganzen Roman. Die Verlorenheit Levs wird nicht nur durch sein Leben in der Fremde begründet, sondern mehr noch durch den nicht verschmerzten Tod seiner Frau - aber es paßt nicht, es wird nicht schlüssig, es überwiegt zu sehr das Klischeebild des verlorenen, ausgebeuteten Ausländers. Lev ist und bleibt ein Opfer, so sehr das Buch sich bemüht, ihm selber Verantwortung oder eigenes Versagen zuzuschreiben - es gelingt nicht. Und das ist vermutlich die Crux: die Protagonisten in allen vorangegangenen Romanen Rose Tremains waren alles, nur keine Opfer, sondern höchst eigenwillige und fast schon autistisch autarke Charaktere - und als solche brilliant und völlig überzeugend gestaltet. Ein Opfer aber als Hauptperson - das kann Frau Tremain nicht. Das Innenleben eines solchen Charakters ist einfach nicht interessant und facettenreich genug, um Rose Tremains sonst so kraftvolle und eigenwillige Sprache zum Glänzen zu bringen, und fast scheint es beim Lesen, als fände die Autorin selber ihre Schöpfung Lev zu langweilig, um sich Mühe mit ihm zu geben.
Mittwoch, 12. November 2008
Mehr vom dualen System
Wie spannend, wenn die von mir so oft getrennt wahrgenommenen Systeme Körper/Seele (obwohl die Seele ja bereits so ziemlich abgeschafft ist mit ihrer inhärenten Transzendenz und man dieses von mir gemeinte Konzept heute vermutlich gemeinhin eher "Psyche", bestenfalls noch "Geist" nennt) plötzlich in eins zusammengekloppt werden, dieser Schlupf zwischen beiden verschweißt wird! Wenn man z.B. aufgrund einer zu vehementen Vollbremsung über den Fahrradlenker geht und sich Sekunden später (meine einzige Filmrißerfahrung soweit) auf der Straße sitzend wiederfindet, ist das ein erholsam ganzheitliches Erlebnis. Geradezu katharsisch.
Zumal mir mit mehr Glück als Verstand nichts passiert ist außer einem quasimodohaft (quasimodAhaft?) aufgequollenem Jochbein und blauen Flecken.
Zumal mir mit mehr Glück als Verstand nichts passiert ist außer einem quasimodohaft (quasimodAhaft?) aufgequollenem Jochbein und blauen Flecken.
Montag, 10. November 2008
Ein Quentchen Trost
Dieser Bond-Film kommt gänzlich handlungsbefreit daher, was mich ein bißchen erschüttert, immerhin ist das Drehbuch von Paul Haggis. Statt Handlung minutenlang Schnitte im Halbsekundentakt (ich habe mitgezählt), so daß man jede Orientierung im gefilmten Raum und jeden Handlungszusammenhang verliert, selbst wenn die Handlung nur eine Prügelei ist. Wer jagt hier wen, wer greift gerade nach der Knarre, was geht hier grade überhaupt ab? Wie so oft bereits gesagt wurde: ein gänzlich untypischer Bond-Film, hart, hart und noch härter, und das vor allem optisch: die Bildausschnitte sind hart abgeschnitten, der Schnitt ist brutal hart, der Kontrast so hart, daß die Augen tränen. Der Optik nach ist der Film ein Comic, nur, irritierenderweise, mit realen Schauspielern.
Der bislang mit Abstand überzeugendste Interpretationsansatz (nicht von mir): die Bond-Filme haben sich endgültig vom Inhalt emanzipiert; es geht nur mehr um die Optik, die Bilder, quasi expressionistisch. Ja, so könnte es sein.
Samstag, 8. November 2008
Herz/Hirn (Innereien)
Die Auflösung des Subjekts habe ich geschrieben in der Hoffnung, daß das Ausformulieren und Festhalten des Gedankengangs mich von ihm befreit. Da ist schon der erste Hackser: warum will ich mich davon befreien? Der zweite Hackser: das Ausformulieren gelingt nicht zu meiner Zufriedenheit. Sofort wieder der mittlerweile leider so abgegriffene, aber so so grundlegende Zweifel: kann ich denken, was ich nicht aussprechen kann? Irgendetwas am Gedachten läßt sich nicht in Worte pressen - aber was? Vermutlich ist das nicht wirklich stringente und klare Denken die Ursache. Gemengelage im Hirn ergibt leider auch ausformuliert keine brilliante Logik. Auch das kein einfacher Gedanke.
Aber zurück zum ersten Hackser: der Gedanke existiert in meinem Hirn - aber auch in meinem Herzen. (Um es mal platt im altbackenen Dualismus zu formulieren, da mir insbesondere für "Herz" gerade kein treffenderer Begriff einfällt.) Mein Hirn ist fasziniert und fängt an, auf dem Knochen herumzukauen. Mein Herz zieht insofern mit, als es sich inhaltlich spontan dem Gedanken anschließt: gefühltes Wissen. Aber: ihm tut der Gedanke gleichzeitig weh.
Hund Hirn redet sich raus mit: ich tu nix, ich will nur spielen. Was gedacht werden kann, wird gefälligst auch gedacht, wo bleibt sonst der sportliche Ehrgeiz. Und so wird auch gerne und ausgiebig auf Sachen rumgedacht, die dem Herzen tiefes Unbehagen oder gar Schmerzen verursachen.
Nun aber: warum gibt es diese Spaltung in der Wahrnehmung? Warum führen in neutraler Neugier gedachte Dinge zu emotionalen Verwerfungen? Und warum läßt man von diesen Gedanken nicht sofort ab, als hätte man sich die Hand an der heißen Herdplatte verbrannt?
Oder so, und das am allerwahrscheinlichsten: denke nie, gedacht zu haben...
Aber zurück zum ersten Hackser: der Gedanke existiert in meinem Hirn - aber auch in meinem Herzen. (Um es mal platt im altbackenen Dualismus zu formulieren, da mir insbesondere für "Herz" gerade kein treffenderer Begriff einfällt.) Mein Hirn ist fasziniert und fängt an, auf dem Knochen herumzukauen. Mein Herz zieht insofern mit, als es sich inhaltlich spontan dem Gedanken anschließt: gefühltes Wissen. Aber: ihm tut der Gedanke gleichzeitig weh.
Hund Hirn redet sich raus mit: ich tu nix, ich will nur spielen. Was gedacht werden kann, wird gefälligst auch gedacht, wo bleibt sonst der sportliche Ehrgeiz. Und so wird auch gerne und ausgiebig auf Sachen rumgedacht, die dem Herzen tiefes Unbehagen oder gar Schmerzen verursachen.
Nun aber: warum gibt es diese Spaltung in der Wahrnehmung? Warum führen in neutraler Neugier gedachte Dinge zu emotionalen Verwerfungen? Und warum läßt man von diesen Gedanken nicht sofort ab, als hätte man sich die Hand an der heißen Herdplatte verbrannt?
Oder so, und das am allerwahrscheinlichsten: denke nie, gedacht zu haben...
Freitag, 7. November 2008
Die Auflösung des Subjekts
Vielleicht ist es das, was das Thema "Identität" für mich so drängend und virulent macht: die gerade stattfindende - oder zumindest beginnende Auflösung des Subjekts.
Nachdem die konventionellen Zwänge und Vorschriften des Erlaubten und Nicht-Erlaubten weitgehend verschwunden sind, geht es nun darum, eigenverantwortlich zu werden, die man ist. (Daß das Postulat "alles ist jedem möglich" so auch nicht den Tatsachen entspricht und, anders formuliert, die Prämisse "jede ist ihres Glückes Schmied" mir insbesondere in dieser geschlechtsspezifischen Form lediglich eine Generalabsolution für gesellschaftliche Schieflagen zu sein scheint, sei jetzt mal dahingestellt.)
Diese von allen äußeren und inneren Lebensrahmenbedingungen losgelöste Verantwortung ist an und für sich ja schon eine reichliche Last: wer ist man denn?
Aber jetzt kommt hinzu, daß von diversen Seiten eben dieses sich selbst verwirklichende und immerzu zwanghaft (weil nicht unbedingt intrinsisch motiviert) aktiv handelnde und sich selbst bestimmende Subjekt erodiert wird: die neurologische Forschung zerlegt es in biochemische Prozesse, chemische Stoffe erlauben immer umfassender eine Kontrolle oder gar Änderung des Ichzustands. In wenigen Jahren haben Antidepressiva eine Karriere von mißtrauisch beäugten, irgendwie drogenartigen Substanzen zu lifestyle-Accessoires gemacht, fast auf einem Level mit der Pflege des Körpers durch den regelmäßigen Gang ins Fitness-Studio. Warum einen sperrenden psychischen Zustand aushalten, wenn man ihn ändern kann, ebenso wie durch eine andere Droge die körperliche Leistungsfähigkeit erhöht wird?
Das Subjekt steht zur Disposition: wer bin ich, wenn das Ich sich lediglich über Synapsenfunktionen manifestiert - und diese, also das Selbst, nach Bedarf und Anforderung veränderbar sind? Das Ich erhält eine bedrohliche Beliebigkeit, ja sogar Flüchtigkeit, wenn es allein durch biochemische Prozesse hergestellt wird und nach Bedarf oder Anforderung durch chemische Stoffe veränderbar ist.
Dieser inneren Zerfaserung des Subjekts steht die immer ausuferndere Zurschaustellung der Subjektoberfläche (oder ist es mehr als Oberfläche?) gegenüber, idealerweise ist das Subjekt omnipräsent: ich bin da, also gibt es (m)ein Ich. Ideale Plattform dafür, natürlich: facebook, stayfriends, studivz usw. usw. Oder, auch das, ein Blog.
Diese Ambivalenz von inhaltlicher Auflösung einerseits und Verbreitung, Verfügbarmachen andererseits verursacht mir tiefes Unbehagen. Es hat was von "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" - die technische Verbreitung ist über die Maßen gewährleistet, das Subjekt reproduziert sich ad infinitum, aber analog zur Bildenden Kunst ist die Reproduktion ganz und gar nicht identisch mit dem Originalsubjekt, das selber zunehmend aus dem Blickfeld gerät - oder, um mit Benjamin zu sprechen, seine "Aura" verliert.
Und zwischen diesen Polen: was macht Identität aus? Was bleibt Kern des Subjekts? Bleibt ein Kern? Oder ist die Identität der nächste Selbstbestimmungsspielplatz: nach dem Körper bastele ich mir auch meinen Geist, mein Bewußtsein, mein Ich, wie es mir gefällt. Dann wäre das Subjekt aufgelöst.
Nachdem die konventionellen Zwänge und Vorschriften des Erlaubten und Nicht-Erlaubten weitgehend verschwunden sind, geht es nun darum, eigenverantwortlich zu werden, die man ist. (Daß das Postulat "alles ist jedem möglich" so auch nicht den Tatsachen entspricht und, anders formuliert, die Prämisse "jede ist ihres Glückes Schmied" mir insbesondere in dieser geschlechtsspezifischen Form lediglich eine Generalabsolution für gesellschaftliche Schieflagen zu sein scheint, sei jetzt mal dahingestellt.)
Diese von allen äußeren und inneren Lebensrahmenbedingungen losgelöste Verantwortung ist an und für sich ja schon eine reichliche Last: wer ist man denn?
Aber jetzt kommt hinzu, daß von diversen Seiten eben dieses sich selbst verwirklichende und immerzu zwanghaft (weil nicht unbedingt intrinsisch motiviert) aktiv handelnde und sich selbst bestimmende Subjekt erodiert wird: die neurologische Forschung zerlegt es in biochemische Prozesse, chemische Stoffe erlauben immer umfassender eine Kontrolle oder gar Änderung des Ichzustands. In wenigen Jahren haben Antidepressiva eine Karriere von mißtrauisch beäugten, irgendwie drogenartigen Substanzen zu lifestyle-Accessoires gemacht, fast auf einem Level mit der Pflege des Körpers durch den regelmäßigen Gang ins Fitness-Studio. Warum einen sperrenden psychischen Zustand aushalten, wenn man ihn ändern kann, ebenso wie durch eine andere Droge die körperliche Leistungsfähigkeit erhöht wird?
Das Subjekt steht zur Disposition: wer bin ich, wenn das Ich sich lediglich über Synapsenfunktionen manifestiert - und diese, also das Selbst, nach Bedarf und Anforderung veränderbar sind? Das Ich erhält eine bedrohliche Beliebigkeit, ja sogar Flüchtigkeit, wenn es allein durch biochemische Prozesse hergestellt wird und nach Bedarf oder Anforderung durch chemische Stoffe veränderbar ist.
Dieser inneren Zerfaserung des Subjekts steht die immer ausuferndere Zurschaustellung der Subjektoberfläche (oder ist es mehr als Oberfläche?) gegenüber, idealerweise ist das Subjekt omnipräsent: ich bin da, also gibt es (m)ein Ich. Ideale Plattform dafür, natürlich: facebook, stayfriends, studivz usw. usw. Oder, auch das, ein Blog.
Diese Ambivalenz von inhaltlicher Auflösung einerseits und Verbreitung, Verfügbarmachen andererseits verursacht mir tiefes Unbehagen. Es hat was von "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" - die technische Verbreitung ist über die Maßen gewährleistet, das Subjekt reproduziert sich ad infinitum, aber analog zur Bildenden Kunst ist die Reproduktion ganz und gar nicht identisch mit dem Originalsubjekt, das selber zunehmend aus dem Blickfeld gerät - oder, um mit Benjamin zu sprechen, seine "Aura" verliert.
Und zwischen diesen Polen: was macht Identität aus? Was bleibt Kern des Subjekts? Bleibt ein Kern? Oder ist die Identität der nächste Selbstbestimmungsspielplatz: nach dem Körper bastele ich mir auch meinen Geist, mein Bewußtsein, mein Ich, wie es mir gefällt. Dann wäre das Subjekt aufgelöst.
Aggro Berlin
5 Tage die Sonne nicht gesehen. Schlimmer: 5 Tage in ständiger Dämmerung verbracht - es wurde gar nicht richtig hell. Und schon ist festgeklebt in meinem Hirn die Endlosschleife: "Dickes B oben an der Spree, im Sommer tust Du gut und im Winter tuts weh!"
Und dabei hat der Winter noch nicht einmal angefangen...
Und dabei hat der Winter noch nicht einmal angefangen...
Mittwoch, 5. November 2008
Viva Berlin
Wieder eine Nacht fast nicht geschlafen. Wie kann ein so schweres Herz dermaßen rasen?
Egal - nachdem die BVG sich meine Sympathien weitestgehend dadurch verscherzt hatte, daß sie meine abendliche Direktanbindung an Kreuzberg (die U12) geknickt hat, hat sie heute wieder deutlich Punkte gewonnen: ein Notfalleinsatz unterbrach die U2 zwischen Oologischem Garten (danke, Bettina!) und Gleisdreieck - und sofort waren Ersatzbusse ab Zoo im Einsatz. Hut ab.
So richtig schön berlin war dann der saucoole Bus/U2Ersatz-Fahrer mit seinem schnoddrigen scheißegal-Tonfall auf hysterische Fragen: "ich fahr jetzt bis Gleisdreieck, anders geht's ja nich"; und auf mein zugegebenermaßen reichlich dämliches "wann ungefähr fahren Sie los?" gänzlich lapidar: "gleich".
Hurrah! Viva Berlin!
Egal - nachdem die BVG sich meine Sympathien weitestgehend dadurch verscherzt hatte, daß sie meine abendliche Direktanbindung an Kreuzberg (die U12) geknickt hat, hat sie heute wieder deutlich Punkte gewonnen: ein Notfalleinsatz unterbrach die U2 zwischen Oologischem Garten (danke, Bettina!) und Gleisdreieck - und sofort waren Ersatzbusse ab Zoo im Einsatz. Hut ab.
So richtig schön berlin war dann der saucoole Bus/U2Ersatz-Fahrer mit seinem schnoddrigen scheißegal-Tonfall auf hysterische Fragen: "ich fahr jetzt bis Gleisdreieck, anders geht's ja nich"; und auf mein zugegebenermaßen reichlich dämliches "wann ungefähr fahren Sie los?" gänzlich lapidar: "gleich".
Hurrah! Viva Berlin!
Dienstag, 4. November 2008
Burn After Reading
Die können's einfach. Man weiß sich jede Minute in den besten Händen, wenn man diesen Film sieht - große Klasse. Was man leicht übersieht, weil der Film einfach so ein Riesenspaß ist (s. Bild) - aber anders als "Intolerable Cruelty", der das mit der Screwball Comedy nicht so wirklich gut hinkriegte, eine absolut runde Sache. George Clooney nervt, aber das dürfte meine Minderheitenmeinung sein und bleiben. Der ganze Film hat sich schon gelohnt für den Satz der für multiple Schönheits-OPs Schulden machenden Linda: "I've come as far as I could with this body, I can't go any further with it" - kenn ich! (Ist schon ne Weile her, dass ich den Film gesehen habe, aber nachdem mir aufging, dass ich einige der brilliantesten Filme dieses Jahres überhaupt nicht erwähnt habe - z.B. "I'm not there" oder "No Country for Old Men" packte mich die Blogger- bzw. Vergessenspanik.)
