Donnerstag, 30. Oktober 2008

Lornas Schweigen

Wie der Vorgänger "L'Enfant" ein beinharter Film über Menschenleben als Ware. Die erste Einstellung zeigt, wie Geld abgezählt wird und über einen Bankschalter die Hände wechselt, und das ist dann auch ein immer wiederkehrendes, zentrales Bild. Geld ist bis fast zum Ende des Films das einzige die Personen verbindende Element: es gibt keine zwischenmenschlichen Beziehungen, nur Geld, das den Besitzer wechselt. Lorna hütet, bewahrt und berührt Geld - kaum aber ihre Mitmenschen. Fast ist es, als hätte sie anstelle einer Seele - Geld.
Für die völlige Isolation der Personen findet der Film eine glasklare, zunehmend bedrückende Ästhetik: die Einstellungen sind stets klaustrophobisch dicht an den Personen, fast immer in geschlossenen, engen Räumen, die zusätzlich verengt werden durch optische vertikale oder horizontale teilende Linien: Türrahmen, Fensterrahmen, Änderung der Wandfarbe. Befinden sich einmal zwei Personen gleichzeitig im Bild, werden sie immer durch solche Raster getrennt - überdeutliches Abbild der unüberwindlichen Abgegrenztheit voneinander. Oft verlassen die Personen komplett das Bild - die emotionale Leere wird gänzlich anschaulich; was bleibt, sind die trennenden Linien wie Gitterstäbe.
Ein mitfühlendes, zugewandtes Miteinander gibt es nicht - wird der Abstand z.B. zwischen Lorna und ihrem Scheinehepartner Claudy einmal überwunden, so in einer verzweifelten, krampfähnlichen Verklammerung ineinander, die genauso weit weg ist von menschlicher Nähe und Wärme wie die vorangegangene emotionale Kälte.
Allerdings ist das dann doch die Keimzelle für - im Vergleich - gar nicht so wenig Zugewandheit; wenn Lorna und Claudy das Geld für ein Fahrrad zusammenlegen (zumal bei der aufgeladenen Bedeutung von Geld im Film!) und sie ihm ein Stück lachend hinterherläuft, ist das sehr bewegend.

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