Was ist das nur, dass ich in diesem Zimmer nicht schlafen kann? Achja, genau: die Technodisse. Ich melde mich freiwillig als Versuchsperson zur Bestätigung der These, dass Technobeats tatsächlich die Pulsfrequenz beeinflussen! Mit Herzrasen im Bett liegen ist dem Schlaf nicht wirklich zuträglich.
Die lauwarme Milch mit Kaffeeatomen tut gar nichts zum Aufwecken, also nach dem Frühstück wieder ein bisschen frische Luft schnappen und einen koffeeinhaltigen Kaffee suchen, bevor die nächste Probe ansteht. Spem in alium... es werden ein paar Notfallmaßnahmen ergriffen: die Chöre stehen zunächst alle dicht zusammen unten, außerdem wird der albanische Chor von zwei Streicherinnen unterstützt. Es läuft. Kaum zu glauben - es läuft. Die Solistenchöre müssen ungefähr 17mal anfangen, da der Klang des üblen Keybords eingenordet werden muß. Ich genieße das, gerade der Anfang des Stücks ist so sphärisch-unirdisch wunderschön. Dann ein letztes Mal, diesmal wieder mit auf die Galerien verteilten Chören - und auch das funktioniert. Hallelujah! (Achnee, anderes Stück.) Kaum zu glauben - das Wunder von Novi Sad, das Spem in alium funktioniert! Das erste Mal kann man ahnen, dass es ein schönes Stück Musik sein könnte.
Der Bach flutscht mittlerweile wie eine geölte Nähmaschine, fast schon totgesungen, macht aber immer wieder Spaß, vor allem, wenn das Orchester beim "Gloria" abgeht.
Bei meiner gestrigen Burgerkundung hatte ich mir versprochen, nochmal über die Donaubrücke zu wandern, um in dem nett aussehendem Strand- (naja, eher Wiesen-)Café mit Hausboot direkt an der Donau einen Kaffee zu nehmen. Dort angekommen ist die Sonne aber so ziemlich hinter Wolken verschwunden, außerdem drängt die Zeit ein wenig, so dass ich unzufrieden umkehre zum Hotel: nichts neues von der Stadt gesehen und dann nichtmal das erklärte Ziel erreicht. Dumm gelaufen.
Umziehen und in Konzertklamotten zur letzten Probe. Keine Ahnung mehr, was ich dann in der Zeit zwischen dieser letzten Probe und Konzertbeginn gemacht habe.
Die Synagoge ist gut besucht, und das Konzert gelingt richtig gut. Der Tallis läuft besser denn je, die größte Überraschung wird dann der Schönberg, der zum ersten Mal tatsächlich immerhin manchmal an den richtigen Stellen piano ist. Ich steige trotzdem wie immer aus dem großen Endspurtgeschrei aus - aber tatsächlich ist der Schönberg, obwohl immer noch viel zu massiv und bollerig, noch nie so differenziert gelungen wie heute.
Das einhellige Gefühl nach dem Konzert: super! Bestes Konzert bisher.
Wie schon in Berlin bin ich nach dem Programm total am Ende und kurz vorm Heulen. Diese unterschiedlichen Stücke, die Anspannung beim Tallis, der Frauenchor-Pärt, der mir bei jedem Hören das Herz zerreißt - und dann noch der Gewaltakt Schönberg - ich bin danach einfach ausgelaugt, könnte beidhändig rauchen und will vor allem einfach nur allein sein und mich wieder fangen.
Stattdessen: Feier im Gemeindesaal - die vornehme Zurückhaltung bzw. auch das Aufrauchen im Stehen zeitigt mal wieder den "Den-letzten-beißen-die-Hunde"-Effekt; Stehplätze in einer Ecke, immerhin dicht am Alkohol. Ich nehme mir vor, mich eine Anstandszeitspanne lang zu quälen und dann - endlich mal! - halbwegs zeitig schlafen zu gehen, immerhin ist am nächsten Morgen um 7:00 Uhr Aufbruch zum Bahnhof. Nach Startschwierigkeiten wird es dann doch noch sehr nett und mit einigen der Letzten gehe ich um Mitternacht zurück zum Hotel.
Auf das noch stattfindende Woandershin-Walking in eine Bar verzichte ich zugunsten von Schlaf - so ist es zumindest geplant. Klappt leider wieder nicht, weil zu aufgekratzt an Einschlafen nicht zu denken ist.
Wort des Tages: "Ich hab einen Spem-Filter" (Robert übers "Spem in alium" - könnte allerdings auch an einem anderen Tag gewesen sein)
Sonntag, 19. Oktober 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen