Mittwoch, 21. Januar 2009

The Patron Saint of Liars



Dieser Roman von 1992 ist seit längerem das erste Buch, das mich packt, weil Geschichte und Erzählstimme von Rose direkt ins Herz gehen. Einem mißverstandenen Zeichen Gottes folgend - oder eher der typisch jungmädchenhaften übergroßen Sehnsucht nach der Liebe - heiratet sie, wird schwanger, verläßt ihren nicht geliebten Mann und sehr geliebte Mutter, um das Kind in einem von Nonnen geführten Heim für ledige Mütter auszutragen, zu gebären und dann sofort zur Adoption freizugeben. Dann aber entscheidet sich doch alles ganz anders; sie behält ihr Kind, bleibt als Köchin, heiratet erneut, erneut ohne Liebe - und trennt sich doch, emotional, sofort von ihrer Tochter. Die Icherzählung der Rose ist wunderbar getragen; die mythisch überhöhte, ernste Stimmung wird unterfüttert durch eine heilende Quelle und eine klarsichtige Nonne mit Stigmata an den Händen. Leider wechselt nach einem Drittel die Erzählstimmte zu Roses neuem Mann und für das letzte Drittel zu ihrer Tochter, und beide sind sehr viel weniger stimmig, gelungen und anrührend. Überhaupt bleibt das Gefühl zurück, daß der Roman seinen Versprechen des ersten Drittels nicht gerecht wird: der (innere) Plot verliert zu sehr an Dichte, die späteren Icherzähler sind wenig überzeugend und auch die angerissenen Themen werden nicht vertieft. Oder habe ich nur an Konzentration verloren?

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