Sonntag, 10. Februar 2008

Transsiberian


Nein, also nein. Das wichtigste zuerst: der Film kommt im April in die deutschen Kinos, und es lohnt sich nicht, ihn anzusehen.
Emily Mortimer, in ihren früheren Rollen immer gut, ist hier großartig und auch Woddy Harrelson ist wie fast immer sehenswert. Auf Ben Kingsley hätte ich verzichten können, der spielt seit 10 Jahren in jedem Film dieselbe Leier, diesmal auf russisch bzw. auf englisch mit russischem Akzent, noch bekloppter. (Schon wieder so ein Film, bei dem Muttersprachler sich verarscht fühlen müssen.)
Ich hatte nicht auf dem Plan, daß "ein großer Star" mitspielt und habe die Aufregung vorm Zoo-Palast daher erst gar nicht kapiert, bis ein Pressemensch mir erklärte, Ben Kingsley würde erwartet. Ich habe ja die natürlich durch Ausnahmen bestätigte Berlinale-Faustregel "Je bekannter der mitspielende Star, desto schlechter der Film", weil der Film dann häufig nur ins Programm aufgenommen wurde, um den Star nach Berlin zu kriegen, also im wahrsten Sinne ein Starvehikel ist. Qualität spielt da nicht unbedingt eine Rolle. (Wunderbarstes Beispiel: "Bordertown", der letztes Jahr doch tatsächlich im Wettbewerb lief, nur damit der höchstversicherte Arsch der Welt über den roten Berlinale-Teppich wackelte.)
"Transsiberian" fängt gar nicht uninteressant an mit klaustrophobischen Aufnahmen in der runtergekommenen Transsiberischen Eisenbahn, in der nichts funktioniert, vor allem nicht das Zugpersonal. (Nach nur 5 Minuten war ich geheilt von der Idee, einmal mit der Transsiberischen Eisenbahn fahren zu wollen, und dafür hat sich der Film wohl dann doch gelohnt.) Auch die Charaktere sind gar nicht so langweilig wie erwartet, das amerikanische Ehepaar, bei dem man sich fragt, wie die beiden zusammengefunden haben.
Nach den ersten 30 Minuten geht es dann allerdings nur noch bergab: sie erschlägt unvermittelt und reichlich grundlos in der siberischen Pampa den zudringlich werdenden Zugkabinenmitbewohner (juristisch heißt sowas wohl Notwehrexzeß), sitzt dann weinend lange in Jeans und kurzem dünnen Daunenjäckchen neben der Leiche (lange, weil die Leiche danach gut schneebedeckt ist), wobei sie bei -23 Grad - die Temperatur wird uns vorher explizit noch mitgeteilt - realistischerweise wohl erfroren wäre. Die letzten 20 Minuten verkommen dann völlig zu einem blutigen, öden und wiederum unplausiblen Überlebenskampf gegen 2 böse Russen. Ärgerlich.
Der Regisseur konnte sich offensichtlich nicht entscheiden, ob er einen Psychothriller oder ein Actionmovie machen wollte - oder er wollte beide Genres mischen. Das wäre allerdings auch gründlich mißglückt.
Am bemerkenswertesten (not in a good way) an dem Kinoabend war, daß Brad Anderson sich nicht bemüßigt fühlte, sein Kaugummi loszuwerden, bevor er das Mikro griff, so daß ca. 1000 Menschen sich sein mikrofonverstärktes Geschmatze anhören mußten. Klang wie etwas aus einem Animationsfilm... ich bin die Fliege im Mund eines Menschen.

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