Freitag, 27. Februar 2009
Vom Eise befreit...
Heute morgen das erste Mal seit letztem Oktober mit dem Fahrrad zur Arbeit; ein Hauch von Frühling in der Luft, trügerisch natürlich, in Berlin kann der Winter noch einen guten Monat festkleben, aber trotzdem: es ist schon hell, Temperaturen im Plusbereich, Vogelzwitschern, kein Regen, fast ein paar Sonnenstrahlen und der letzte Kilometer durch den Tiergarten - Frühlings Erwachen.
Dienstag, 17. Februar 2009
The Exploding Girl

Dieser Film aus dem Forum ist mein Liebling der paar diesjährigen Berlinale-Filme. Die Geschichte (plot könnte man es erst recht nicht nennen) kaum der Rede wert: College-Mädel fährt in den Semsterferien heim zu Muttern in New York, telephoniert mit boy friend (bzw. eben nicht, weil der nicht erreichbar ist), der trennt sich dann per Telephon, gleichzeitig wirbt der alte Schulfreund verhalten um ihre Gunst. Why this movie, könnte man denken, aber: was ein wunder-, wunderschöner Film! Schon das Anfangsbild, wie auf der Autoscheibe gespiegelt das Laub grün dahinflirrt und dahinter das schlafende Gesicht des Mädchens mal deutlicher, mal fast gar nicht mehr zu sehen ist!
Die Bilder sind stringent durchkomponiert, meist strukturiert bzw. verengt durch vertikale Linien: Wände, Türrahmen, auf den Straßen laufen die Figuren oft zwischen Baumstämmen. Und diese Szene auf dem Hausdach! Wie die Tauben über den durchscheinenden Himmel fliegen, wie die Kamera auf einmal die Perspektive wechselt und wir auf der anderen Seite des Paares sind!
Die Stimmung ist romantisch-schwebend, fast lyrisch, trotz der fast dokumentarisch wirkenden Handkamera, die den Figuren stets mit Abstand folgt und oft dem Straßenverkehr erlaubt, sich zwischen sie und die Hauptfiguren zu schieben, und die letzte Szene - der Kreis schließt sich, es ist die Autofahrt zurück zum College - in der sich langsam langsam die Hände der beiden scheinbar Schlafenden fassen und verschränken, ist nach dem ruhigen intensiven Film herzrührend.
Freitag, 13. Februar 2009
Beeswax

Auch am Montag gesehen, in 45 Minuten vom Potsdamer Platz ins schon überfüllte Delphi-Foyer, wo auf Einlaß gewartet wird für diesen kleinen feinen amerikanischen Independent-Film über ein Zwillingsschwesternpaar in Austin. Genau was ich erwartet oder erhofft hatte, und nach "Alle anderen" Balsam für die Seele: ein schönes quirky setting in einem Vintage-Klamotten- und anderes-Laden, wunderbar echte und dennoch sympathisch verschrobene Figuren - und zwei überaus charismatische Laiendarstellerinnen in den Hauptrollen, die geradezu strahlen und zumindest mich völlig mitnehmen in ihr Filmleben. Man hat ein bißchen das Gefühl, netten Menschen bei ihrem normalen Leben zuzusehen, ohne das es das quälend langsame oder pomadige der so hoch gelobten, von mir aber als unerträglich empfundenen Berliner Schule hätte.
Der Regisseur wirkt beim anschließenden Gespräch wie ein total netter Kerl, der die Lampen an hat und mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde. Er sagt dann das, was ich schon länger wabernd dachte, aber nie so hätte auf den Punkt bringen können: er suche bei Filmen immer das Gefühl, dem Geschehen oder den Figuren ein bisschen hinterher zu sein: das sei das Größte, was ein Film erreichen könne, weil "wie im wahren Leben", wo man auch nicht immer genau weiß, was was bedeutet und wie es wohl weitergeht. Genau das hat er erreicht: man lebt mit, manchmal nicht ganz genau wissend, was warum passiert und wo man ist - und dann immer wieder bei Großaufnahmen der ausdrucksvollen Frauengesichter, bei denen man als Zuschauer quasi in ihre Augen blickt, ist man ganz bei den Figuren, ganz im Filmmoment.
Wunderbar.
Mittwoch, 11. Februar 2009
Alle anderen