Samstag, 1. November 2008
Wall.e (oder so ähnlich)
Toller Anfang, unendlich viele Filmzitate (wär ja fast mal ne Erholung, einen Film ohne Panzerkreuzer-Potemkin-Zitat zu sehen), optisch streckenweise großes Kino - aber voll die emotionale Vergewaltigung. Mit aller Macht wird auf die Tränendrüse gedrückt - nee danke, ohne mich, mich kriegt ihr nicht so billig.
Und, nebenbei: die "Beziehung" (ha!) zwischen Wall.e (oder so ähnlich) und Eva (omyGod, mußte DAS wirklich auch noch sein??) ist ziemlich krank.
Und, nebenbei: die "Beziehung" (ha!) zwischen Wall.e (oder so ähnlich) und Eva (omyGod, mußte DAS wirklich auch noch sein??) ist ziemlich krank.
Freitag, 31. Oktober 2008
Insomnia
Erstaunlich, wie lange man mit wie wenig Schlaf funktionieren kann. Seit 2 Wochen geht das jetzt, und irgendwie steht man trotzdem jeden Morgen auf und kommt irgendwie durch den Tag.
Wieder nur 3 h geschlafen, wieder um 5 Uhr aufgewacht, wieder mit einem Puls von 100 bpm im Bett gelegen und gedacht: dumußtschlafen dumußtschlafen.
Kann nicht so richtig gesund sein auf die Dauer... das Herz verschleißt sich auch so'n bisschen dabei, könnte ich mir vorstellen.
Aber in Berlin gibt's bestimmt haufenweise Insomnia-Selbsthilfegruppen. Dann ist ja alles in Butter.
Wieder nur 3 h geschlafen, wieder um 5 Uhr aufgewacht, wieder mit einem Puls von 100 bpm im Bett gelegen und gedacht: dumußtschlafen dumußtschlafen.
Kann nicht so richtig gesund sein auf die Dauer... das Herz verschleißt sich auch so'n bisschen dabei, könnte ich mir vorstellen.
Aber in Berlin gibt's bestimmt haufenweise Insomnia-Selbsthilfegruppen. Dann ist ja alles in Butter.
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Analogien / Lornas Schweigen II
Während des ganzen Films sah ich wie in einer Überblendung die Bilder von Francis Bacon vor mir: hier wie dort in Raster gezwungene und voneinander isolierte Einzelwesen, die die Einsamkeit nur in brutal aussehenden Verkeilungen überwinden, die nichts zärtliches oder sanftes haben. So dermaßen dieselbe Optik - und dieselbe Aussage.
Mein geradezu zwanghaft immerzu Analogien herstellendes Hirn ließ mich den Film nicht ohne dieses Drüberblenden wahrnehmen; funktionieren alle Hirne so, dass alles mit allem in Zusammenhang gebracht wird in einem ewigen Abgleichen alles bisher Erfahrenen oder Gedachten? Oder nur meins? Und: wie stellt man das ab? Es ist so anstrengend, wenn der Prozessor immer dermaßen auf Hochtouren läuft.
Mein geradezu zwanghaft immerzu Analogien herstellendes Hirn ließ mich den Film nicht ohne dieses Drüberblenden wahrnehmen; funktionieren alle Hirne so, dass alles mit allem in Zusammenhang gebracht wird in einem ewigen Abgleichen alles bisher Erfahrenen oder Gedachten? Oder nur meins? Und: wie stellt man das ab? Es ist so anstrengend, wenn der Prozessor immer dermaßen auf Hochtouren läuft.
Lornas Schweigen
Wie der Vorgänger "L'Enfant" ein beinharter Film über Menschenleben als Ware. Die erste Einstellung zeigt, wie Geld abgezählt wird und über einen Bankschalter die Hände wechselt, und das ist dann auch ein immer wiederkehrendes, zentrales Bild.
Geld ist bis fast zum Ende des Films das einzige die Personen verbindende Element: es gibt keine zwischenmenschlichen Beziehungen, nur Geld, das den Besitzer wechselt. Lorna hütet, bewahrt und berührt Geld - kaum aber ihre Mitmenschen. Fast ist es, als hätte sie anstelle einer Seele - Geld.
Für die völlige Isolation der Personen findet der Film eine glasklare, zunehmend bedrückende Ästhetik: die Einstellungen sind stets klaustrophobisch dicht an den Personen, fast immer in geschlossenen, engen Räumen, die zusätzlich verengt werden durch optische vertikale oder horizontale teilende Linien: Türrahmen, Fensterrahmen, Änderung der Wandfarbe. Befinden sich einmal zwei Personen gleichzeitig im Bild, werden sie immer durch solche Raster getrennt - überdeutliches Abbild der unüberwindlichen Abgegrenztheit voneinander. Oft verlassen die Personen komplett das Bild - die emotionale Leere wird gänzlich anschaulich; was bleibt, sind die trennenden Linien wie Gitterstäbe.
Ein mitfühlendes, zugewandtes Miteinander gibt es nicht - wird der Abstand z.B. zwischen Lorna und ihrem Scheinehepartner Claudy einmal überwunden, so in einer verzweifelten, krampfähnlichen Verklammerung ineinander, die genauso weit weg ist von menschlicher Nähe und Wärme wie die vorangegangene emotionale Kälte.
Allerdings ist das dann doch die Keimzelle für - im Vergleich - gar nicht so wenig Zugewandheit; wenn Lorna und Claudy das Geld für ein Fahrrad zusammenlegen (zumal bei der aufgeladenen Bedeutung von Geld im Film!) und sie ihm ein Stück lachend hinterherläuft, ist das sehr bewegend.
Geld ist bis fast zum Ende des Films das einzige die Personen verbindende Element: es gibt keine zwischenmenschlichen Beziehungen, nur Geld, das den Besitzer wechselt. Lorna hütet, bewahrt und berührt Geld - kaum aber ihre Mitmenschen. Fast ist es, als hätte sie anstelle einer Seele - Geld.Für die völlige Isolation der Personen findet der Film eine glasklare, zunehmend bedrückende Ästhetik: die Einstellungen sind stets klaustrophobisch dicht an den Personen, fast immer in geschlossenen, engen Räumen, die zusätzlich verengt werden durch optische vertikale oder horizontale teilende Linien: Türrahmen, Fensterrahmen, Änderung der Wandfarbe. Befinden sich einmal zwei Personen gleichzeitig im Bild, werden sie immer durch solche Raster getrennt - überdeutliches Abbild der unüberwindlichen Abgegrenztheit voneinander. Oft verlassen die Personen komplett das Bild - die emotionale Leere wird gänzlich anschaulich; was bleibt, sind die trennenden Linien wie Gitterstäbe.
Ein mitfühlendes, zugewandtes Miteinander gibt es nicht - wird der Abstand z.B. zwischen Lorna und ihrem Scheinehepartner Claudy einmal überwunden, so in einer verzweifelten, krampfähnlichen Verklammerung ineinander, die genauso weit weg ist von menschlicher Nähe und Wärme wie die vorangegangene emotionale Kälte.
Allerdings ist das dann doch die Keimzelle für - im Vergleich - gar nicht so wenig Zugewandheit; wenn Lorna und Claudy das Geld für ein Fahrrad zusammenlegen (zumal bei der aufgeladenen Bedeutung von Geld im Film!) und sie ihm ein Stück lachend hinterherläuft, ist das sehr bewegend.
Dienstag, 28. Oktober 2008
Wildgewordene Bibliothekare (oder Juristen?)
Wenn es nicht so dermaßen bekloppt wäre, daß es in seiner Weltfremdheit geradezu tragisch ist, wäre es zum Schreien komisch: die Deutsche Nationalbibliothek ist jetzt auch verpflichtet, das Internet zu archivieren.
HALLO!?!?
Über welche Tische ist das gelaufen, wieviele Leute haben da geschlafen, wie kann ein dermaßen bescheuertes Gesetz erlassen werden - und vor allem: wie konnte die Deutsche Bibliothek das zulassen? Die Bibliothek kann das nun wahrlich so was von überhaupt gar nicht wollen; auch Serverkapazität kostet Geld, und nicht zu knapp, von dem Migrieren der Daten, um sie überhaupt lesbar zu erhalten, gar nicht zu reden.
Was eine Farce! Bei der Frage, wer das verbockt hat, sehe ich doch mal wieder völlig überalterte Knacker vor mir, denen schon die bewegten Bilder des Fernsehns ein Dorn im Auge sind, von neueren Medien wie Internet mal ganz zu schweigen - so Marke Reich-Ranicki. Wem sonst kann so ein Hirnriß unterlaufen? Erinnert mich doch stark an die Frage beim PC-Kauf: "kann der PC auch die neueste Version vom Internet?".
Bitte gerne: ich werde nach jedem neuen Eintrag mein Blog ausdrucken und an die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main und Leipzig schicken. Die werden begeistert sein! (Ist allerdings noch nicht raus, ob auch Blogs abgeliefert werden müssen... aber allein diese Überlegung!Darf doch alles nicht wahr sein!)
Selten habe ich mich so geschämt, meine Brötchen als Bibliothekarin zu verdienen... oder haben da eher die Juristen versagt?
HALLO!?!?
Über welche Tische ist das gelaufen, wieviele Leute haben da geschlafen, wie kann ein dermaßen bescheuertes Gesetz erlassen werden - und vor allem: wie konnte die Deutsche Bibliothek das zulassen? Die Bibliothek kann das nun wahrlich so was von überhaupt gar nicht wollen; auch Serverkapazität kostet Geld, und nicht zu knapp, von dem Migrieren der Daten, um sie überhaupt lesbar zu erhalten, gar nicht zu reden.
Was eine Farce! Bei der Frage, wer das verbockt hat, sehe ich doch mal wieder völlig überalterte Knacker vor mir, denen schon die bewegten Bilder des Fernsehns ein Dorn im Auge sind, von neueren Medien wie Internet mal ganz zu schweigen - so Marke Reich-Ranicki. Wem sonst kann so ein Hirnriß unterlaufen? Erinnert mich doch stark an die Frage beim PC-Kauf: "kann der PC auch die neueste Version vom Internet?".
Bitte gerne: ich werde nach jedem neuen Eintrag mein Blog ausdrucken und an die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main und Leipzig schicken. Die werden begeistert sein! (Ist allerdings noch nicht raus, ob auch Blogs abgeliefert werden müssen... aber allein diese Überlegung!Darf doch alles nicht wahr sein!)
Selten habe ich mich so geschämt, meine Brötchen als Bibliothekarin zu verdienen... oder haben da eher die Juristen versagt?
Montag, 27. Oktober 2008
The Welsh Girl

Ein Buch, das von mir überwiegend in Halbstundenetappen in der U-Bahn oder während Arbeitspausen gelesen wurde und viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Zu Recht auf der letzten Man Booker Prize-Shortlist. Ein ruhiges Buch, das langsam und undramatisch und auf sachte Art sehr poetisch seine Themen Verrat, Ehre, Ehrlichkeit und Patriotismus immer mehr verdichtet, ohne aufdringlich zu werden. Schön zu lesen - und sehr klug.
Sonntag, 26. Oktober 2008
Postgruppale Depression
5 Tage mit mehr Leben als sonst in ebensoviel Monaten - oder von mir aus Wochen. Das aber mindestens. Mit so vielen Erlebnissen, Eindrücken, Gesprächen, mit so viel Musik!
Ich fühl mich genauso gejetlagged wie nach der Rückkehr aus den USA, inklusive bleierner Müdigkeit tagsüber und Schlaflosigkeit nachts. (Scheint zur Gewohnheit zu werden.)
Mir fehlt tatsächlich das Rudel, aber auch ganz speziell einzelne Leute, mir fehlt die Ansprache, die Geselligkeit - und mir fehlt die Musik.
Während der Reise habe ich öfters drüber nachgedacht, warum man das eigentlich macht - es war ja auch einfach strapaziös, weil extrem eng geplant, dieser lange Reisetag war z.B. irgendwann nur noch anstrengend. Und trotzdem habe ich nicht einmal gedacht, wäre ich doch zu Hause geblieben. Und der Stimmung nach zu urteilen hat das wohl (fast) niemand gedacht. Vielleicht war es deswegen so angenehm und entspannt: alle wollten wirklich dabeisein - und es gab ein gemeinsames Interesse, das über alle Anstrengung hinweg trug. Bemerkenswert.
Jetzt fällt es mir schwer, zurückzufinden in den Alltag und ins Alleinsein - postgruppale Depression! Und: es steht offenbar eine Revision meines Selbstbilds an. Schock-Horror - bin ich gar nicht so soziophob wie ich dachte? Ich habe es regelrecht genossen, tagelang fast ununterbrochen unter Menschen zu sein - und immerzu mit neuen, anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. (Netten Menschen - das war sicher nicht ganz unrelevant). Sollte ich doch nicht so einsamkeitsliebend sein, wie ich mir die letzten 20 Jahre angewöhnt habe zu glauben? Und wenn es so ist - was mach ich jetzt mit dem Gelernten?
Ich fühl mich genauso gejetlagged wie nach der Rückkehr aus den USA, inklusive bleierner Müdigkeit tagsüber und Schlaflosigkeit nachts. (Scheint zur Gewohnheit zu werden.)
Mir fehlt tatsächlich das Rudel, aber auch ganz speziell einzelne Leute, mir fehlt die Ansprache, die Geselligkeit - und mir fehlt die Musik.
Während der Reise habe ich öfters drüber nachgedacht, warum man das eigentlich macht - es war ja auch einfach strapaziös, weil extrem eng geplant, dieser lange Reisetag war z.B. irgendwann nur noch anstrengend. Und trotzdem habe ich nicht einmal gedacht, wäre ich doch zu Hause geblieben. Und der Stimmung nach zu urteilen hat das wohl (fast) niemand gedacht. Vielleicht war es deswegen so angenehm und entspannt: alle wollten wirklich dabeisein - und es gab ein gemeinsames Interesse, das über alle Anstrengung hinweg trug. Bemerkenswert.
Jetzt fällt es mir schwer, zurückzufinden in den Alltag und ins Alleinsein - postgruppale Depression! Und: es steht offenbar eine Revision meines Selbstbilds an. Schock-Horror - bin ich gar nicht so soziophob wie ich dachte? Ich habe es regelrecht genossen, tagelang fast ununterbrochen unter Menschen zu sein - und immerzu mit neuen, anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. (Netten Menschen - das war sicher nicht ganz unrelevant). Sollte ich doch nicht so einsamkeitsliebend sein, wie ich mir die letzten 20 Jahre angewöhnt habe zu glauben? Und wenn es so ist - was mach ich jetzt mit dem Gelernten?
Mittwoch, 22. Oktober 2008
Shkodra - Podgorica - Belgrad - Berlin (Mittwoch)
3:00 Uhr morgens, der Bus fährt los gen Flughafen Podgorica. Ich bleibe wach, höre Philip Glass und nehme langsam Abschied; versuche, mich mit dem Gedanken anzufreunden, bald wieder als Einzelwesen zu existieren. Wir erreichen den Flughafen ungefähr 50 Minuten vor Abflug, es geht dort alles sehr flüssig - bis auf die Tatsache, dass unsere albanische Begleitung bei der Passkontrolle ne Runde schikaniert wird.
Da die Nacht gut zu einem neuen Tag geworden ist, kann ich jetzt schlafen: vom Flug nach Belgrad (kürzer als ne Stunde) merke ich nichts; in Belgrad angekommen denkt man "das waren jetzt 11 Stunden Zugfahrt!?" - aber ich möchte die Zugfahrt nicht wirklich missen.
Knapp 2 h Aufenthalt in Belgrad (irre, dieser halb verbarrikadierte Svarowksi-Laden, wer um Himmels willen kauft das hier?), die ich auf einer Bank liegend leidend verbringe. Kein Schlaf, dafür Magenschmerzen und Kopfweh - so langsam bin ich echt durch. Ist irgendwie aber halb so schlimm, weil es allen ähnlich geht; der Lack ist bei uns allen reichlich ab nach der mehr oder weniger schlaflosen Nacht. Umso schöner, dass immer noch ein wohlwollendes und geduldiges Miteinander geht (Schönberg - "goodwill"!); Angelika versorgt mich mit Keksen und Wasser, was meinen Zustand erheblich verbessert.
Auch den Flug Belgrad-Berlin verschlafe ich komplett und komme erst wieder so halbwegs zu mir, als John sagt "tolle Suppe hier" - der Himmel über Berlin.
Der Abschied fällt schwer; ich habe das Bedürfnis, das Herdendasein zu verlängern (wie ging Alleinsein noch??) und weiß doch, dass es jetzt ein Ende finden muß.
Tschüß Ihr alle, war schön mit Euch!
Wort des Tages: "Heute abend werde ich zu Hause sitzen und das Rudel vermissen" (Bettina)
Da die Nacht gut zu einem neuen Tag geworden ist, kann ich jetzt schlafen: vom Flug nach Belgrad (kürzer als ne Stunde) merke ich nichts; in Belgrad angekommen denkt man "das waren jetzt 11 Stunden Zugfahrt!?" - aber ich möchte die Zugfahrt nicht wirklich missen.
