Mittwoch, 12. März 2008

The Kite Runner


Um mal so anzufangen wie jedes zweite Kinoplakat oder Buchklappentext: ein Buch für alle, die "Das Geisterhaus" oder "Liebe in den Zeiten der Cholera" geliebt haben. Und das ist nicht als Kompliment gemeint. Wie diese beiden verläßt sich der Roman von Khaled Hosseini auf die Faszination eines für die meisten Leser exotischen Settings kombiniert mit einer traurigen Geschichte voller Gewalt in Zeiten brutaler gesellschaftlicher Umbrüche. Den schweren Schicksalen einer solchen Geschichte gebührt zweifellos Mitleid und Anteilnahme, vielleicht sogar Rührung - gute Literatur ist das aber nicht notwendigerweise.

"The Kite Runner" ist ein schlechtes Buch. Schlampig geschrieben und unstrukturiert verläßt es sich allein auf den Tränendrüseneffekt: Gott, was waren, was sind das schreckliche Zustände in Afghanistan! Die armen Menschen! Die Faszination geographisch weit entrückter Greueltaten jagt dem Gutmenschen (nicht unwohlige) Schauer über den Rücken, umso mehr, als man, sich die Tränchen abwischend, deutlich spürt, man sei ein mitfühlender - eben: ein guter Mensch.

Der verratene und mittlerweile tote Jugendfreund litt unter einer Hasenscharte. Herr Hosseini entblödet sich nun nicht nur, eine der Verletzungen des Icherzählers einen Schnitt sein zu lassen, der die Oberlippe bis fast zur Nasenwurzel in der Mitte spaltet - nein, für den Fall, daß eventuell tatsächlich der ein oder andere Leser nach der klinischen Beschreibung durch den Arzt da etwas noch nicht kapiert hat, läßt er das den Icherzähler nochmal ausformulieren.
Also bitte.
Der Roman ist ein weltweiter Bestseller - und jetzt ja auch, logisch, verfilmt. Das wundert nach der Lektüre nicht mehr: Von fremden Ländern und Menschen, pseudoliterarischer Anspruch und was fürs Herz - eine totsichere Erfolgskombi.

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