Enrahah! Ganz kapiert hab ich's nicht, irgendwas hatte es mit den Spiegeln zu tun, jedenfalls will das der durchgeknallte Fahrlehrer der Hauptfigur Poppy einbläuen und schreit sie in unregelmäßigen Abständen an: Enrahah!
Happy-Go-Lucky kommt für einen Mike-Leigh-Film ungewohnt leichtfüßig und lockerflockig daher, genau wie seine Hauptfigur, die grelle Vollzeitspaßdüse Poppy, die mich im wahren Leben zu Tode nerven würde mit ihrer ewigen guten Laune.
(Sally Hawkins scheint übrigens nicht unerhebliche Ähnlichkeiten mit ihrer Figur zu haben: wie ihr beim Auftritt vorm Berlinalepalast genau wie Poppy im Film immerzu das Jäckchen von der einen Schulter rutscht, wie sie auf dem roten Teppich rumzappelt und trödelt, obwohl eine Orga-Tante verzweifelt versucht, sie an der Hand weiterzuzerren und in den Berlinale-Palast zu schleusen. Aber es wird weitergetrödelt und mit Journalisten geschwatzt, und dann auch nochmal beim Signieren des Posters rumgealbert und aufwendig gemalt. Macht ja nix, warten ja nur 1600 Leute darauf, daß der Film losgeht.)
Der Film macht Spaß, ohne oberflächlich zu sein. In der Schilderung von Poppys Alltag in Nordlondon (genauer gesagt Finsbury Park, was so in etwa dem Wedding entspricht) scheinen immer wieder ernste Themen und dunklere Seiten auf - genau wie im richtigen Leben: hohe Immigrantenrate ihrer Schulkinder, Familienkonflikte, Einsamkeit, Armut in London. Bemerkenswert ist, daß Mike Leigh anders als so viele - schlechtere - Regisseure den Sozialpädagogen zu Hause läßt: er zeigt, er bewertet nicht. Eine Stellungnahme zum Schicksal der gescheiterten oder hilfebedürftigen Figuren des Films (ein Kind in Poppys Klasse, ihr gestörte Fahrlehrer, ein Obdachloser) findet sich allenfalls in Sally Hawkins' Augen, die in diesen Szenen so voller Mitgefühl sind, daß einem schier das Herz stehenbleibt. Überhaupt ist großartig, wie Sally Hawkins zwischen Überdrehtheit und Ernsthaftigkeit pendelt und beides absolut überzeugt. Wie die Ulknudel gegenüber Menschen, die ihrer Hilfe bedürfen, auf einmal völlig still und zurückgenommen ist, ganz teilnehmend auf das Gegenüber konzentriert: hinreißend.
Dafür hätte sie den Silbernen Bären verdient, aber für den ist die Favoritin wohl die natürlich sowieso großartige Berlinale-Veteranin Tilda Swinton mit ihrer manisch-brachialen Darstellung (nach dem, was man so hört, selber gesehen hab ich's ja nicht...) in Erick Zonkas "Julia".
Überhaupt ist man den Figuren bei Mike Leigh oft so nah - großartige Darsteller allesamt! - , daß man nicht in ihre Gesichter zu blicken meint, sondern direkt in ihre verletzte Seele. Das ist bezeichnend für diesen Film: Offenheit. Offenheit gegenüber den Charakteren, Offenheit des Plots, Offenheit aber auch der Charaktere selber. Genaues, unvoreingenommenes Hinsehen auf das, was ist.
Insgesamt hat Happy-Go-Lucky wohl keine Aussichten auf einen Bären: er widmet sich keinem brisanten weltpolitischen Thema, er spielt nicht in einer unterprivilegierten Region der Welt (was immer man von Nord-London halten mag), er bietet keine große, aufrüttelnde Attitüde. Mike Leigh sagte einmal, er wolle ungewöhnliche Filme über das gewöhnliche Leben machen. Und daß seine Filmen keine Antworten gäben, denn er kenne die Antworten nicht. Genau das zeichnet Happy-Go-Lucky aus - und genau das ist so überaus wohltuend an diesem Film.
PS: Noch schöner hätte ich's gefunden, Poppy trifft nicht noch den supernetten und gutaussehenden Kinderpädagogen. O.k., das ist auch irgendwie realistisch, irgendwann trifft eine 30jährige halt auch mal einen netten Kerl (obwohl - mind. 1,85 großer, gut gebauter Pädagoge mit wunderschönen blitzblauen Augen? Wie wahrscheinlich...) , aber irgendwie schmeckt das doch ein bißchen nach Klischee - so n bißchen Liebesgeschichte muß halt sein, und dann auch gerne positiv verlaufend gegen Ende des Films.
PPS: Ein bißchen vermiest wurde mir der Film beim Verlassen des Berlinalepalastes durch die Bemerkung einer dicklichen Dame in breitestem sächsisch: "Das war doch mal was Schönes!"