Knapp 2 h Aufenthalt in Belgrad (irre, dieser halb verbarrikadierte Svarowksi-Laden, wer um Himmels willen kauft das hier?), die ich auf einer Bank liegend leidend verbringe. Kein Schlaf, dafür Magenschmerzen und Kopfweh - so langsam bin ich echt durch. Ist irgendwie aber halb so schlimm, weil es allen ähnlich geht; der Lack ist bei uns allen reichlich ab nach der mehr oder weniger schlaflosen Nacht. Umso schöner, dass immer noch ein wohlwollendes und geduldiges Miteinander geht (Schönberg - "goodwill"!); Angelika versorgt mich mit Keksen und Wasser, was meinen Zustand erheblich verbessert.
Auch den Flug Belgrad-Berlin verschlafe ich komplett und komme erst wieder so halbwegs zu mir, als John sagt "tolle Suppe hier" - der Himmel über Berlin.
Der Abschied fällt schwer; ich habe das Bedürfnis, das Herdendasein zu verlängern (wie ging Alleinsein noch??) und weiß doch, dass es jetzt ein Ende finden muß.
Tschüß Ihr alle, war schön mit Euch!
Wort des Tages: "Heute abend werde ich zu Hause sitzen und das Rudel vermissen" (Bettina)
Dienstag, 21. Oktober 2008
Shkodra (Dienstag)
Höhere Mächte haben ein Einsehen und Erbarmen und die Chorprobe heute Vormittag abgesagt. Den Bus nach Shkodra downtown um 10:30 Uhr lasse ich ohne mich fahren und schleppe mich erst gegen 11:00 Uhr zum Frühstück.
So schön die Chorreise überraschenderweise tatsächlich ist - ein Raubbau an der Gesundheit ist sie ebenfalls. Viel rauchen (ist ja vor allem gut, wenn man viel singt), viel trinken, die Nahrungsaufnahme dafür im wesentlichen eingestellt, keine Nacht auch nur halbwegs genug geschlafen - ich bin in 5 Tagen um ebenso viele Jahre gealtert.
Daher ist der heutige Vormittag der Erholung gegönnt. Es ist wonnig warm, mediterran, das Barackenlager (oder auch: Peace Village) liegt sehr schön im Grünen gegenüber der Stadt (und mal wieder einer Burg) auf einem Hügel, und so mache ich mich mit meinem Ipod auf zu einem Spaziergang und ein bißchen Alleinsein. Vor dem Mittagessen bleibt dann sogar noch eine halbe Stunde Zeit, um auf den Stufen der Hütte mal wenigstens ein paar Seiten zu lesen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Herrlich! Bin ein neuer Mensch - und kann vielleicht tatsächlich nochmal singen heute abend.
Nach dem Mittagessen geht es in Konzertkleidung zur kurzen Probe in die Kathedrale. Ja, Kathedrale, und zwar wirklich: riesengroß! Und ein unglaublicher Hall. Der Chor hat seit 5 Sekunden die Münder geschlossen - und kann sich immer noch hören.
Der Tallis ist - was Wunder - wieder ein einziges Rumgeeiere, und auch der Bach ist nur Klangbrei.
Nach der Probe ist Zeit, doch noch Shkodra downtown kennenzulernen. Diejenigen, die es schon am Vormittag in die Stadt geschafft haben, erzählten ganz angetan von der quirligen Innenstadt und schwärmten von schöner Atmosphäre und netten Leuten. Ich bin nicht begeistert: um 17:00 Uhr am Dienstag nachmittag ist die Stadt tot; wenige Machomänner, die aggressiv glotzen bzw. im Potenzimponiergang durch die Gegend watscheln sind unterwegs. Außer uns 3 kein weibliches Wesen nirgends. Sieht man ein halbwegs nett aussehendes Café, kann man sicher sein, dass nur Männer drin sitzen. Das Städtchen wirkt auf mich nur bedrückend und deprimierend: bitter arm, wie ausgestorben - und dann noch diese Männermackermachokultur, die mir ohne Ende auf die Eier geht.
Fast verlaufen wir uns auf dem Rückweg, aber dann schaffen wir's doch 10 Minuten vor Konzertbeginn in die Kathedrale zurück (mittlerweile, kurz vor 19:00 Uhr sind auch die Geschäfte wieder geöffnet und die Straßen beleben sich zunehmend) - und die riesige hangarartige Kathedrale ist tatsächlich voll mit Publikum!
Das Konzert ist so lala, was aber irgendwie o.k. ist, weil sowieso ein ständiges Raunen, Kommen und Gehen herrscht (jetzt seitens des Publikums, der Chor bleibt schon brav da). Ich find's in Ordnung, das nimmt den Druck - was wir singen ist mehr so`n unverbindliches Angebot, wer's nicht mag, geht halt oder unterhält sich ein bisschen. Oder bohrt in der Nase, wie der Bischof, der mit zwei anderen katholischen Würdenträgern auf Ehrenplätzen im Mittelgang sitzt.
Die Kathedrale war in kommunistischen Zeiten zu einer Turnhalle umfunktioniert - vielleicht rührt daher der Bewegungsdrang des Publikums.
Das einzige Stück, das besser klingt denn je ist der Pärt, den alle Chöre gemeinsam singen. Dem tut die Waberakustik gut, und irgendwie geben sich heute alle damit ein kleines bisschen mehr Mühe, sind alle ein kleines bisschen zärtlicher mit der Musik.
Ich bin offenbar schon hinreichend abgestumpft durch das wiederholte Absingen des Programms, jedenfalls geht es mir heute nach dem Konzert besser, und das ist auch gut so, denn heute Abend bricht sich die Völkerverständigung endgültig Bahn - die Albaner schmeißen eine Party mit Zigeunermusik und Techno-DJ; der serbische Chor reist um 7:00 Uhr ab, wir müssen gegen 2:30 Uhr los, und bis dahin wird erst getanzt und dann gesungen. Ein großer, großer Spaß und eine wahre Freude.
Worte des Tages:"This salad made of garbage" (Dunja über den ewigen Krautsalat im Hotel in Novi Sad) und "Visa and I..."(Gerhard)
So schön die Chorreise überraschenderweise tatsächlich ist - ein Raubbau an der Gesundheit ist sie ebenfalls. Viel rauchen (ist ja vor allem gut, wenn man viel singt), viel trinken, die Nahrungsaufnahme dafür im wesentlichen eingestellt, keine Nacht auch nur halbwegs genug geschlafen - ich bin in 5 Tagen um ebenso viele Jahre gealtert.
Daher ist der heutige Vormittag der Erholung gegönnt. Es ist wonnig warm, mediterran, das Barackenlager (oder auch: Peace Village) liegt sehr schön im Grünen gegenüber der Stadt (und mal wieder einer Burg) auf einem Hügel, und so mache ich mich mit meinem Ipod auf zu einem Spaziergang und ein bißchen Alleinsein. Vor dem Mittagessen bleibt dann sogar noch eine halbe Stunde Zeit, um auf den Stufen der Hütte mal wenigstens ein paar Seiten zu lesen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Herrlich! Bin ein neuer Mensch - und kann vielleicht tatsächlich nochmal singen heute abend.
Nach dem Mittagessen geht es in Konzertkleidung zur kurzen Probe in die Kathedrale. Ja, Kathedrale, und zwar wirklich: riesengroß! Und ein unglaublicher Hall. Der Chor hat seit 5 Sekunden die Münder geschlossen - und kann sich immer noch hören.
Der Tallis ist - was Wunder - wieder ein einziges Rumgeeiere, und auch der Bach ist nur Klangbrei.
Nach der Probe ist Zeit, doch noch Shkodra downtown kennenzulernen. Diejenigen, die es schon am Vormittag in die Stadt geschafft haben, erzählten ganz angetan von der quirligen Innenstadt und schwärmten von schöner Atmosphäre und netten Leuten. Ich bin nicht begeistert: um 17:00 Uhr am Dienstag nachmittag ist die Stadt tot; wenige Machomänner, die aggressiv glotzen bzw. im Potenzimponiergang durch die Gegend watscheln sind unterwegs. Außer uns 3 kein weibliches Wesen nirgends. Sieht man ein halbwegs nett aussehendes Café, kann man sicher sein, dass nur Männer drin sitzen. Das Städtchen wirkt auf mich nur bedrückend und deprimierend: bitter arm, wie ausgestorben - und dann noch diese Männermackermachokultur, die mir ohne Ende auf die Eier geht.
Fast verlaufen wir uns auf dem Rückweg, aber dann schaffen wir's doch 10 Minuten vor Konzertbeginn in die Kathedrale zurück (mittlerweile, kurz vor 19:00 Uhr sind auch die Geschäfte wieder geöffnet und die Straßen beleben sich zunehmend) - und die riesige hangarartige Kathedrale ist tatsächlich voll mit Publikum!
Das Konzert ist so lala, was aber irgendwie o.k. ist, weil sowieso ein ständiges Raunen, Kommen und Gehen herrscht (jetzt seitens des Publikums, der Chor bleibt schon brav da). Ich find's in Ordnung, das nimmt den Druck - was wir singen ist mehr so`n unverbindliches Angebot, wer's nicht mag, geht halt oder unterhält sich ein bisschen. Oder bohrt in der Nase, wie der Bischof, der mit zwei anderen katholischen Würdenträgern auf Ehrenplätzen im Mittelgang sitzt.
Die Kathedrale war in kommunistischen Zeiten zu einer Turnhalle umfunktioniert - vielleicht rührt daher der Bewegungsdrang des Publikums.
Das einzige Stück, das besser klingt denn je ist der Pärt, den alle Chöre gemeinsam singen. Dem tut die Waberakustik gut, und irgendwie geben sich heute alle damit ein kleines bisschen mehr Mühe, sind alle ein kleines bisschen zärtlicher mit der Musik.
Ich bin offenbar schon hinreichend abgestumpft durch das wiederholte Absingen des Programms, jedenfalls geht es mir heute nach dem Konzert besser, und das ist auch gut so, denn heute Abend bricht sich die Völkerverständigung endgültig Bahn - die Albaner schmeißen eine Party mit Zigeunermusik und Techno-DJ; der serbische Chor reist um 7:00 Uhr ab, wir müssen gegen 2:30 Uhr los, und bis dahin wird erst getanzt und dann gesungen. Ein großer, großer Spaß und eine wahre Freude.
Worte des Tages:"This salad made of garbage" (Dunja über den ewigen Krautsalat im Hotel in Novi Sad) und "Visa and I..."(Gerhard)
Montag, 20. Oktober 2008
Novi Sad - Podgorica - Shkodra (Montag)
Heute früh mache ich um 6:00 Uhr Weckdienst für Matthias 2 Hotelzimmertüren weiter, was kein Problem ist, da ich schon seit 4:30 senkrecht im Bett stehe. Na toll, da hätte ich auch um die Neusätzer Häuser ziehen können und Spaß haben! Zur Abwechslung wird mal wieder eine Mahlzeit ausgelassen - so früh am Morgen brauche ich ewig, um meinen Krempel in den zu kleinen Koffer zu zwängen, außerdem rebelliert mein Magen schon beim Gedanken an das Hotelfrühstück.
Anyway - heute stehen an: 3 Länder an einem Tag per Zug und Bus. Sollte alles fahrplanmäßig klappen, brauchen wir für die 560 km von Novi Sad nach Shkodra in Albanien ca. 13 Stunden. Es werden dann über 16 Stunden daraus. Nachmittags stehen wir gute zwei Stunden irgendwo in Monenegro (oder war es irgendwo in einem Zipfel von Bosnien?), weil ein neues Stück Schiene eingeschweißt werden muß. Ungefähr 10 Minuten vor Ankunft in Podgorica stehen wir nochmal rund 30 Minuten, weil die Autos trotz roten Signals - und ankommenden Zuges! - immer weiter munter über die Gleise brettern.
Die Stimmung bleibt anhaltend gut, das endlose Zugfahren kocht alle weich und zusammen, zwar sitzen wir Deutschen und der serbische Chor fein nach Abteilen getrennt, da aber phasenweise alle im Zuggang zusammenklumpen, nimmt die Gruppendynamik ihren Lauf. Von den angeblich so schönen schwarzen Bergen sehen wir in der stockdunklen Nacht nichts, aber die abgrundtief weit unter dem Zug leuchtenden Straßen- und Ortslichter und der Sternenhimmel darüber haben auch so einen immensen Wow-Faktor.
Die Zugfahrt geht so: im Gang stehen und quatschen und fotographieren, ins Abteil gehen und quatschen, Nickerchen machen, in den Gang gehen und quatschen, aus dem Fenster gucken, quatschen, 2 Stunden in der Pampa auf einem Bahnhofsgleis stehen bzw. rumlatschen und quatschen, im Abteil sitzen und quatschen, Doppelkopfrunde zusammensuchen, Ort zum Doppelkopfspielen suchen, Doppelkopf spielen, im Gang stehen und quatschen, Nickerchen machen, im Abteil sitzen und quatschen, im Gang stehen und aus dem Fenster gucken, quatschen - und als man eigentlich schon nicht mehr wirklich daran glaubte und sich ganz auf ein Leben im Zugwaggon eingerichtet hatte, sind wir dann doch am Bahnhof in Podgorica angekommen.
Keiner hat Lust darauf, in einen Bus umzusteigen - man hatte sich so gut im Zug eingelebt. Und offenbar zu Recht: die enge Bergstraße ist nicht wirklich breit genug für zwei Fahrzeuge, leider kommen aber immer wieder LKWs entgegen. Bis Busse und LKW aneinander vorbei sind dauert es jedes Mal so seine Zeit. Und dann, irgendwann, die montenegrinisch-albanische Grenze. Mit allen Schikanen. Naja - vielleicht nicht alle, wer weiß, was die noch in petto gehabt hätten. Obwohl auf dem Schild am Zollgebäude so lustig "Hanni und Nanni" (oder "Hoti und Moti" oder so ähnlich) stand, ist es nicht wirklich lustig.
Ein Haufen übermüdeter und hungriger Serben, Albaner und Deutsche, insgesamt über 100 Menschen, warten wir über eine Stunde darauf, dass die Grenzer genug gespielt haben und uns weiterfahren lassen.
Caroline hat die schöne Idee, dass bei der Passrückgabe dezent für jeden von uns ein Trinkgeld eingelegt sei - das ist dann schon im ziemlich "fortgeschrittenen Stadion".
Ankunft im Peace Village der Caritas gegen Mitternacht. Schön ist noch der zum Gepäcktransporter umfunktionierte Krankenwagen, weniger schön die Holzhütten auf Jugendlagerniveau. Nach der überlangen Reise heißt es da Zähne aufeinander beißen, obwohl sie seit Stunden aufgrund totaler Übermüdung klappern. Die schlaffe Schaumstoffmatratze auf den Boden gelegt wird schlafen hoffentlich irgendwie möglich sein, und um 2:00 Uhr ist Licht aus in der Jugendbaracke.
Wort des Tages: "Ich find's grade grenzwertig" (Sabine an der montenegrinisch-albanischen Grenze)
Anyway - heute stehen an: 3 Länder an einem Tag per Zug und Bus. Sollte alles fahrplanmäßig klappen, brauchen wir für die 560 km von Novi Sad nach Shkodra in Albanien ca. 13 Stunden. Es werden dann über 16 Stunden daraus. Nachmittags stehen wir gute zwei Stunden irgendwo in Monenegro (oder war es irgendwo in einem Zipfel von Bosnien?), weil ein neues Stück Schiene eingeschweißt werden muß. Ungefähr 10 Minuten vor Ankunft in Podgorica stehen wir nochmal rund 30 Minuten, weil die Autos trotz roten Signals - und ankommenden Zuges! - immer weiter munter über die Gleise brettern.
Die Stimmung bleibt anhaltend gut, das endlose Zugfahren kocht alle weich und zusammen, zwar sitzen wir Deutschen und der serbische Chor fein nach Abteilen getrennt, da aber phasenweise alle im Zuggang zusammenklumpen, nimmt die Gruppendynamik ihren Lauf. Von den angeblich so schönen schwarzen Bergen sehen wir in der stockdunklen Nacht nichts, aber die abgrundtief weit unter dem Zug leuchtenden Straßen- und Ortslichter und der Sternenhimmel darüber haben auch so einen immensen Wow-Faktor.
Die Zugfahrt geht so: im Gang stehen und quatschen und fotographieren, ins Abteil gehen und quatschen, Nickerchen machen, in den Gang gehen und quatschen, aus dem Fenster gucken, quatschen, 2 Stunden in der Pampa auf einem Bahnhofsgleis stehen bzw. rumlatschen und quatschen, im Abteil sitzen und quatschen, Doppelkopfrunde zusammensuchen, Ort zum Doppelkopfspielen suchen, Doppelkopf spielen, im Gang stehen und quatschen, Nickerchen machen, im Abteil sitzen und quatschen, im Gang stehen und aus dem Fenster gucken, quatschen - und als man eigentlich schon nicht mehr wirklich daran glaubte und sich ganz auf ein Leben im Zugwaggon eingerichtet hatte, sind wir dann doch am Bahnhof in Podgorica angekommen.