Nur 15 Stunden später sitze ich am Montag wieder im Berlinale-Palast bei der Premiere des zweiten deutschen Wettbewerbsbeitrags. Der erste Film von Maren Ade war eine beklemmende Lektion in Fremdscham; dieser Film über ein Paar, dessen Beziehungsgefüge katalysiert durch die Begegnung mit einem sehr anderen Paar in Schieflage gerät, ist ebenfalls sehr eindringlich, zumal "too close to home for comfort". Mich nimmt der Film schwer mit - kommen alle Beziehungen unweigerlich an diesen Punkt des Ungleichgewichts, der Machtspiele, der Rollenzuweisung und Fremddefinition der eigenen Identität, der Selbstentfremdung? Sicher spielt meine Übermüdung eine Rolle dafür, wie hart der Film mich trifft, aber es dürfte auch auf seine Qualität zurückzuführen sein, darauf, wie echt die Charaktere wirken, wie genau beobachtet dieser elende slippery slope dargestellt ist.
Hinterher frage ich mich, was genau die Relevanz eines derart aufs rein Privat-Persönliche beschränkten Filmes ist - ist das nicht reine Nabelschau, l'art pour l'art? Oder nicht, weil die Gesellschaft nunmal aus Individuen (bzw. Paaren...) besteht? Komisch, dieser Gedanke - so untypisch für mich, die ich finde, das Überpersönliche spiegelt sich im Individuellen.
Vielleicht nur der Kontrast zu "Storm" mit seinem weiteren Thema?
Dienstag, 10. Februar 2009
Rage

Dies war der Film, den ich unbedingt sehen wollte, weil ich "Yes" von Sally Potter - vor 3 Jahren auf der Berlinale im Panorama gesehen - so wunderbar fand, und so nahm ich billigend in Kauf, an einem Sonntag abend - vielmehr: Montag morgen! - erst um 1:00 Uhr ins Bett zu kommen, weil die Wettbewerbspremiere nunmal Sonntag abend um 22:30 Uhr war. Das brutale Schlafdefizit hat sich nicht gelohnt. Interessant ist die Idee des Erzählers - ein wiederkehrendes Element in Sally Potters Filmen. Hier ist er nicht zu sehen oder zu hören, und doch gäbe es ohne ihn keinen Film, er ist Auslöser des Erzählens der Figuren vor monochromen Hintergrund, aus denen sich die Geschichte formt. Sicher der formal experimentellste Film des Wettbewerbs - aber es reicht nicht für eineinhalb Stunden. Vielleicht hat Sally Potter zu sehr vernachlässigt, dass Film doch letztlich ein optisches Medium ist - ich hatte irgendwann keine Lust mehr, hinzusehen, außer bei Judi Dench. Es lag wohl nicht nur an meiner Müdigkeit, auch andere fanden den Film zu lang und letztlich zu inhaltslos.
Montag, 9. Februar 2009
Storm

Jawoll, so ist es dann auch: der neue Film von Hans-Christian Schmid im Wettbewerb am Samstag abend ist richtig gut. Seine wie immer nüchterne und klare und trotzdem schöne Bildersprache gewinnt immer mehr an Eindringlichkeit, je länger der Film dauert: die Gänge, durch die die Personen immerzu laufen und die mit Karten auf- oder zugeschlossen werden wirken immer beengender, immer mehr wie ein Gefängnis, insgesamt alles immer intensiver. Die Hauptdarstellerinnen sind großartig, ebenso die Nebendarsteller allesamt, und die Geschichte über einen Prozeß vor dem Gerichtshof in Den Haag ist nah an der Verfahrensrealität, überzeugend, klug und trotzdem sehr berührend.
Sonntag, 8. Februar 2009
Human Zoo