Oha. Bin ich etwa doch auf ein Feelgood-Movie reingefallen?
Happy-Go-Lucky kommt für einen Mike-Leigh-Film ungewohnt leichtfüßig und lockerflockig daher, genau wie seine Hauptfigur, die grelle Vollzeitspaßdüse Poppy, die mich im wahren Leben zu Tode nerven würde mit ihrer ewigen guten Laune.
(Sally Hawkins scheint übrigens nicht unerhebliche Ähnlichkeiten mit ihrer Figur zu haben: wie ihr beim Auftritt vorm Berlinalepalast genau wie Poppy im Film immerzu das Jäckchen von der einen Schulter rutscht, wie sie auf dem roten Teppich rumzappelt und trödelt, obwohl eine Orga-Tante verzweifelt versucht, sie an der Hand weiterzuzerren und in den Berlinale-Palast zu schleusen. Aber es wird weitergetrödelt und mit Journalisten geschwatzt, und dann auch nochmal beim Signieren des Posters rumgealbert und aufwendig gemalt. Macht ja nix, warten ja nur 1600 Leute darauf, daß der Film losgeht.)Der Film macht Spaß, ohne oberflächlich zu sein. In der Schilderung von Poppys Alltag in Nordlondon (genauer gesagt Finsbury Park, was so in etwa dem Wedding entspricht) scheinen immer wieder ernste Themen und dunklere Seiten auf - genau wie im richtigen Leben: hohe Immigrantenrate ihrer Schulkinder, Familienkonflikte, Einsamkeit, Armut in London. Bemerkenswert ist, daß Mike Leigh anders als so viele - schlechtere - Regisseure den Sozialpädagogen zu Hause läßt: er zeigt, er bewertet nicht. Eine Stellungnahme zum Schicksal der gescheiterten oder hilfebedürftigen Figuren des Films (ein Kind in Poppys Klasse, ihr gestörte Fahrlehrer, ein Obdachloser) findet sich allenfalls in Sally Hawkins' Augen, die in diesen Szenen so voller Mitgefühl sind, daß einem schier das Herz stehenbleibt. Überhaupt ist großartig, wie Sally Hawkins zwischen Überdrehtheit und Ernsthaftigkeit pendelt und beides absolut überzeugt. Wie die Ulknudel gegenüber Menschen, die ihrer Hilfe bedürfen, auf einmal völlig still und zurückgenommen ist, ganz teilnehmend auf das Gegenüber konzentriert: hinreißend.
Dafür hätte sie den Silbernen Bären verdient, aber für den ist die Favoritin wohl die natürlich sowieso großartige Berlinale-Veteranin Tilda Swinton mit ihrer manisch-brachialen Darstellung (nach dem, was man so hört, selber gesehen hab ich's ja nicht...) in Erick Zonkas "Julia".
Überhaupt ist man den Figuren bei Mike Leigh oft so nah - großartige Darsteller allesamt! - , daß man nicht in ihre Gesichter zu blicken meint, sondern direkt in ihre verletzte Seele. Das ist bezeichnend für diesen Film: Offenheit. Offenheit gegenüber den Charakteren, Offenheit des Plots, Offenheit aber auch der Charaktere selber. Genaues, unvoreingenommenes Hinsehen auf das, was ist.
Insgesamt hat Happy-Go-Lucky wohl keine Aussichten auf einen Bären: er widmet sich keinem brisanten weltpolitischen Thema, er spielt nicht in einer unterprivilegierten Region der Welt (was immer man von Nord-London halten mag), er bietet keine große, aufrüttelnde Attitüde. Mike Leigh sagte einmal, er wolle ungewöhnliche Filme über das gewöhnliche Leben machen. Und daß seine Filmen keine Antworten gäben, denn er kenne die Antworten nicht. Genau das zeichnet Happy-Go-Lucky aus - und genau das ist so überaus wohltuend an diesem Film.
PS: Noch schöner hätte ich's gefunden, Poppy trifft nicht noch den supernetten und gutaussehenden Kinderpädagogen. O.k., das ist auch irgendwie realistisch, irgendwann trifft eine 30jährige halt auch mal einen netten Kerl (obwohl - mind. 1,85 großer, gut gebauter Pädagoge mit wunderschönen blitzblauen Augen? Wie wahrscheinlich...) , aber irgendwie schmeckt das doch ein bißchen nach Klischee - so n bißchen Liebesgeschichte muß halt sein, und dann auch gerne positiv verlaufend gegen Ende des Films.
PPS: Ein bißchen vermiest wurde mir der Film beim Verlassen des Berlinalepalastes durch die Bemerkung einer dicklichen Dame in breitestem sächsisch: "Das war doch mal was Schönes!"
Oha. Bin ich etwa doch auf ein Feelgood-Movie reingefallen?
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