Keiner hat Lust darauf, in einen Bus umzusteigen - man hatte sich so gut im Zug eingelebt. Und offenbar zu Recht: die enge Bergstraße ist nicht wirklich breit genug für zwei Fahrzeuge, leider kommen aber immer wieder LKWs entgegen. Bis Busse und LKW aneinander vorbei sind dauert es jedes Mal so seine Zeit. Und dann, irgendwann, die montenegrinisch-albanische Grenze. Mit allen Schikanen. Naja - vielleicht nicht alle, wer weiß, was die noch in petto gehabt hätten. Obwohl auf dem Schild am Zollgebäude so lustig "Hanni und Nanni" (oder "Hoti und Moti" oder so ähnlich) stand, ist es nicht wirklich lustig.
Ein Haufen übermüdeter und hungriger Serben, Albaner und Deutsche, insgesamt über 100 Menschen, warten wir über eine Stunde darauf, dass die Grenzer genug gespielt haben und uns weiterfahren lassen.
Caroline hat die schöne Idee, dass bei der Passrückgabe dezent für jeden von uns ein Trinkgeld eingelegt sei - das ist dann schon im ziemlich "fortgeschrittenen Stadion".
Ankunft im Peace Village der Caritas gegen Mitternacht. Schön ist noch der zum Gepäcktransporter umfunktionierte Krankenwagen, weniger schön die Holzhütten auf Jugendlagerniveau. Nach der überlangen Reise heißt es da Zähne aufeinander beißen, obwohl sie seit Stunden aufgrund totaler Übermüdung klappern. Die schlaffe Schaumstoffmatratze auf den Boden gelegt wird schlafen hoffentlich irgendwie möglich sein, und um 2:00 Uhr ist Licht aus in der Jugendbaracke.
Wort des Tages: "Ich find's grade grenzwertig" (Sabine an der montenegrinisch-albanischen Grenze)
Sonntag, 19. Oktober 2008
Novi Sad (Sonntag)
Was ist das nur, dass ich in diesem Zimmer nicht schlafen kann? Achja, genau: die Technodisse. Ich melde mich freiwillig als Versuchsperson zur Bestätigung der These, dass Technobeats tatsächlich die Pulsfrequenz beeinflussen! Mit Herzrasen im Bett liegen ist dem Schlaf nicht wirklich zuträglich.
Die lauwarme Milch mit Kaffeeatomen tut gar nichts zum Aufwecken, also nach dem Frühstück wieder ein bisschen frische Luft schnappen und einen koffeeinhaltigen Kaffee suchen, bevor die nächste Probe ansteht. Spem in alium... es werden ein paar Notfallmaßnahmen ergriffen: die Chöre stehen zunächst alle dicht zusammen unten, außerdem wird der albanische Chor von zwei Streicherinnen unterstützt. Es läuft. Kaum zu glauben - es läuft. Die Solistenchöre müssen ungefähr 17mal anfangen, da der Klang des üblen Keybords eingenordet werden muß. Ich genieße das, gerade der Anfang des Stücks ist so sphärisch-unirdisch wunderschön. Dann ein letztes Mal, diesmal wieder mit auf die Galerien verteilten Chören - und auch das funktioniert. Hallelujah! (Achnee, anderes Stück.) Kaum zu glauben - das Wunder von Novi Sad, das Spem in alium funktioniert! Das erste Mal kann man ahnen, dass es ein schönes Stück Musik sein könnte.
Der Bach flutscht mittlerweile wie eine geölte Nähmaschine, fast schon totgesungen, macht aber immer wieder Spaß, vor allem, wenn das Orchester beim "Gloria" abgeht.
Bei meiner gestrigen Burgerkundung hatte ich mir versprochen, nochmal über die Donaubrücke zu wandern, um in dem nett aussehendem Strand- (naja, eher Wiesen-)Café mit Hausboot direkt an der Donau einen Kaffee zu nehmen. Dort angekommen ist die Sonne aber so ziemlich hinter Wolken verschwunden, außerdem drängt die Zeit ein wenig, so dass ich unzufrieden umkehre zum Hotel: nichts neues von der Stadt gesehen und dann nichtmal das erklärte Ziel erreicht. Dumm gelaufen.
Umziehen und in Konzertklamotten zur letzten Probe. Keine Ahnung mehr, was ich dann in der Zeit zwischen dieser letzten Probe und Konzertbeginn gemacht habe.
Die Synagoge ist gut besucht, und das Konzert gelingt richtig gut. Der Tallis läuft besser denn je, die größte Überraschung wird dann der Schönberg, der zum ersten Mal tatsächlich immerhin manchmal an den richtigen Stellen piano ist. Ich steige trotzdem wie immer aus dem großen Endspurtgeschrei aus - aber tatsächlich ist der Schönberg, obwohl immer noch viel zu massiv und bollerig, noch nie so differenziert gelungen wie heute.
Das einhellige Gefühl nach dem Konzert: super! Bestes Konzert bisher.
Wie schon in Berlin bin ich nach dem Programm total am Ende und kurz vorm Heulen. Diese unterschiedlichen Stücke, die Anspannung beim Tallis, der Frauenchor-Pärt, der mir bei jedem Hören das Herz zerreißt - und dann noch der Gewaltakt Schönberg - ich bin danach einfach ausgelaugt, könnte beidhändig rauchen und will vor allem einfach nur allein sein und mich wieder fangen.
Stattdessen: Feier im Gemeindesaal - die vornehme Zurückhaltung bzw. auch das Aufrauchen im Stehen zeitigt mal wieder den "Den-letzten-beißen-die-Hunde"-Effekt; Stehplätze in einer Ecke, immerhin dicht am Alkohol. Ich nehme mir vor, mich eine Anstandszeitspanne lang zu quälen und dann - endlich mal! - halbwegs zeitig schlafen zu gehen, immerhin ist am nächsten Morgen um 7:00 Uhr Aufbruch zum Bahnhof. Nach Startschwierigkeiten wird es dann doch noch sehr nett und mit einigen der Letzten gehe ich um Mitternacht zurück zum Hotel.
Auf das noch stattfindende Woandershin-Walking in eine Bar verzichte ich zugunsten von Schlaf - so ist es zumindest geplant. Klappt leider wieder nicht, weil zu aufgekratzt an Einschlafen nicht zu denken ist.
Wort des Tages: "Ich hab einen Spem-Filter" (Robert übers "Spem in alium" - könnte allerdings auch an einem anderen Tag gewesen sein)
Die lauwarme Milch mit Kaffeeatomen tut gar nichts zum Aufwecken, also nach dem Frühstück wieder ein bisschen frische Luft schnappen und einen koffeeinhaltigen Kaffee suchen, bevor die nächste Probe ansteht. Spem in alium... es werden ein paar Notfallmaßnahmen ergriffen: die Chöre stehen zunächst alle dicht zusammen unten, außerdem wird der albanische Chor von zwei Streicherinnen unterstützt. Es läuft. Kaum zu glauben - es läuft. Die Solistenchöre müssen ungefähr 17mal anfangen, da der Klang des üblen Keybords eingenordet werden muß. Ich genieße das, gerade der Anfang des Stücks ist so sphärisch-unirdisch wunderschön. Dann ein letztes Mal, diesmal wieder mit auf die Galerien verteilten Chören - und auch das funktioniert. Hallelujah! (Achnee, anderes Stück.) Kaum zu glauben - das Wunder von Novi Sad, das Spem in alium funktioniert! Das erste Mal kann man ahnen, dass es ein schönes Stück Musik sein könnte.
Der Bach flutscht mittlerweile wie eine geölte Nähmaschine, fast schon totgesungen, macht aber immer wieder Spaß, vor allem, wenn das Orchester beim "Gloria" abgeht.
Bei meiner gestrigen Burgerkundung hatte ich mir versprochen, nochmal über die Donaubrücke zu wandern, um in dem nett aussehendem Strand- (naja, eher Wiesen-)Café mit Hausboot direkt an der Donau einen Kaffee zu nehmen. Dort angekommen ist die Sonne aber so ziemlich hinter Wolken verschwunden, außerdem drängt die Zeit ein wenig, so dass ich unzufrieden umkehre zum Hotel: nichts neues von der Stadt gesehen und dann nichtmal das erklärte Ziel erreicht. Dumm gelaufen.
Umziehen und in Konzertklamotten zur letzten Probe. Keine Ahnung mehr, was ich dann in der Zeit zwischen dieser letzten Probe und Konzertbeginn gemacht habe.
Die Synagoge ist gut besucht, und das Konzert gelingt richtig gut. Der Tallis läuft besser denn je, die größte Überraschung wird dann der Schönberg, der zum ersten Mal tatsächlich immerhin manchmal an den richtigen Stellen piano ist. Ich steige trotzdem wie immer aus dem großen Endspurtgeschrei aus - aber tatsächlich ist der Schönberg, obwohl immer noch viel zu massiv und bollerig, noch nie so differenziert gelungen wie heute.
Das einhellige Gefühl nach dem Konzert: super! Bestes Konzert bisher.
Wie schon in Berlin bin ich nach dem Programm total am Ende und kurz vorm Heulen. Diese unterschiedlichen Stücke, die Anspannung beim Tallis, der Frauenchor-Pärt, der mir bei jedem Hören das Herz zerreißt - und dann noch der Gewaltakt Schönberg - ich bin danach einfach ausgelaugt, könnte beidhändig rauchen und will vor allem einfach nur allein sein und mich wieder fangen.
Stattdessen: Feier im Gemeindesaal - die vornehme Zurückhaltung bzw. auch das Aufrauchen im Stehen zeitigt mal wieder den "Den-letzten-beißen-die-Hunde"-Effekt; Stehplätze in einer Ecke, immerhin dicht am Alkohol. Ich nehme mir vor, mich eine Anstandszeitspanne lang zu quälen und dann - endlich mal! - halbwegs zeitig schlafen zu gehen, immerhin ist am nächsten Morgen um 7:00 Uhr Aufbruch zum Bahnhof. Nach Startschwierigkeiten wird es dann doch noch sehr nett und mit einigen der Letzten gehe ich um Mitternacht zurück zum Hotel.
Auf das noch stattfindende Woandershin-Walking in eine Bar verzichte ich zugunsten von Schlaf - so ist es zumindest geplant. Klappt leider wieder nicht, weil zu aufgekratzt an Einschlafen nicht zu denken ist.
Wort des Tages: "Ich hab einen Spem-Filter" (Robert übers "Spem in alium" - könnte allerdings auch an einem anderen Tag gewesen sein)
Samstag, 18. Oktober 2008
Novi Sad (Samstag)
Die hoteleigene Technodisse wummert den Beat durch alle Ohrenstopfen und treibt meinen Puls auf über 100 bpm - die Nacht ist alles andere als erholsam und sowieso viel zu kurz.
Das Frühstück ist kulinarisch bestenfalls interessant, aber in netter Gesellschaft und danach bis zum Probenbeginn noch über eine Stunde Zeit, bei schönem Wetter und ziemlicher Wärme durch die Innenstadt Novi Sads zu laufen.
Sobald man von der schmucken Fußgägerzone in die Seitenstraßen abbiegt, verändert sich das Bild: runtergekommene Häuser neben fein sanierten (in diesen häufig eine Bank, z.B. die "Banca Intense" oder so ähnlich), hier sind auch ältere und alte Menschen unterwegs, denen man ihr schweres Leben ansieht. Ich krieg das schwer bis gar nicht zusammen mit dem schicken jungen Amüsiervolk, das bei Costa Coffee (ausgerechnet!) umgerechnet 2 Euro für den globalisierten Café Latte hinlegt.
Muß ich mich schämen, dass mir die hübsche Innenstadt gefällt, dass ich dem morbiden Charme der nichtsanierten Häuser erliege, dass ich die unzähligen Hinterhöfe und Passagen malerisch finde? Ich weiß überhaupt nicht, wie ich das alles einordnen soll - vor wenigen Jahren bebte diese Stadt, als in nächtelangen Bombardierungen die Brücken über die Donau von Natoflugzeugen zerstört wurden, jetzt sieht man fast nichts von Krieg und Zerstörung. Oder sehe nur ich davon nichts? Ich weiß einfach zu wenig über diese Stadt und wie es sein muß, hier zu leben.
Heute morgen auf dem Stadtplan habe ich gesehen, dass Grbavica ein Stadtteil von Novi Sad ist - noch so ein Schock.
Die Übermüdung hilft nicht dabei, das irgendwie klarzukriegen, statt in einem netten "authentischen" Café wird es dann auch noch (wie ich mir tröstend sage aufgrund des Zeitmangels) der Kaffee Togo von Costa und es geht verwirrt zur ersten Probe in die Synagoge. Ich bin früh, es ist noch fast niemand da, und von drinnen klingt die Orchesterprobe für die Bach-Messe. Ein schöner Einstieg, bestärkt durch die Schönheit des Innenraums der Synagoge - und die glasklare Akustik.
Nach der Probe geht es im Pulk durch die Innenstadt, bis ich von dem irgendwie ziellosen Getrödel die Nase voll habe und mich mit Caroline absetze; sie zieht es bald in die Seitengassen, ich will dringend zur Donaubrücke, über die wir in der Nacht zuvor in die Stadt hereingefahren sind. Nach ein bisschen Rumsuchen finde ich sie auch - und wo ich jetzt schon hier bin, zieht es mich auf die andere Seite, in das kleine Städtchen unterhalb der Festung, das mich gestern Nacht beim Durchfahren schon fasziniert hat. Statt Mittagessen also eine Stunde Laufen durch schmale pittoreske Gassen und dann noch auf die Festung; der Serbe liebt die Beschallung, völlig verschärft ist Madonna im Treppentunnel hoch aufs Festungsplateau.
Ziemlich gerädert wieder im Hotel angekommen bräuchte ich dringend einen Mittagsschlaf, aber dieses Bett oder das miese Feng Shui des Hotelzimmers oder was weiß ich läßt mich wieder kein Auge zutun, obwohl ich total alle bin. Vielleicht tut der Hunger sein übriges...
Die Probe am Nachmittag ist eine Katastrophe: der Tallis geht gar nicht; es ist unglaublich, un-glaub-lich, wie die Intonation der Chöre absackt; die Einsätze gehen auch so ziemlich alle schief, die Albaner sind kaum mal dabei - absolut gruselig. Panik greift um sich - oder ergreift nur mich? Hat sich was mit der Völkerverständigung - wenn Blicke töten könnten, gäbe es jetzt ein paar albanische Sänger(innen) weniger! Friedrun sagt, man sähe mir deutlich an, wie ich leide, und ich bemühe mich um unbewegtere Gesichtszüge.
Irgendwie geht auch das vorbei; beim Abendbrot lande ich an einem sehr netten Tisch, die Stimmung ist trotz der versemmelten Probe - oder gerade deswegen? Galgenhumor? - gut.
Merkwürdig nur, dass Deutsche und Albaner vom Hotel strikt getrennt plaziert werden - wir wollen uns an einen "albanischen" Tisch setzen, werden aber mit aufgeregtem Händeklatschen vom Ober vertrieben. Bitte warum genau? Haben die Angst, dass wir uns bei Tisch die Köpfe einschlagen?
Nach dem Essen gibt es ein Woandershin-Walking mit ca. 12 Leuten - in deren schon am gestrigen Abend besuchte Stammkneipe von Novi Sad. Ich bin so durch, dass ich statt eines Glases Rotwein eine Flasche bestelle, was besonders deswegen blöd ist, als es nicht der von mir auf der Karte gezeigte lokale Cabernet Sauvignon ist, sondern ein Chilenischer Merlot. ("Wenn Merlot getrunken wird, gehe ich!") Na super. Egal, es wird offenbar getrunken, was auf den Tisch kommt und irgendwann isses dann ja auch wurscht - Merlot, Schmerlot, Hauptsache Rotwein und dazu rauchen dürfen. Um 22:00 Uhr dreht der DJ auf, wir schreien uns noch ein bisschen die Stimmbänder wund und zu einer durchaus noch vertretbaren Zeit lande ich wieder in meinem Hotelbett in der Hoffnung, mein Schlafdefizit auszugleichen und sehr beschwingt von einem Tag voller Eindrücke und Musik und Gesprächen.
Wort des Tages: "Auch dieser serbische Cabernet ist ein chilenischer Merlot." (Bettina über die zweite Rotweinflasche.)
Das Frühstück ist kulinarisch bestenfalls interessant, aber in netter Gesellschaft und danach bis zum Probenbeginn noch über eine Stunde Zeit, bei schönem Wetter und ziemlicher Wärme durch die Innenstadt Novi Sads zu laufen.
Sobald man von der schmucken Fußgägerzone in die Seitenstraßen abbiegt, verändert sich das Bild: runtergekommene Häuser neben fein sanierten (in diesen häufig eine Bank, z.B. die "Banca Intense" oder so ähnlich), hier sind auch ältere und alte Menschen unterwegs, denen man ihr schweres Leben ansieht. Ich krieg das schwer bis gar nicht zusammen mit dem schicken jungen Amüsiervolk, das bei Costa Coffee (ausgerechnet!) umgerechnet 2 Euro für den globalisierten Café Latte hinlegt.