Mein erster Film der diesjährigen Berlinale am Samstag nachmittag; eine Wiederholung des Panorama-Eröffnungsfilms. Und: gequirlte Scheiße. Wirklich der schlechtes Film seit gefühlt mindestens einem Jahr. Er will Rock'n Roll sein, wild und aufregend - und ist dabei nur klischeehaft und platt. Eine hundertmal gesehene abgedroschene Einstellung jagt die nächste (Liebespaar im Gegenlicht vor Fenster mit - ja wirklich, mit! - leise wehenden Gardinen, um Finger kreisende Pistolen etc. Auch extreme Froschperspektive und schräge Bildausschnitte bleiben nicht 2 schier endlose Stunden lang interessant. Die Schnitte bzw. Überblenden vom Jetzt (Marseille, sepiafarben) zur Vergangenheit (Balkankrieg, Kosovo, blaugrau) sind schlecht, die Dialoge sind zum Davonlaufen, entweder unerträglich kindisch-kitschig oder wie abgelesene Vorträge zum Thema Assimilation oder Sozialdarwinismus - grauenvoll. Das kommt sogar die wunderbare Hiam Abbass scheiße rüber. Der Film wird dem Thema des Balkankrieges und Integration von Einwanderern sowas von nicht gerecht - zuviel "Lady Vengeance", zuviel sinnleere Effekthascherei, zu wenig Gedanken oder von mir aus auch Gefühl - und zuviel Möchtegern-Luc-Besson, der in meiner Achtung gestiegen ist, denn er hat den Film produziert, sich aber dann von ihm distanziert.
Mein Trost: die Qualität der Berlinale-Filme kann nur besser werden!
Mein Trost: die Qualität der Berlinale-Filme kann nur besser werden!
Donnerstag, 5. Februar 2009
Immer wieder februars
kommt die Berlinale. Diesmal von vornherein gebremster Schaum: gerade investiere ich soviel Zeit in anderes, jetzt auch noch Kinostreß? Ochnö.
Dennoch: die ersten Karten sind erstanden, für Freitag hat nichts geklappt - voller Servereinbruch am ersten online-Vorverkaufstag, also alles wie immer. Sa und So jeweils zwei Filme und erstaunlicherweise jeweils einen Premiere, dabei hab ich groß getönt "Wettbewerb, warum sollte ich Wettbewerb gucken?!"
Diesmal überhaupt meine Filmauswahl völlig kursorisch, nach mir selbst völlig unklaren Kriterien. Höchstens: alles Filme über Frauen, das könnte ein - zufälliger - gemeinsamer Nenner sein. Zufall? Ich hab dieses Jahr jedenfalls keinerlei Schwerpunkt gesetzt, anders als sonst, als ich überwiegend Panorama oder Generation 14plus (auch finanziell günstig, der Geheimtip ist es dieses Jahr aber auch nicht mehr, die Karten ebenso schnell weg wie fürs Panorama) geguckt habe oder vor allem englischsprachige Filme oder deutsche Filme oder Filme aus Osteuropa oder Ostasien - nix dergleichen dieses Jahr. Mal sehen, was dabei für eine Mischung rauskommt... und was für Qualitäten.
Die Kassenschlangen mittags bis gestern erstaunlich kurz, dafür heute umso länger - wie viele Leute haben noch nicht kapiert, dass der Kartenverkauf vor dem Eröffnungstag anfängt? Oder liegt es daran, dass heute die Karten für Samstag dran sind? Jedenfalls kommen mit den langen Schlangen die ersten Fernsehteams, auch lustig, als wäre das in irgendeinem Wortsinn eine Neuigkeit, das mit den Schlangen.
Die ersten Kartenpannen sind mir auch schon passiert; einen Film nicht gekriegt, einen anderen verpeilt, dafür schon für den letzten Sonntag eine Karte für einen Film, den ich eigentlich Montag abend hätte sehen wollen und können... also auch da alles wie immer. Ist doch schön, wenn es Konstanten im Leben gibt!
Dennoch: die ersten Karten sind erstanden, für Freitag hat nichts geklappt - voller Servereinbruch am ersten online-Vorverkaufstag, also alles wie immer. Sa und So jeweils zwei Filme und erstaunlicherweise jeweils einen Premiere, dabei hab ich groß getönt "Wettbewerb, warum sollte ich Wettbewerb gucken?!"
Diesmal überhaupt meine Filmauswahl völlig kursorisch, nach mir selbst völlig unklaren Kriterien. Höchstens: alles Filme über Frauen, das könnte ein - zufälliger - gemeinsamer Nenner sein. Zufall? Ich hab dieses Jahr jedenfalls keinerlei Schwerpunkt gesetzt, anders als sonst, als ich überwiegend Panorama oder Generation 14plus (auch finanziell günstig, der Geheimtip ist es dieses Jahr aber auch nicht mehr, die Karten ebenso schnell weg wie fürs Panorama) geguckt habe oder vor allem englischsprachige Filme oder deutsche Filme oder Filme aus Osteuropa oder Ostasien - nix dergleichen dieses Jahr. Mal sehen, was dabei für eine Mischung rauskommt... und was für Qualitäten.
Die Kassenschlangen mittags bis gestern erstaunlich kurz, dafür heute umso länger - wie viele Leute haben noch nicht kapiert, dass der Kartenverkauf vor dem Eröffnungstag anfängt? Oder liegt es daran, dass heute die Karten für Samstag dran sind? Jedenfalls kommen mit den langen Schlangen die ersten Fernsehteams, auch lustig, als wäre das in irgendeinem Wortsinn eine Neuigkeit, das mit den Schlangen.
Die ersten Kartenpannen sind mir auch schon passiert; einen Film nicht gekriegt, einen anderen verpeilt, dafür schon für den letzten Sonntag eine Karte für einen Film, den ich eigentlich Montag abend hätte sehen wollen und können... also auch da alles wie immer. Ist doch schön, wenn es Konstanten im Leben gibt!
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