Freitag, 30. Januar 2009

Nunc Stans

Seit einigen Woche bin ich besessen von der Angst, zu vergessen und in Folge davon vom Dokumentieren von Geschehen. Was ist das? Mir ist das völlig fremd, bislang habe ich mich auf mein Elephantengedächtnis verlassen in dem Vertrauen, dass bleibt, was Bedeutung hat. Ist das ein Rückfall in die ungute Starre der letzten Jahre, das krampfige Festhalten, von dem ich mich glücklich befreit hatte? Ich hoffe, es bedeutet im Gegenteil die Überwindung des grauenhaft grauen Nunc Stans und nehme als Indiz, dass ich erstmals seit Jahren nicht nur Vergangenes festhalten will, sondern gleichzeitig mir auch Zukunft vorstellen mag und kann.

Mittwoch, 28. Januar 2009

The Road


Dieses Werk hatte ich schon einmal angefangen, konnte die postapokalyptische Welt und die düstere Stimmung nicht ertragen und habe es weggelegt; jetzt der zweite Anlauf, nachdem ich es mit wärmster Empfehlung zum Geburtstag geschenkt bekam. Was ein Glück! Schon auf der ersten Seite stellt sich ein Kribbeln ein, dieses Gefühl, als würde das Hirn einen Gang höherschalten, weil etwas ganz besonderes und großartiges mit voller Wachheit aufgenommen werden will.
Die Sprache ist der Hammer - und den Vergleich meine ich ernst, sowohl was die fast brutale Kraft angeht als auch das hammerschlagartige Stakkato der unvollständigen Sätze. Die ich sonst nicht mag und auch hier zunächst als störend maniriert empfinde - aber hier sind sie tatsächlich "richtig" - und so schmerzhaft ausdrucksvoll, daß es eine fast physische Reaktion auslöst. Wie macht McCarthy das nur, die Sprache ist eigentlich eiskalt und völlig distanziert, gar nicht auf Empathie aus - aber was für eine emotionale Wucht sie entwickelt! Etwas so aufregendes habe ich lange nicht gelesen.

Dienstag, 27. Januar 2009

So finster die Nacht


Ein Kindervampirfilm ("Ich bin 12 Jahre alt - aber das schon sehr lange") über die erste Liebe (zumindest für den Jungen, der erst seit 8 Monaten 12 Jahre alt ist) und was es heißt, Außenseiter zu sein in wundervoll komponierten, elegischen Bildern in ausgewaschenen Farben. Das Hinsehen ist eine Wonne, so schöne und eigenwillige Bilder (allein der Einsatz von Unschärfe!) habe ich lange nicht auf der Leinwand gesehen. Der Plot ist leider etwas dünn und z.T. unplausibel, und mit soviel Splatter hatte ich auch nicht gerechnet, zumal der reichlich unoriginell daherkommt und irgendwie überflüssig erscheint. Vielleicht dem Genre geschuldet, wer weiß, oder der die Lust des Regisseurs am Kontrast, Kontrast zu der vom Vampireffekt abgesehen eher leisen Geschichte.

Mittwoch, 21. Januar 2009

The Patron Saint of Liars



Dieser Roman von 1992 ist seit längerem das erste Buch, das mich packt, weil Geschichte und Erzählstimme von Rose direkt ins Herz gehen. Einem mißverstandenen Zeichen Gottes folgend - oder eher der typisch jungmädchenhaften übergroßen Sehnsucht nach der Liebe - heiratet sie, wird schwanger, verläßt ihren nicht geliebten Mann und sehr geliebte Mutter, um das Kind in einem von Nonnen geführten Heim für ledige Mütter auszutragen, zu gebären und dann sofort zur Adoption freizugeben. Dann aber entscheidet sich doch alles ganz anders; sie behält ihr Kind, bleibt als Köchin, heiratet erneut, erneut ohne Liebe - und trennt sich doch, emotional, sofort von ihrer Tochter. Die Icherzählung der Rose ist wunderbar getragen; die mythisch überhöhte, ernste Stimmung wird unterfüttert durch eine heilende Quelle und eine klarsichtige Nonne mit Stigmata an den Händen. Leider wechselt nach einem Drittel die Erzählstimmte zu Roses neuem Mann und für das letzte Drittel zu ihrer Tochter, und beide sind sehr viel weniger stimmig, gelungen und anrührend. Überhaupt bleibt das Gefühl zurück, daß der Roman seinen Versprechen des ersten Drittels nicht gerecht wird: der (innere) Plot verliert zu sehr an Dichte, die späteren Icherzähler sind wenig überzeugend und auch die angerissenen Themen werden nicht vertieft. Oder habe ich nur an Konzentration verloren?

Donnerstag, 1. Januar 2009

2009 aus zweiter Hand

Auf einer Weihnachtskarte wünschte mir eine liebe Freundin, daß 2009 so weitergehen möge, wie 2008 endete - vor nur 10 Tagen schien das ein wunderbarer Wunsch, jetzt sage ich "bitte bitte, nur das nicht!" Ich bin völlig einer Meinung mit Lucy von den Peanuts: "I think we've been stuck with a used year!" - es fühlt sich genau an wie in Dinner for One: the same procedure as last year, inklusive desselben Traumas.