Muß ich mich schämen, dass mir die hübsche Innenstadt gefällt, dass ich dem morbiden Charme der nichtsanierten Häuser erliege, dass ich die unzähligen Hinterhöfe und Passagen malerisch finde? Ich weiß überhaupt nicht, wie ich das alles einordnen soll - vor wenigen Jahren bebte diese Stadt, als in nächtelangen Bombardierungen die Brücken über die Donau von Natoflugzeugen zerstört wurden, jetzt sieht man fast nichts von Krieg und Zerstörung. Oder sehe nur ich davon nichts? Ich weiß einfach zu wenig über diese Stadt und wie es sein muß, hier zu leben.
Heute morgen auf dem Stadtplan habe ich gesehen, dass Grbavica ein Stadtteil von Novi Sad ist - noch so ein Schock.
Die Übermüdung hilft nicht dabei, das irgendwie klarzukriegen, statt in einem netten "authentischen" Café wird es dann auch noch (wie ich mir tröstend sage aufgrund des Zeitmangels) der Kaffee Togo von Costa und es geht verwirrt zur ersten Probe in die Synagoge. Ich bin früh, es ist noch fast niemand da, und von drinnen klingt die Orchesterprobe für die Bach-Messe. Ein schöner Einstieg, bestärkt durch die Schönheit des Innenraums der Synagoge - und die glasklare Akustik.
Nach der Probe geht es im Pulk durch die Innenstadt, bis ich von dem irgendwie ziellosen Getrödel die Nase voll habe und mich mit Caroline absetze; sie zieht es bald in die Seitengassen, ich will dringend zur Donaubrücke, über die wir in der Nacht zuvor in die Stadt hereingefahren sind. Nach ein bisschen Rumsuchen finde ich sie auch - und wo ich jetzt schon hier bin, zieht es mich auf die andere Seite, in das kleine Städtchen unterhalb der Festung, das mich gestern Nacht beim Durchfahren schon fasziniert hat. Statt Mittagessen also eine Stunde Laufen durch schmale pittoreske Gassen und dann noch auf die Festung; der Serbe liebt die Beschallung, völlig verschärft ist Madonna im Treppentunnel hoch aufs Festungsplateau.
Ziemlich gerädert wieder im Hotel angekommen bräuchte ich dringend einen Mittagsschlaf, aber dieses Bett oder das miese Feng Shui des Hotelzimmers oder was weiß ich läßt mich wieder kein Auge zutun, obwohl ich total alle bin. Vielleicht tut der Hunger sein übriges...
Die Probe am Nachmittag ist eine Katastrophe: der Tallis geht gar nicht; es ist unglaublich, un-glaub-lich, wie die Intonation der Chöre absackt; die Einsätze gehen auch so ziemlich alle schief, die Albaner sind kaum mal dabei - absolut gruselig. Panik greift um sich - oder ergreift nur mich? Hat sich was mit der Völkerverständigung - wenn Blicke töten könnten, gäbe es jetzt ein paar albanische Sänger(innen) weniger! Friedrun sagt, man sähe mir deutlich an, wie ich leide, und ich bemühe mich um unbewegtere Gesichtszüge.
Irgendwie geht auch das vorbei; beim Abendbrot lande ich an einem sehr netten Tisch, die Stimmung ist trotz der versemmelten Probe - oder gerade deswegen? Galgenhumor? - gut.
Merkwürdig nur, dass Deutsche und Albaner vom Hotel strikt getrennt plaziert werden - wir wollen uns an einen "albanischen" Tisch setzen, werden aber mit aufgeregtem Händeklatschen vom Ober vertrieben. Bitte warum genau? Haben die Angst, dass wir uns bei Tisch die Köpfe einschlagen?
Nach dem Essen gibt es ein Woandershin-Walking mit ca. 12 Leuten - in deren schon am gestrigen Abend besuchte Stammkneipe von Novi Sad. Ich bin so durch, dass ich statt eines Glases Rotwein eine Flasche bestelle, was besonders deswegen blöd ist, als es nicht der von mir auf der Karte gezeigte lokale Cabernet Sauvignon ist, sondern ein Chilenischer Merlot. ("Wenn Merlot getrunken wird, gehe ich!") Na super. Egal, es wird offenbar getrunken, was auf den Tisch kommt und irgendwann isses dann ja auch wurscht - Merlot, Schmerlot, Hauptsache Rotwein und dazu rauchen dürfen. Um 22:00 Uhr dreht der DJ auf, wir schreien uns noch ein bisschen die Stimmbänder wund und zu einer durchaus noch vertretbaren Zeit lande ich wieder in meinem Hotelbett in der Hoffnung, mein Schlafdefizit auszugleichen und sehr beschwingt von einem Tag voller Eindrücke und Musik und Gesprächen.
Wort des Tages: "Auch dieser serbische Cabernet ist ein chilenischer Merlot." (Bettina über die zweite Rotweinflasche.)
Freitag, 17. Oktober 2008
Berlin - Belgrad - Novi Sad (Freitag)
Merkwürdig, ohne Ticket zum Flughafen zu fahren, ich fühl mich wie ein Kind, das mit Erwachsenen verreist und selber keine Verantwortung zu tragen braucht. Nicht dringend ein angenehmes Gefühl, einhergehend mit leichter Skepsis, wie ich es ertragen werde, 5 Tage nonstop mit Menschen zusammenzusein. Die letzte ähnliche Situation ist über 10 Jahre her und führte am 2. Tag zu Migräne.
Treffpunkt 17:15 in Tegel - der Check-in ist in einem Wurmfortsatz des Hauptgebäudes; man fliegt offenbar in merkwürdige Gegenden.
Knapp 1,5 Stunden später sind die ersten - ungefähr die Hälfte der Choristen, Musiker und Solisten - bereits ins Flugzeug eingestiegen, als sich am Gate diffus Unruhe breitmacht, weil immer noch einige draußen am Check-in stehen. Es stellt sich heraus, dass das Gepäckband seit einer Stunde (in Zahlen: 1 Stunde!) stillsteht. Diejenigen, die noch nicht ins Flugzeug eingestiegen sind bzw. die ihr Gepäck noch auf dem Gepäckband sehen, gehen durch die Security zurück, zerren ihr Gepäck vom stillstehenden Band, schleppen es zum Sperrgepäckschalter, werden dort angepflaumt, man solle jetzt aber gefälligst schnell zum Gate gehen (!? Hallo!? Wollte ich mein Gepäck durch die Gegend schleppen, habe ich das mit dem Gepäckband versemmelt?) und rennen wieder zurück zum Gate - nochmal Wasser wegkippen, nochmal Taschen leeren, nochmal Gürtel ausziehen. Lustig ist, dass beim ersten Mal der Metalldetektor nicht anschlug, jetzt aber sehr wohl und Stiefel und noch mehr auch runter müssen.
Die ganze Aktion hat immerhin schonmal für Kontakt zwischen Solisten und gemeinem Chorvolk gesorgt - und für Mitleid mit den Solisten, die aufgrund ihrer Roben extrem fette Koffer mit sich führen.
Mit ca. 45 Minuten Verspätung hebt das Flugzeug ab, während gemutmaßt wird, wessen Gepäck die größeren Chancen hat, tatsächlich auch in Belgrad anzukommen.
Im Flugzeug herrscht von Seiten des Flugpersonals ein rauher Ton - vermutlich haben die Stewardessen nur widerwillig und unvollständig von sozialistischem Drill Sergeant auf kapitalistische Flugbegleiterin umgeschult.
In Belgrad gelandet fehlen unglücklicherweise tatsächlich 3 Koffer, vermutlich die, die nicht mehr auf der Check-in-Schalter-Seite des Laufbandes zu sehen waren, aber auch noch nicht auf der anderen Seite rausgekommen waren. Danke dafür.
Es wartet der bestellte Bus mitsamt einigen serbischen Choristen als Begleitung auf uns, und als wir kurz vor Mitternacht am Hotel in Novi Sad ankommen, sieht man als erstes Zara, Mexx und Puma, was ich extrem befremdlich finde. Wir steigen in einer Betonwüste aus und gelangen überraschenderweise einmal 50 m um die Ecke biegend in die Innenstadt von Novi Sad. Das Hotel liegt zentralst - als würde man in Berlin am Gendarmenmarkt wohnen.
Der 2 m große und breite Milos/Milan (bis zum Ende herrscht bei den Deutschen Unklarheit über seinen Namen, aber weitgehend Einigkeit über seine Schönheit) führt die noch Hungrigen und Durstigen oder einfach Neugierigen unter uns in die Ausgehgegend von Novi Sad. Die Stadt ist voll mit Amüsiervolk, alles junge Leute, die Kneipen und Bars sind extrem ansprechend und könnten alle genauso in Berlin-Mitte existieren - einen Überraschung nach der anderen!
Erwartet hatte ich eine extrem arme und kaputte Stadt - stattdessen ein Schmuckkästchen von Innenstadt, eine lebhafte und lebendige Atmosphäre, gleichzeitig entspannt. Wenn nur nicht die 1000 Banken überall wären und jeder zweite Laden eine Kette, wie man sie in jedem westeuropäischen Land findet! Es kann doch unmöglich DAS Urbedürfnis aller Menschen sein, bei Office oder Zara einkaufen zu können - zumal sich das in Novi Sad doch sicher nur die Reichen leisten können??
Die für jede Kneipe zu große Gruppe spaltet sich nach einigem Zögern auf (immer diese trägen Gruppenentscheidungen!); ich lande mit Margarete in einer sehr netten Galerie-Kneipe mit Federbildern an der Wand, gutem Bier, sehr netter Bedienung und angenehmen Publikum - und man darf rauchen! Schönes Novi Sad!
Um 2:00 Uhr bin ich im Hotelbett, erschöpft und aufgedreht und ziemlich zufrieden mit dem Tag.
Wort des Tages: "Wir könnten schon in Belgrad sein!" (Margarete im Flugzeug zu den Späteinsteigern)
Treffpunkt 17:15 in Tegel - der Check-in ist in einem Wurmfortsatz des Hauptgebäudes; man fliegt offenbar in merkwürdige Gegenden.
Knapp 1,5 Stunden später sind die ersten - ungefähr die Hälfte der Choristen, Musiker und Solisten - bereits ins Flugzeug eingestiegen, als sich am Gate diffus Unruhe breitmacht, weil immer noch einige draußen am Check-in stehen. Es stellt sich heraus, dass das Gepäckband seit einer Stunde (in Zahlen: 1 Stunde!) stillsteht. Diejenigen, die noch nicht ins Flugzeug eingestiegen sind bzw. die ihr Gepäck noch auf dem Gepäckband sehen, gehen durch die Security zurück, zerren ihr Gepäck vom stillstehenden Band, schleppen es zum Sperrgepäckschalter, werden dort angepflaumt, man solle jetzt aber gefälligst schnell zum Gate gehen (!? Hallo!? Wollte ich mein Gepäck durch die Gegend schleppen, habe ich das mit dem Gepäckband versemmelt?) und rennen wieder zurück zum Gate - nochmal Wasser wegkippen, nochmal Taschen leeren, nochmal Gürtel ausziehen. Lustig ist, dass beim ersten Mal der Metalldetektor nicht anschlug, jetzt aber sehr wohl und Stiefel und noch mehr auch runter müssen.
Die ganze Aktion hat immerhin schonmal für Kontakt zwischen Solisten und gemeinem Chorvolk gesorgt - und für Mitleid mit den Solisten, die aufgrund ihrer Roben extrem fette Koffer mit sich führen.
Mit ca. 45 Minuten Verspätung hebt das Flugzeug ab, während gemutmaßt wird, wessen Gepäck die größeren Chancen hat, tatsächlich auch in Belgrad anzukommen.
Im Flugzeug herrscht von Seiten des Flugpersonals ein rauher Ton - vermutlich haben die Stewardessen nur widerwillig und unvollständig von sozialistischem Drill Sergeant auf kapitalistische Flugbegleiterin umgeschult.
In Belgrad gelandet fehlen unglücklicherweise tatsächlich 3 Koffer, vermutlich die, die nicht mehr auf der Check-in-Schalter-Seite des Laufbandes zu sehen waren, aber auch noch nicht auf der anderen Seite rausgekommen waren. Danke dafür.
Es wartet der bestellte Bus mitsamt einigen serbischen Choristen als Begleitung auf uns, und als wir kurz vor Mitternacht am Hotel in Novi Sad ankommen, sieht man als erstes Zara, Mexx und Puma, was ich extrem befremdlich finde. Wir steigen in einer Betonwüste aus und gelangen überraschenderweise einmal 50 m um die Ecke biegend in die Innenstadt von Novi Sad. Das Hotel liegt zentralst - als würde man in Berlin am Gendarmenmarkt wohnen.
Der 2 m große und breite Milos/Milan (bis zum Ende herrscht bei den Deutschen Unklarheit über seinen Namen, aber weitgehend Einigkeit über seine Schönheit) führt die noch Hungrigen und Durstigen oder einfach Neugierigen unter uns in die Ausgehgegend von Novi Sad. Die Stadt ist voll mit Amüsiervolk, alles junge Leute, die Kneipen und Bars sind extrem ansprechend und könnten alle genauso in Berlin-Mitte existieren - einen Überraschung nach der anderen!
Erwartet hatte ich eine extrem arme und kaputte Stadt - stattdessen ein Schmuckkästchen von Innenstadt, eine lebhafte und lebendige Atmosphäre, gleichzeitig entspannt. Wenn nur nicht die 1000 Banken überall wären und jeder zweite Laden eine Kette, wie man sie in jedem westeuropäischen Land findet! Es kann doch unmöglich DAS Urbedürfnis aller Menschen sein, bei Office oder Zara einkaufen zu können - zumal sich das in Novi Sad doch sicher nur die Reichen leisten können??
Die für jede Kneipe zu große Gruppe spaltet sich nach einigem Zögern auf (immer diese trägen Gruppenentscheidungen!); ich lande mit Margarete in einer sehr netten Galerie-Kneipe mit Federbildern an der Wand, gutem Bier, sehr netter Bedienung und angenehmen Publikum - und man darf rauchen! Schönes Novi Sad!
Um 2:00 Uhr bin ich im Hotelbett, erschöpft und aufgedreht und ziemlich zufrieden mit dem Tag.
Wort des Tages: "Wir könnten schon in Belgrad sein!" (Margarete im Flugzeug zu den Späteinsteigern)
Sonntag, 5. Oktober 2008
Francis Bacon

Am letzten Tag in London regnet es Bindfäden, und kurzfristig platzt die Lunch-Verabredung mit Anna; das Mietauto muß an der Victoria Coach station abgegeben werde, wo 3 h später dann auch der Bus gen Stanstead abfährt. Was also tun? Vor allem, weil sie zu Fuß zu erreichen ist, fällt die Entscheidung auf die Francis-Bacon-Ausstellung in der Tate Britain - und das ist dann unverhoffterweise das Kulturhighlight, das das Theaterstück der Royal Shakespeare Company trotz David Tennant irgendwie nicht war.
So oft stehe ich vor Bildern und verstehe es nicht - why this picture? Ich weiß einfach zu wenig über Ikonographie (oder Ikonologie, da fängts ja schon an!), über Kunst, über alles. Ein Museumsbesuch ist dann oft wie ein Augenbad: die Augen kriegen mal was anderes zu sehen als den Alltagskrempel und Berliner herbstgrau, was ja auch einfach mal ganz erholsam ist.
Aber jetzt, Francis Bacon: es fegt mir schier die Rübe weg. Ich gehe in den ersten Raum und SEHE, was gemeint ist. Ohne Umwege über kunsthistorische Grübeleien treffe ich auf diese Bilder wie auf ein Gegenüber, das meine Weltsicht ganz und gar teilt. Ich sehe diese Bilder und denke "ja, genau so ist es." Der Mann hat die menschliche Existenz begriffen - und kann es sichtbar machen. Diese verzerrten kreatürlichen Menschenleiber, so oft schreiend, so oft in gerasterte Räume gezwungen oder ineinander verkeilt, von den Kadaverkreuzigungen mal ganz abgesehen: so isses. Das und grauenvollerweise nur das bedeutet Dasein nach dem Verlust der Transzendenz. Dieses schreiende Leiden - die Bilder tun fast körperlich weh. Und sind umso herzzereißender, als auch die Portraits von Bacons Freunden ausgestellt sind, der Versuch der erfüllenden Sinngebung und menschlichen Wärme neben die nackte Existenz als Kreatur gestellt ist.
Unablässig dazu als Soundtrack in meinem Kopf die Sonette von Andreas Gryphius und das Brahms-Requiem - zumal so viele Körper im Gras gemalt sind und schier mit diesem verschmelzen.
Keins dieser Bilder könnte ich ertragen, jeden Tag anzuschauen - aber wie großartig ist es, sie einmal gesehen zu haben.
So oft stehe ich vor Bildern und verstehe es nicht - why this picture? Ich weiß einfach zu wenig über Ikonographie (oder Ikonologie, da fängts ja schon an!), über Kunst, über alles. Ein Museumsbesuch ist dann oft wie ein Augenbad: die Augen kriegen mal was anderes zu sehen als den Alltagskrempel und Berliner herbstgrau, was ja auch einfach mal ganz erholsam ist.
Aber jetzt, Francis Bacon: es fegt mir schier die Rübe weg. Ich gehe in den ersten Raum und SEHE, was gemeint ist. Ohne Umwege über kunsthistorische Grübeleien treffe ich auf diese Bilder wie auf ein Gegenüber, das meine Weltsicht ganz und gar teilt. Ich sehe diese Bilder und denke "ja, genau so ist es." Der Mann hat die menschliche Existenz begriffen - und kann es sichtbar machen. Diese verzerrten kreatürlichen Menschenleiber, so oft schreiend, so oft in gerasterte Räume gezwungen oder ineinander verkeilt, von den Kadaverkreuzigungen mal ganz abgesehen: so isses. Das und grauenvollerweise nur das bedeutet Dasein nach dem Verlust der Transzendenz. Dieses schreiende Leiden - die Bilder tun fast körperlich weh. Und sind umso herzzereißender, als auch die Portraits von Bacons Freunden ausgestellt sind, der Versuch der erfüllenden Sinngebung und menschlichen Wärme neben die nackte Existenz als Kreatur gestellt ist.
Unablässig dazu als Soundtrack in meinem Kopf die Sonette von Andreas Gryphius und das Brahms-Requiem - zumal so viele Körper im Gras gemalt sind und schier mit diesem verschmelzen.
Keins dieser Bilder könnte ich ertragen, jeden Tag anzuschauen - aber wie großartig ist es, sie einmal gesehen zu haben.
Samstag, 4. Oktober 2008
In the presence of beauty
Vor über einem Jahr wurden die Karten gekauft, heute ist es tatsächlich endlich soweit: Love's Labour's Lost in Stratford, Royal Shakespeare Company mit - und nur darum geht es ja! - David Tennant.
Erst übererregt wie ein kleines Kind am Heilig Abend macht sich schnell ein Gefühl des Antiklimax ein, weil: ob der Mensch in Wirklichkeit 20 m entfernt auf der Bühne steht oder als Doctor Who über den Bildschirm flimmert - es macht schlicht keinen Unterschied. Genauso gut könnte er in einem Paralleluniversum existieren - wie soviele Charaktere in gleichnamiger Serie. Zumal ich nicht die Coolness (oder Uncoolness?) aufbringe, beim Applaus mit einer Rose zum Bühnenrand zu latschen. Nicht, dass ich eine Rose gehabt hätte.
Das Ganze hinterläßt ein schales Gefühl der Peinlichkeit... auch ohne Rose.
Erst übererregt wie ein kleines Kind am Heilig Abend macht sich schnell ein Gefühl des Antiklimax ein, weil: ob der Mensch in Wirklichkeit 20 m entfernt auf der Bühne steht oder als Doctor Who über den Bildschirm flimmert - es macht schlicht keinen Unterschied. Genauso gut könnte er in einem Paralleluniversum existieren - wie soviele Charaktere in gleichnamiger Serie. Zumal ich nicht die Coolness (oder Uncoolness?) aufbringe, beim Applaus mit einer Rose zum Bühnenrand zu latschen. Nicht, dass ich eine Rose gehabt hätte.
Das Ganze hinterläßt ein schales Gefühl der Peinlichkeit... auch ohne Rose.
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Back in the UK
Wie immer, wenn ich zu Besuch zurückkomme, fange ich schon im Flughafen an, breit zu grinsen. Alle Menschen sprechen diese wunderbare Sprache, sogar mit ihren Hunden - großartig.
Vor allem nach 4 Wochen breiigem amerikanischen Englisch im Ohr ist das einfach geil.
Vor allem nach 4 Wochen breiigem amerikanischen Englisch im Ohr ist das einfach geil.
Donnerstag, 15. Mai 2008
Karlmann II
"Denn der Mensch ist seinen Schmerzen gegenüber ein ungläubiger Thomas. Er muß sie sehen und lokalisieren können, um sie zu glauben und zu akzeptieren. Das perfide an der seelischen Wunde ist, daß sie nicht existiert und dennoch wirkt. Sie beeinträchtigt - zunächst und direkt - weder die geistige noch die körperliche Integrität des Menschen, noch seine Weltwahrnehmung. Und gerade dies: Daß sich eingentlich an dir selbst nichts verändert hat und alles ebensogut weitergehen könnte wie zuvor und zugleich ein ohrenbetäubend kreischendes Bewußtsein darüber besteht, daß nichts mehr ist wie zuvor und nichts mehr so weitergehen kann, darüber ist kein Hinwegkommen. Weil die seelische Wunde unsichtbar ist, eine Leere und Abwesenheit im Zentrum des Schmerzes, weil daher keine natürliche innere Anerkenntnis der Krankheit oder Verletzung erfogen kann, vermag es auch keine vernünftige Behandlung zu geben. Man wartet nicht auf Heilung, sondern sucht immer wieder nach der 'Stelle', man wirft Blicke einer perversen Faszination auf das unsichtbare Phänomen, schlägt um sich wie ein geblendeter Polyphem, man erlaubt ihr gar nicht, sich zu schließen, sondern reißt, im ewig andauernden Unglauben, daß uns dies geschehen sein könne, jedes Wundhäutchen sofort wieder auf, um durch den erneuten frischen Schmerz die Gewißheit zu bekommen, sich nicht getäuscht zu haben, keiner Illusion aufgesessen, tatsächlich selbst der Betroffene zu sein. (...)
Die Zeit aber verwandelt sich dem, der eine seelische Wunde empfangen hat, sie verliert ihre gewohnte Dreiteilung in Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit. Die Gegenwart als der jeweils zu gestaltende Moment und als einziges Tempus tatsächlicher Wahrnehmung verschwindet, denn da sie, mangels eines sichtbaren Ortes der Wunde, der Raum ihrer permanenten Vergegenwärtigung ist, (...) drängt das Bewußtsein sie über beider Zeitränder hinaus, nach vorn in eine rastlos herbeigewünschte, Klärung und Veränderung des Zustands bringen sollende Zukunft, nach hinten in eine lethargisch brütende, die sich aufeinanderschichtenden Reproduktionen der immergleichen Frage freudlos kategorisierende, analysierende, systematisierende Vergangenheit. Die Zeit eines seelisch Verwundeten kennt nur noch diese beiden Tempi, über das Jetzt weiß er nichts, kein Herzschlag des lebendigen Universums vermag ihn zu rühren. (...)
Wo aber überhaupt keine Gegenwart existiert, wird plötzlich alles zu Gegenwart, zu einem lastenden, erstickenden Nunc stans, wie die Luft in einem heißen, feuchten Badezimmer ohne Entlüftung."
(Michael Kleeberg: Karlmann. München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2007, S. 412ff)
Die Zeit aber verwandelt sich dem, der eine seelische Wunde empfangen hat, sie verliert ihre gewohnte Dreiteilung in Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit. Die Gegenwart als der jeweils zu gestaltende Moment und als einziges Tempus tatsächlicher Wahrnehmung verschwindet, denn da sie, mangels eines sichtbaren Ortes der Wunde, der Raum ihrer permanenten Vergegenwärtigung ist, (...) drängt das Bewußtsein sie über beider Zeitränder hinaus, nach vorn in eine rastlos herbeigewünschte, Klärung und Veränderung des Zustands bringen sollende Zukunft, nach hinten in eine lethargisch brütende, die sich aufeinanderschichtenden Reproduktionen der immergleichen Frage freudlos kategorisierende, analysierende, systematisierende Vergangenheit. Die Zeit eines seelisch Verwundeten kennt nur noch diese beiden Tempi, über das Jetzt weiß er nichts, kein Herzschlag des lebendigen Universums vermag ihn zu rühren. (...)
Wo aber überhaupt keine Gegenwart existiert, wird plötzlich alles zu Gegenwart, zu einem lastenden, erstickenden Nunc stans, wie die Luft in einem heißen, feuchten Badezimmer ohne Entlüftung."
(Michael Kleeberg: Karlmann. München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2007, S. 412ff)
Freitag, 9. Mai 2008
Karlmann
ist der Mittzwanziger, mit dessen Hochzeit am Tag von Beckers Wimbleysieg (grandios beschrieben) das Buch beginnt, und der hinter all seinen Lebenserwartungen zurückbleibt, weil er im Autohaus des Vaters (auch noch Opel) als Geschäftsführer anfängt.Michael Kleeberg seziert nicht nur gnadenlos genau und gänzlich illusionslos Befindlichkeiten und Zustände (den Prozeß des Sich-Verliebens, die Qual des täglichen Aufstehens, um einer sinnfreien Arbeit nachzugehen, das Gerangel um Überlegenheit in alltäglichen Gesprächen), sondern schafft es auch, sie in Sprache zu formen, so daß ich immerzu laut "ja, ja! Genau, genau" schreien könnte. Das kann mitunter trotz der Befreiung durch das Wiederfinden eigener Gedankenwelten etwas bedrückend daherkommen. Fröhlich stimmt das Buch genauso wenig wie das darin so brilliant beschriebene "Stahlbad der Wirklichkeit".
Aber da schafft es einer, sich völlig von allen Gefühlsbanalitäten und Gedankenvorschriften zu befreien, von jeglichem "so ist das" - und das auch noch sprachlich hundertprozent genau zu fassen; da wird der grauen, harten, banalen und oft auch so absurd-idiotischen Wirklichkeit mal ohne jeden Willen zur Beschönigung in die häßliche Fratze geschaut, UND das Geschaute formuliert - wie befreiend!
Eine echte Entdeckung - seit langem ein deutsches Buch, bei dem die Sprache eine Lust ist, bei dem ich zurückblättere und Passagen noch einmal auf der Zunge (pardon: Auge) zergehen lasse und das Bedürfnis habe, sie vorzulesen, weil sie einfach geil sind, weil Gedanke und Ausdruck treffen, bis ins Mark.
Mittwoch, 9. April 2008
Ihr Lebenden

So - vermutlich, so richtig flüssig ist mein Schwedisch nicht - die Übersetzung des Originaltitels "Du Levande", dem Film, der als "Das jüngste Gewitter" gerade im Kino läuft. Auf dem deutschen Kinoplakat steht außerdem die Zeile "Es ist nicht leicht, ein Mensch zu sein." Da war klar, den Film muß ich sehen. Und er ist großartig. Groß-ar-tig. Das stellt meinen Glauben ans Kino wieder her, daß solche Filme nicht nur gedreht werden, sondern tatsächlich auch ins Kino kommen. Ihn als schwedischen Beitrag bei den Oscars einzureichen dürfte allerdings das Kinoverständnis der Jury hoffnungslos überfordern und komplett aussichtslos sein. Aber auch das: wie cool! Sagen sich die Schweden: diesen Film finden wir klasse, den reichen wir ein, Chancen hin oder her.
Anyway - der Film: jede Einstellung sieht aus wie ein lebendes Michael-Sowa-Bild. Jedes noch so winzige Detail paßt. Das Grundprinzip ist: jede Szene wird in einer einzigen Einstellung durchgefilmt, die Kamera bewegt sich nie, und Zoom gibt es höchstens in 5 Szenen. Und das ist ein echtes Kinoerlebnis und sowas von abgefahren: keine Schnitte, keine Kamerabewegung! Man sieht lebende Tableaus, bei denen die Aufmerksamkeit häufig langsam auf das "eigentliche Objekt" gerichtet wird; oft gibt es mehrere Ebenen - Türen, Fenster, hinter denen parallel Weiteres stattfindet.
Und was da stattfindet! Eine eigentliche Handlung gibt es nicht, es sind kleine nachdenklich-absurde Abhandlungen über das Menschsein aufgefädelt. Mir hat besonders gut der Albtraum gefallen, in dem drei Richter biertrinkend das Todesurteil für "groben Unfug" verhängen bzw. versteigern - Todesurteil, zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten, bäng. Bei der Hinrichtung sitzt dann hinter der Glasscheibe popcornfressend das Publikum. Der Film bewegt sich haargenau auf der Grenze zwischen Groteske und Verzweiflung, ist totlustig und zum Schreien traurig.
Mittwoch, 2. April 2008
Berlin - Traumstadt für Allergiker
Daß Berlin mit vielem, aber nicht mit schönem Wetter gesegnet ist, findet einmal mehr Bestätigung in einer Karte der Zeit, die zeigt, wo in Deutschland wann die Birken blühen. Je sonniger, desto früher, und je früher, desto hellgelber auf der Karte. Berlin ist ein dunkelgrüner Fleck. Schade eigentlich - außer für Allergiker, natürlich.
Bestätigt nur mal wieder meine schöne Idee, daß Berlin dort liegen sollte, wo jetzt Offenbach (bis Hanau und runter bis Darmstadt oder so) ist. Offenbach etc. braucht kein Mensch, dafür könnte man aber endlich bei schönem Wetter in Berlin wohnen und käme innerhalb Deutschlands überall in max. 4 Stunden Bahnfahrt hin (nach Paris übrigens auch). Herrlich wäre das!
Bestätigt nur mal wieder meine schöne Idee, daß Berlin dort liegen sollte, wo jetzt Offenbach (bis Hanau und runter bis Darmstadt oder so) ist. Offenbach etc. braucht kein Mensch, dafür könnte man aber endlich bei schönem Wetter in Berlin wohnen und käme innerhalb Deutschlands überall in max. 4 Stunden Bahnfahrt hin (nach Paris übrigens auch). Herrlich wäre das!
Mittwoch, 12. März 2008
The Kite Runner

Um mal so anzufangen wie jedes zweite Kinoplakat oder Buchklappentext: ein Buch für alle, die "Das Geisterhaus" oder "Liebe in den Zeiten der Cholera" geliebt haben. Und das ist nicht als Kompliment gemeint. Wie diese beiden verläßt sich der Roman von Khaled Hosseini auf die Faszination eines für die meisten Leser exotischen Settings kombiniert mit einer traurigen Geschichte voller Gewalt in Zeiten brutaler gesellschaftlicher Umbrüche. Den schweren Schicksalen einer solchen Geschichte gebührt zweifellos Mitleid und Anteilnahme, vielleicht sogar Rührung - gute Literatur ist das aber nicht notwendigerweise.
"The Kite Runner" ist ein schlechtes Buch. Schlampig geschrieben und unstrukturiert verläßt es sich allein auf den Tränendrüseneffekt: Gott, was waren, was sind das schreckliche Zustände in Afghanistan! Die armen Menschen! Die Faszination geographisch weit entrückter Greueltaten jagt dem Gutmenschen (nicht unwohlige) Schauer über den Rücken, umso mehr, als man, sich die Tränchen abwischend, deutlich spürt, man sei ein mitfühlender - eben: ein guter Mensch.
Der verratene und mittlerweile tote Jugendfreund litt unter einer Hasenscharte. Herr Hosseini entblödet sich nun nicht nur, eine der Verletzungen des Icherzählers einen Schnitt sein zu lassen, der die Oberlippe bis fast zur Nasenwurzel in der Mitte spaltet - nein, für den Fall, daß eventuell tatsächlich der ein oder andere Leser nach der klinischen Beschreibung durch den Arzt da etwas noch nicht kapiert hat, läßt er das den Icherzähler nochmal ausformulieren.
Also bitte.
Der Roman ist ein weltweiter Bestseller - und jetzt ja auch, logisch, verfilmt. Das wundert nach der Lektüre nicht mehr: Von fremden Ländern und Menschen, pseudoliterarischer Anspruch und was fürs Herz - eine totsichere Erfolgskombi.
Der Roman ist ein weltweiter Bestseller - und jetzt ja auch, logisch, verfilmt. Das wundert nach der Lektüre nicht mehr: Von fremden Ländern und Menschen, pseudoliterarischer Anspruch und was fürs Herz - eine totsichere Erfolgskombi.
Donnerstag, 21. Februar 2008
5 Filme in 2 Tagen: Sonntag

Ist ja nun schon Tage her, was hab ich noch am letzten Berlinaletag gesehen?
Achja: September, ein australischer Film, der in Südaustralien in den 60ern spielt, über die Freundschaft des weißen Farmbesitzersohns und dem Sohn des Farmarbeiters, einem Aboriginee. War mit Abstand der wortkargste Film der Berlinale, dafür ganz viel ganz leere Landschaft. Klasse Film. Was andere zu einem ganzen Buch oder Film aufblähen (ich sage nur "The Kite Runner"!), nämlich der Verrat der Freundschaft durch den privilegierteren Part, ist hier eingewoben in komplexere Zusammenhänge.
Achja: September, ein australischer Film, der in Südaustralien in den 60ern spielt, über die Freundschaft des weißen Farmbesitzersohns und dem Sohn des Farmarbeiters, einem Aboriginee. War mit Abstand der wortkargste Film der Berlinale, dafür ganz viel ganz leere Landschaft. Klasse Film. Was andere zu einem ganzen Buch oder Film aufblähen (ich sage nur "The Kite Runner"!), nämlich der Verrat der Freundschaft durch den privilegierteren Part, ist hier eingewoben in komplexere Zusammenhänge.
Als letztes dann, noch einmal im wunderschönen Zoopalast, Chiko. Gut war, daß man trotz vorgerückter Stunde sowas von nicht einschlief dabei. Ansonsten fällt mir dazu nicht viel ein. So ein bißchen "Gegen die Wand" oder "Knallhart", also das mittlerweile auch nicht mehr ganz unübliche Draufhalten auf brutale Umstände, die dann auch die Leute brutal machen. Kann man sich angucken, wenn er im April ins Kino kommt.So, dit waret mit Bälinahle für dieses Jahr.
Mittwoch, 20. Februar 2008
5 Filme in 2 Tagen: Samstag
Am letzten Berlinale-Wochenende kam nochmal mit 5 Filmen in 2 Tagen der große Endspurt - und der richtige Berlinale-Kinorausch. Am Samstag haben wir hintereinander weg gesehen (raus aus dem Kinosaal, rein in den Kinosaal) Sag mir, wo die Schönen sind und To Verdener (Worlds Apart), dann eine Stunde Pause, um sich ein Abendessen reinzupfeifen und weiter gings mit Coupable. Drei sehr unterschiedliche Filme, alle drei gut.
Der dänische Jugendfilm "To Verdener" (lief jedenfalls in der Reihe Generation14plus) über eine Zeugin Jehovas, die sich in einen Normalo verliebt und dadurch in immer größere innere und äußere Konflikte gerät, war auch klasse. Beklemmend. Ich hatte erfolgreich verdrängt, wie furchtbar es ist, das Über-Ich dermassen übel reingedrückt zu bekommen. So richtig klassisch der Standardsatz des Vaters: "Es ist deine Entscheidung, aber ich halte es für keine gute Idee." Igitt.
Coupable war dann wohl der interessanteste Film. Künstlich und konstruiert, völlig unrealistische und durchaus auch nervige Charaktere - mich hats trotzdem angesprochen (mein Kinobegleiter war gelangweilt und wand sich im Kinositz), und optisch war der Film toll. Irgendwie ging es um Liebe und Isoliertheit, aber wie und was genau, das blieb schwebend und leicht. Gedankenanregend. Oder doch einfach nur manieriert (wie passend, das Wort kommt vom französischen "maniéré") und langweilig? Keine Ahnung, einer der Hauptdarsteller sah wahnsinnig gut aus, da hab ich gerne hingeguckt.
Der Dokumentarfilm über 10 Frauen, die 1989 beim Schönheitswettbewerb "Miss Leipzig" mitgemacht haben und was sie heute so treiben hatte zwar (unbeabsichtigt, nehme ich an) die sozialdarwinistische Message, daß es Gewinner und Verlierer gibt, war aber einfach der Frauen und des Zeithintergrundes wegen interessant.
Der dänische Jugendfilm "To Verdener" (lief jedenfalls in der Reihe Generation14plus) über eine Zeugin Jehovas, die sich in einen Normalo verliebt und dadurch in immer größere innere und äußere Konflikte gerät, war auch klasse. Beklemmend. Ich hatte erfolgreich verdrängt, wie furchtbar es ist, das Über-Ich dermassen übel reingedrückt zu bekommen. So richtig klassisch der Standardsatz des Vaters: "Es ist deine Entscheidung, aber ich halte es für keine gute Idee." Igitt. Coupable war dann wohl der interessanteste Film. Künstlich und konstruiert, völlig unrealistische und durchaus auch nervige Charaktere - mich hats trotzdem angesprochen (mein Kinobegleiter war gelangweilt und wand sich im Kinositz), und optisch war der Film toll. Irgendwie ging es um Liebe und Isoliertheit, aber wie und was genau, das blieb schwebend und leicht. Gedankenanregend. Oder doch einfach nur manieriert (wie passend, das Wort kommt vom französischen "maniéré") und langweilig? Keine Ahnung, einer der Hauptdarsteller sah wahnsinnig gut aus, da hab ich gerne hingeguckt.

Dienstag, 19. Februar 2008
There Will Be Blood
Den Bärenfavoriten noch während der Berlinale, aber im stinknormalen Kino gesehen. Wie entspannt Kino doch sein kann: man muß die Karten nicht 3 Tage vorher mit Schlangestehen kaufen, man muß nicht 20 Min vor dem Kino auf Einlaß warten, sich dann reindrängeln als wäre das Kino der letzte Zug in die Freiheit und in einem knallvollen Kino hinter Sitzriesen sitzen.Ob 2 Stunden Betonfresse eine große schauspielerische Leistung ist, sei dahingestellt, die letzten 20 Minuten driftet Daniel Day-Lewis jedenfalls ins Knallchargenhafte ab. Das sei aber o.k., belehrt mich mein Kinobegleiter, immerhin sei er betrunken. Also nicht Daniel Day-Lewis (nehme ich mal an), sondern der dargestellte Charakter.
So ganz verstehe ich die totale Rundumbegeisterung nicht, mir scheint - wie schon bei "Magnolia" - zu entgehen, was diesen Film so dermaßen besonders und megageil macht. Er ist auf jeden Fall sehenswert und gut, toll gemacht, ja, zweifellos. Und, auch wenn das schon so oft gesagt und geschrieben wurde, ich muß doch auch nochmal in diese Kerbe hauen: die Filmmusik ist großartig, absolut überragend. Sowas in einem Hollywoodfilm zu hören - man traut seinen Ohren nicht.
Freitag, 15. Februar 2008
Massengeschmack?
Huch, sollte ich doch beim Massengeschmack angekommen sein, gleichzeitig der süßen Illusion hingegeben, es sei noch wunders wie originell und eigensinnig, "kleine Filme" über "Menschen wie Du und ich" gut zu finden? (Wie z.B. Happy-Go-Lucky.) Wenn man es sich recht überlegt, überschwemmen diese Art Filme das Kino, naja, überschwemmen ist vielleicht was anderes. Aber so richtig neu ist das seit sicher 10 Jahren auch nicht mehr. Vielleicht ist das ja der nicht mehr so ganz neue Mainstream und schon längst zum Gefühlskitsch verkommen, nur ich hab's noch nicht gemerkt. Wenn ich sehe, daß in der Berlinale diese Art von Filmen zuhauf in allen Sektionen laufen (besonders beliebt als Episodenfilm!) und zum Teil nur noch davon zu leben scheinen, daß sie im Prenzlauer Berg ("Die Helden aus der Nachbarschaft") oder in Kreuzberg am 1. Mai ("Berlin - 1. Mai") spielen, werden diese Filme mir langsam auch unsympathisch.
Donnerstag, 14. Februar 2008
Elegy
Hab ich gar nicht gesehen, und das schönste ist ja, sich über Filme auszulassen, die man gar nicht gesehen hat. Kann der größte Mist sein - man wird es nie erfahren und kann hemmungslos vom Leder ziehen, unangekränkelt von der Seherfahrung Blässe.
Ich wollte aber nur kurz anmerken, daß ich die Enttäuschung einiger Journalisten (z. B. von arte) über Isabel Coixets "Elegy" nicht verstehe. Es wird beklagt, es sei ein gekonnt gemachter, aber seichter, weichgespülter Film ohne Aussage. Wer bitte hat denn nach "Mein Leben ohne mich" von dieser Regisseurin irgendetwas anderes erwartet als geschmäcklerischen Kitsch, der vorgibt, Kino mit Tiefgang zu sein?
Ich wollte aber nur kurz anmerken, daß ich die Enttäuschung einiger Journalisten (z. B. von arte) über Isabel Coixets "Elegy" nicht verstehe. Es wird beklagt, es sei ein gekonnt gemachter, aber seichter, weichgespülter Film ohne Aussage. Wer bitte hat denn nach "Mein Leben ohne mich" von dieser Regisseurin irgendetwas anderes erwartet als geschmäcklerischen Kitsch, der vorgibt, Kino mit Tiefgang zu sein?
Mittwoch, 13. Februar 2008
Det som ingen ved (What no one knows)
Och nö! Ich hatte sicher keine übertriebenen Erwartungen an diesen dänischen Thriller und einfach auf spannende, gut gemachte Unterhaltung in bewährter skandinavischer Qualität gehofft. Aber nein: gänzlich einfallslos und unoriginell werden Versatzstücke eines Thrillers abgespult, der nach dem Muster funktioniert "völlig unbedarfter Mann stolpert über eine Verschwörung der ganz Mächtigen (natürlich im Geheimdienst) und kämpft ganz alleine immer verzweifelter gegen die Verschwörung". Was man schon zigmal spannender gesehen hat. Søren Kragh-Jacobsen hat dem Genre rein gar nichts hinzuzufügen oder abzugewinnen - und er hat es nicht mal gut umgesetzt. Garniert wird das ganze noch - und das soll vermutlich der hochbrisante Aspekt sein, der das Machwerk mit gesellschaftskritischem Anspruch adelt - mit einer agitpropmäßig sowas von derb hingeklatschten Warnung vor dem Überwachungsstaat, daß man vor Fremdscham für den Regisseur schier unter den Kinositz kriechen will.
Dienstag, 12. Februar 2008
Happy-Go-Lucky
Enrahah! Ganz kapiert hab ich's nicht, irgendwas hatte es mit den Spiegeln zu tun, jedenfalls will das der durchgeknallte Fahrlehrer der Hauptfigur Poppy einbläuen und schreit sie in unregelmäßigen Abständen an: Enrahah!
Happy-Go-Lucky kommt für einen Mike-Leigh-Film ungewohnt leichtfüßig und lockerflockig daher, genau wie seine Hauptfigur, die grelle Vollzeitspaßdüse Poppy, die mich im wahren Leben zu Tode nerven würde mit ihrer ewigen guten Laune.
(Sally Hawkins scheint übrigens nicht unerhebliche Ähnlichkeiten mit ihrer Figur zu haben: wie ihr beim Auftritt vorm Berlinalepalast genau wie Poppy im Film immerzu das Jäckchen von der einen Schulter rutscht, wie sie auf dem roten Teppich rumzappelt und trödelt, obwohl eine Orga-Tante verzweifelt versucht, sie an der Hand weiterzuzerren und in den Berlinale-Palast zu schleusen. Aber es wird weitergetrödelt und mit Journalisten geschwatzt, und dann auch nochmal beim Signieren des Posters rumgealbert und aufwendig gemalt. Macht ja nix, warten ja nur 1600 Leute darauf, daß der Film losgeht.)
Der Film macht Spaß, ohne oberflächlich zu sein. In der Schilderung von Poppys Alltag in Nordlondon (genauer gesagt Finsbury Park, was so in etwa dem Wedding entspricht) scheinen immer wieder ernste Themen und dunklere Seiten auf - genau wie im richtigen Leben: hohe Immigrantenrate ihrer Schulkinder, Familienkonflikte, Einsamkeit, Armut in London. Bemerkenswert ist, daß Mike Leigh anders als so viele - schlechtere - Regisseure den Sozialpädagogen zu Hause läßt: er zeigt, er bewertet nicht. Eine Stellungnahme zum Schicksal der gescheiterten oder hilfebedürftigen Figuren des Films (ein Kind in Poppys Klasse, ihr gestörte Fahrlehrer, ein Obdachloser) findet sich allenfalls in Sally Hawkins' Augen, die in diesen Szenen so voller Mitgefühl sind, daß einem schier das Herz stehenbleibt. Überhaupt ist großartig, wie Sally Hawkins zwischen Überdrehtheit und Ernsthaftigkeit pendelt und beides absolut überzeugt. Wie die Ulknudel gegenüber Menschen, die ihrer Hilfe bedürfen, auf einmal völlig still und zurückgenommen ist, ganz teilnehmend auf das Gegenüber konzentriert: hinreißend.
Dafür hätte sie den Silbernen Bären verdient, aber für den ist die Favoritin wohl die natürlich sowieso großartige Berlinale-Veteranin Tilda Swinton mit ihrer manisch-brachialen Darstellung (nach dem, was man so hört, selber gesehen hab ich's ja nicht...) in Erick Zonkas "Julia".
Überhaupt ist man den Figuren bei Mike Leigh oft so nah - großartige Darsteller allesamt! - , daß man nicht in ihre Gesichter zu blicken meint, sondern direkt in ihre verletzte Seele. Das ist bezeichnend für diesen Film: Offenheit. Offenheit gegenüber den Charakteren, Offenheit des Plots, Offenheit aber auch der Charaktere selber. Genaues, unvoreingenommenes Hinsehen auf das, was ist.
Insgesamt hat Happy-Go-Lucky wohl keine Aussichten auf einen Bären: er widmet sich keinem brisanten weltpolitischen Thema, er spielt nicht in einer unterprivilegierten Region der Welt (was immer man von Nord-London halten mag), er bietet keine große, aufrüttelnde Attitüde. Mike Leigh sagte einmal, er wolle ungewöhnliche Filme über das gewöhnliche Leben machen. Und daß seine Filmen keine Antworten gäben, denn er kenne die Antworten nicht. Genau das zeichnet Happy-Go-Lucky aus - und genau das ist so überaus wohltuend an diesem Film.
PS: Noch schöner hätte ich's gefunden, Poppy trifft nicht noch den supernetten und gutaussehenden Kinderpädagogen. O.k., das ist auch irgendwie realistisch, irgendwann trifft eine 30jährige halt auch mal einen netten Kerl (obwohl - mind. 1,85 großer, gut gebauter Pädagoge mit wunderschönen blitzblauen Augen? Wie wahrscheinlich...) , aber irgendwie schmeckt das doch ein bißchen nach Klischee - so n bißchen Liebesgeschichte muß halt sein, und dann auch gerne positiv verlaufend gegen Ende des Films.
PPS: Ein bißchen vermiest wurde mir der Film beim Verlassen des Berlinalepalastes durch die Bemerkung einer dicklichen Dame in breitestem sächsisch: "Das war doch mal was Schönes!"
Oha. Bin ich etwa doch auf ein Feelgood-Movie reingefallen?
Happy-Go-Lucky kommt für einen Mike-Leigh-Film ungewohnt leichtfüßig und lockerflockig daher, genau wie seine Hauptfigur, die grelle Vollzeitspaßdüse Poppy, die mich im wahren Leben zu Tode nerven würde mit ihrer ewigen guten Laune.
(Sally Hawkins scheint übrigens nicht unerhebliche Ähnlichkeiten mit ihrer Figur zu haben: wie ihr beim Auftritt vorm Berlinalepalast genau wie Poppy im Film immerzu das Jäckchen von der einen Schulter rutscht, wie sie auf dem roten Teppich rumzappelt und trödelt, obwohl eine Orga-Tante verzweifelt versucht, sie an der Hand weiterzuzerren und in den Berlinale-Palast zu schleusen. Aber es wird weitergetrödelt und mit Journalisten geschwatzt, und dann auch nochmal beim Signieren des Posters rumgealbert und aufwendig gemalt. Macht ja nix, warten ja nur 1600 Leute darauf, daß der Film losgeht.)Der Film macht Spaß, ohne oberflächlich zu sein. In der Schilderung von Poppys Alltag in Nordlondon (genauer gesagt Finsbury Park, was so in etwa dem Wedding entspricht) scheinen immer wieder ernste Themen und dunklere Seiten auf - genau wie im richtigen Leben: hohe Immigrantenrate ihrer Schulkinder, Familienkonflikte, Einsamkeit, Armut in London. Bemerkenswert ist, daß Mike Leigh anders als so viele - schlechtere - Regisseure den Sozialpädagogen zu Hause läßt: er zeigt, er bewertet nicht. Eine Stellungnahme zum Schicksal der gescheiterten oder hilfebedürftigen Figuren des Films (ein Kind in Poppys Klasse, ihr gestörte Fahrlehrer, ein Obdachloser) findet sich allenfalls in Sally Hawkins' Augen, die in diesen Szenen so voller Mitgefühl sind, daß einem schier das Herz stehenbleibt. Überhaupt ist großartig, wie Sally Hawkins zwischen Überdrehtheit und Ernsthaftigkeit pendelt und beides absolut überzeugt. Wie die Ulknudel gegenüber Menschen, die ihrer Hilfe bedürfen, auf einmal völlig still und zurückgenommen ist, ganz teilnehmend auf das Gegenüber konzentriert: hinreißend.
Dafür hätte sie den Silbernen Bären verdient, aber für den ist die Favoritin wohl die natürlich sowieso großartige Berlinale-Veteranin Tilda Swinton mit ihrer manisch-brachialen Darstellung (nach dem, was man so hört, selber gesehen hab ich's ja nicht...) in Erick Zonkas "Julia".
Überhaupt ist man den Figuren bei Mike Leigh oft so nah - großartige Darsteller allesamt! - , daß man nicht in ihre Gesichter zu blicken meint, sondern direkt in ihre verletzte Seele. Das ist bezeichnend für diesen Film: Offenheit. Offenheit gegenüber den Charakteren, Offenheit des Plots, Offenheit aber auch der Charaktere selber. Genaues, unvoreingenommenes Hinsehen auf das, was ist.
Insgesamt hat Happy-Go-Lucky wohl keine Aussichten auf einen Bären: er widmet sich keinem brisanten weltpolitischen Thema, er spielt nicht in einer unterprivilegierten Region der Welt (was immer man von Nord-London halten mag), er bietet keine große, aufrüttelnde Attitüde. Mike Leigh sagte einmal, er wolle ungewöhnliche Filme über das gewöhnliche Leben machen. Und daß seine Filmen keine Antworten gäben, denn er kenne die Antworten nicht. Genau das zeichnet Happy-Go-Lucky aus - und genau das ist so überaus wohltuend an diesem Film.
PS: Noch schöner hätte ich's gefunden, Poppy trifft nicht noch den supernetten und gutaussehenden Kinderpädagogen. O.k., das ist auch irgendwie realistisch, irgendwann trifft eine 30jährige halt auch mal einen netten Kerl (obwohl - mind. 1,85 großer, gut gebauter Pädagoge mit wunderschönen blitzblauen Augen? Wie wahrscheinlich...) , aber irgendwie schmeckt das doch ein bißchen nach Klischee - so n bißchen Liebesgeschichte muß halt sein, und dann auch gerne positiv verlaufend gegen Ende des Films.
PPS: Ein bißchen vermiest wurde mir der Film beim Verlassen des Berlinalepalastes durch die Bemerkung einer dicklichen Dame in breitestem sächsisch: "Das war doch mal was Schönes!"
Oha. Bin ich etwa doch auf ein Feelgood-Movie reingefallen?
Berlinale-PR
Eine Meisterleistung der Öffentlichkeitsarbeit der Berlinale ist es, daß die kurzfristige Absage zweier wichtiger Mitglieder der Internationalen Jury (Sandrine Bonnaire und Susanne Bier) nahezu unerwähnt blieb und kaum oder gar nicht ins Bewußtsein der meisten Berlinale-Besucher oder Berlinale-Interessierten gedrungen ist. Eine denkbar knappe Pressemitteilung auf den Berlinale-Seiten, sonst nichts, insbesondere keine bedauernde Erwähnung auf der glorreichen Eröffnungsgala. Geschickt. Wir wollen ja nicht den Eindruck erwecken, die Berlinale habe für zwei preisgekrönte Persönlichkeiten des Filmgeschäfts nicht die alleroberste Priorität. Könnte unser tolles, wichtiges Filmfestival ja irgendwie abwerten.
Tout est parfait
Na also, geht doch. Endlich mal keine Enttäuschung. Ein sehr ruhiger kanadischer Film über einen fast erwachsenen jungen Mann, dessen vier beste Freunde sich umbringen. 115 Minuten guckt man zu, wie Josh versucht, irgendwie damit fertigzuwerden, übrig geblieben zu sein. Die Spannung entsteht dadurch, daß man (wie alle Figuren im Film) grübelt, warum - und ob - Josh nicht in das "Selbstmord-Projekt" einbezogen war. Außerdem weiß man bald - nicht sofort - , daß der Film in Rückblenden erzählt und Josh im Koma liegt, was zumindest für mich den latent verstörenden Effekt hatte, daß nahezu jede Situation bedrohlich erschien: Fahrradfahren, Skateboardfahren, durch die Straßen gehen, schwimmen - bei all diesen Gelegenheiten könnte ein Junge ohne weiteres einen fast tödlichen Unfall haben. Oder führt ein gescheiterter Selbstmordversuch Joshs zum Koma?
Der Film bleibt nicht ganz klischeefrei, ist aber doch über weite Strecken eindringlich und eindrücklich. Beeindruckend ist die Szene, in der der Zuschauer am Ende des Films doch noch erfährt, ob Josh etwas vom geplanten Selbstmord der Gruppe wußte oder nicht: völlig unpathetisch und gerade deswegen von großer Wucht. Und von dieser Szene (und der Auflösung) aus gewinnt der ganze Film rückblickend noch einmal an Intensität.
Der Film bleibt nicht ganz klischeefrei, ist aber doch über weite Strecken eindringlich und eindrücklich. Beeindruckend ist die Szene, in der der Zuschauer am Ende des Films doch noch erfährt, ob Josh etwas vom geplanten Selbstmord der Gruppe wußte oder nicht: völlig unpathetisch und gerade deswegen von großer Wucht. Und von dieser Szene (und der Auflösung) aus gewinnt der ganze Film rückblickend noch einmal an Intensität.Montag, 11. Februar 2008
Humor II
Man zeige mir einen Menschen ohne Humor!
Alle Welt hat Humor; das Adjektiv "humorvoll" fehlt in keiner Selbstbeschreibung in Kontaktanzeigen. (Obwohl - woher meine ich das zu wissen? Als ob Kontaktanzeigen zu meiner täglichen Lektüre zählen würden!)
Humor ist das Must-have unter den Eigenschaften.
Ich oute mich jetzt: Ich habe keinen Humor. Absolut nicht. Nie gehabt.
"Humor" ist nicht das, was gemeinhin dafür gehalten wird. Humor bedeutet nicht Sinn für Komik, Absurdes oder Skurilles, bedeutet nicht Witz haben oder witzig sein. Humorvoll sein heißt nicht, daß man der Spaßkasper auf jeder Party ist oder bei Komödien oft und gerne lacht. Humor ist eine innere Einstellung. Humor ist Gelassenheit gegenüber der Widrigkeit der Welt bei gleichzeitiger Freundlichkeit und Nachsicht sich selbst und der Welt gegenüber. Humor haben heißt, nicht zynisch und bitter zu werden ob der Suboptimalität der ganzen Veranstaltung Welt und Leben, sondern mit freundlicher Distanz die vorhandene Komik wahrzunehmen und sich damit über die Widrigkeiten zu trösten. Das Leben scheißt einen an und man kann trotzdem darüber schmunzeln. Oder eben wie es so schön heißt: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht." Man muß sich nur mal klarmachen, was genau das ist, trotz dessen man lacht - und weshalb genau man trotzdem lachen kann, anstatt zu verzweifeln.
DAS ist Humor. Humor ist eine Form von innerer Größe.
Und nun zeige man mir bitte einen Menschen mit Humor.
Alle Welt hat Humor; das Adjektiv "humorvoll" fehlt in keiner Selbstbeschreibung in Kontaktanzeigen. (Obwohl - woher meine ich das zu wissen? Als ob Kontaktanzeigen zu meiner täglichen Lektüre zählen würden!)
Humor ist das Must-have unter den Eigenschaften.
Ich oute mich jetzt: Ich habe keinen Humor. Absolut nicht. Nie gehabt.
"Humor" ist nicht das, was gemeinhin dafür gehalten wird. Humor bedeutet nicht Sinn für Komik, Absurdes oder Skurilles, bedeutet nicht Witz haben oder witzig sein. Humorvoll sein heißt nicht, daß man der Spaßkasper auf jeder Party ist oder bei Komödien oft und gerne lacht. Humor ist eine innere Einstellung. Humor ist Gelassenheit gegenüber der Widrigkeit der Welt bei gleichzeitiger Freundlichkeit und Nachsicht sich selbst und der Welt gegenüber. Humor haben heißt, nicht zynisch und bitter zu werden ob der Suboptimalität der ganzen Veranstaltung Welt und Leben, sondern mit freundlicher Distanz die vorhandene Komik wahrzunehmen und sich damit über die Widrigkeiten zu trösten. Das Leben scheißt einen an und man kann trotzdem darüber schmunzeln. Oder eben wie es so schön heißt: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht." Man muß sich nur mal klarmachen, was genau das ist, trotz dessen man lacht - und weshalb genau man trotzdem lachen kann, anstatt zu verzweifeln.
DAS ist Humor. Humor ist eine Form von innerer Größe.
Und nun zeige man mir bitte einen Menschen mit Humor.
Sonntag, 10. Februar 2008
Transsiberian

Nein, also nein. Das wichtigste zuerst: der Film kommt im April in die deutschen Kinos, und es lohnt sich nicht, ihn anzusehen.
Emily Mortimer, in ihren früheren Rollen immer gut, ist hier großartig und auch Woddy Harrelson ist wie fast immer sehenswert. Auf Ben Kingsley hätte ich verzichten können, der spielt seit 10 Jahren in jedem Film dieselbe Leier, diesmal auf russisch bzw. auf englisch mit russischem Akzent, noch bekloppter. (Schon wieder so ein Film, bei dem Muttersprachler sich verarscht fühlen müssen.)
Ich hatte nicht auf dem Plan, daß "ein großer Star" mitspielt und habe die Aufregung vorm Zoo-Palast daher erst gar nicht kapiert, bis ein Pressemensch mir erklärte, Ben Kingsley würde erwartet. Ich habe ja die natürlich durch Ausnahmen bestätigte Berlinale-Faustregel "Je bekannter der mitspielende Star, desto schlechter der Film", weil der Film dann häufig nur ins Programm aufgenommen wurde, um den Star nach Berlin zu kriegen, also im wahrsten Sinne ein Starvehikel ist. Qualität spielt da nicht unbedingt eine Rolle. (Wunderbarstes Beispiel: "Bordertown", der letztes Jahr doch tatsächlich im Wettbewerb lief, nur damit der höchstversicherte Arsch der Welt über den roten Berlinale-Teppich wackelte.)
"Transsiberian" fängt gar nicht uninteressant an mit klaustrophobischen Aufnahmen in der runtergekommenen Transsiberischen Eisenbahn, in der nichts funktioniert, vor allem nicht das Zugpersonal. (Nach nur 5 Minuten war ich geheilt von der Idee, einmal mit der Transsiberischen Eisenbahn fahren zu wollen, und dafür hat sich der Film wohl dann doch gelohnt.) Auch die Charaktere sind gar nicht so langweilig wie erwartet, das amerikanische Ehepaar, bei dem man sich fragt, wie die beiden zusammengefunden haben.
Nach den ersten 30 Minuten geht es dann allerdings nur noch bergab: sie erschlägt unvermittelt und reichlich grundlos in der siberischen Pampa den zudringlich werdenden Zugkabinenmitbewohner (juristisch heißt sowas wohl Notwehrexzeß), sitzt dann weinend lange in Jeans und kurzem dünnen Daunenjäckchen neben der Leiche (lange, weil die Leiche danach gut schneebedeckt ist), wobei sie bei -23 Grad - die Temperatur wird uns vorher explizit noch mitgeteilt - realistischerweise wohl erfroren wäre. Die letzten 20 Minuten verkommen dann völlig zu einem blutigen, öden und wiederum unplausiblen Überlebenskampf gegen 2 böse Russen. Ärgerlich.
Der Regisseur konnte sich offensichtlich nicht entscheiden, ob er einen Psychothriller oder ein Actionmovie machen wollte - oder er wollte beide Genres mischen. Das wäre allerdings auch gründlich mißglückt.
Am bemerkenswertesten (not in a good way) an dem Kinoabend war, daß Brad Anderson sich nicht bemüßigt fühlte, sein Kaugummi loszuwerden, bevor er das Mikro griff, so daß ca. 1000 Menschen sich sein mikrofonverstärktes Geschmatze anhören mußten. Klang wie etwas aus einem Animationsfilm... ich bin die Fliege im Mund eines Menschen.
Donnerstag, 7. Februar 2008
Berlinale-Peinlichkeit
Eine erste böse Ahnung beschlich mich, als ich die im typischen Berlinale-Schriftzug unter den am Potsdamer Platz en masse applizierten Berlinale-Bären gesprayten Worte "Knut welcomes Flocke" gesehen habe: Die Berlinale ist peinlich geworden.
Und dann habe ich mir gestern abend zum ersten Mal ever im Fernsehen die Eröffnungsgala angesehen.
O my God! It's like watching a car crash!
Angefangen damit, daß der ZDF-Moderatorin Heino Ferch "zur Seite stand", der oberdoofen Mist zu allem möglichen Kram redete, von dem er nichts versteht. ("Finden Sie die hohen Preise für Stones-Konzerte angemessen?" - Was ne bekloppte Frage, aber was interessiert mich, was Heino Ferch dazu meint?) O.k., dafür kann die Berlinale nichts. Aber die Berlinale kann was für Dieter Kosslick! Der Mann verwechselt offenbar Herzlichkeit und Jovialität mit grenzdebilem Auftreten. Wie er glasig in den Ausschnitt von Katrin Bauerfeind (eine weitere fleischgewordene Peinlichkeit) glotzte - den Mann kann man doch nicht auf eine Bühne lassen!
Und was der für einen Mist sabbelt - einer der bezeichnenden Höhepunkte war die Aussage, in den diesjährigen Berlinalefilmen gehe es oft um "Schicksale für Kinder". Außerdem stammelte er mehrfach "Abu Ghraib" - das sollte wohl der politische Anspruch der Berlinale sein.
Achja: und "Wir sind Helden" sind endgültig unten durch, die verkaufen sich offenbar auch an alles und haben mit "Die Konkurrenz" den Einheizer gespielt. Ausgerechnet! Da sitzen ausschließlich die Arriviertesten der Arrivierten, die Erfolgreichen, Satten, Reichen, denen der goldene Löffel aus dem Arsch guckt - und die denken wohl noch, das ist wunders wie rebellisch, wenn sie denen dieses Lied vorspielen!
Was eine Gala-Gülle.
PS: Kann ich jetzt eigentlich belangt werden wegen übler Nachrede oder sowas? Könnte ich theoretisch - es liest ja keiner, aber falls es Herr Kosslick lesen würde - verklagt werden von Herrn Kosslick? Offenbar habe ich grobe Lücken zum Thema "freie Meinungsäußerung"...
Und dann habe ich mir gestern abend zum ersten Mal ever im Fernsehen die Eröffnungsgala angesehen.
O my God! It's like watching a car crash!
Angefangen damit, daß der ZDF-Moderatorin Heino Ferch "zur Seite stand", der oberdoofen Mist zu allem möglichen Kram redete, von dem er nichts versteht. ("Finden Sie die hohen Preise für Stones-Konzerte angemessen?" - Was ne bekloppte Frage, aber was interessiert mich, was Heino Ferch dazu meint?) O.k., dafür kann die Berlinale nichts. Aber die Berlinale kann was für Dieter Kosslick! Der Mann verwechselt offenbar Herzlichkeit und Jovialität mit grenzdebilem Auftreten. Wie er glasig in den Ausschnitt von Katrin Bauerfeind (eine weitere fleischgewordene Peinlichkeit) glotzte - den Mann kann man doch nicht auf eine Bühne lassen!
Und was der für einen Mist sabbelt - einer der bezeichnenden Höhepunkte war die Aussage, in den diesjährigen Berlinalefilmen gehe es oft um "Schicksale für Kinder". Außerdem stammelte er mehrfach "Abu Ghraib" - das sollte wohl der politische Anspruch der Berlinale sein.
Achja: und "Wir sind Helden" sind endgültig unten durch, die verkaufen sich offenbar auch an alles und haben mit "Die Konkurrenz" den Einheizer gespielt. Ausgerechnet! Da sitzen ausschließlich die Arriviertesten der Arrivierten, die Erfolgreichen, Satten, Reichen, denen der goldene Löffel aus dem Arsch guckt - und die denken wohl noch, das ist wunders wie rebellisch, wenn sie denen dieses Lied vorspielen!
Was eine Gala-Gülle.
PS: Kann ich jetzt eigentlich belangt werden wegen übler Nachrede oder sowas? Könnte ich theoretisch - es liest ja keiner, aber falls es Herr Kosslick lesen würde - verklagt werden von Herrn Kosslick? Offenbar habe ich grobe Lücken zum Thema "freie Meinungsäußerung"...
Karten kaufen
Ich Idiotin habe 10:00 Uhr verschlafen, und wie soll's anders sein: um 10:05 war mein einer Wunschfilm am Sonntag schon ausverkauft, aber noch online-Tickets für den zweiten Film am Abend angeblich online buchbar. Nur leider war der Server überlastet, und bis ich ne Verbindung hatte, war auch der ausverkauft.
Wer zu spät kommt...
Lohnt es sich, 30 Minuten oder länger an den Ticketschalter zu gehen oder sind dort auch schon alle Karten weg, fragte ich mich. Die Beantwortung dieser Frage schien telephonisch möglich: Radio-Eins hat doch tatsächlich eine Infohotline zu Kartenkontingenten. Wahnsinnig tolle Sache, dachte ich. Nach 5x wählen kam ich auch tatsächlich durch - aber Informationen über den Stand des Kartenverkaufs für Vorstellungen am Sonntag hat der nette Herr erst ab heute ca. 14:00 Uhr. Na toll. Das ist also eine Pseudoinfo-Hotline, denn bis dahin sind die Karten für die Sonntagsvorstellungen sowieso alle weg.
Immerhin fand ich in einem Artikel des Tagesspiegel die lang gesuchte Antwort auf die Frage, wie groß das online-Ticket-Kontingent ist: da steht ca. 30% der Tickets gehen in den online-Vorverkauf.
Nutzt mir jetzt aber auch nix...
Wer zu spät kommt...
Lohnt es sich, 30 Minuten oder länger an den Ticketschalter zu gehen oder sind dort auch schon alle Karten weg, fragte ich mich. Die Beantwortung dieser Frage schien telephonisch möglich: Radio-Eins hat doch tatsächlich eine Infohotline zu Kartenkontingenten. Wahnsinnig tolle Sache, dachte ich. Nach 5x wählen kam ich auch tatsächlich durch - aber Informationen über den Stand des Kartenverkaufs für Vorstellungen am Sonntag hat der nette Herr erst ab heute ca. 14:00 Uhr. Na toll. Das ist also eine Pseudoinfo-Hotline, denn bis dahin sind die Karten für die Sonntagsvorstellungen sowieso alle weg.
Immerhin fand ich in einem Artikel des Tagesspiegel die lang gesuchte Antwort auf die Frage, wie groß das online-Ticket-Kontingent ist: da steht ca. 30% der Tickets gehen in den online-Vorverkauf.
Nutzt mir jetzt aber auch nix...
Abonnieren
Posts (Atom)