Dienstag, 31. August 2010

Let the great world spin

von Colum McCann war ein Überraschungsfund - ich wußte gar nichts von seinem neuesten Werk. Der Titel nun ist ja sehr vielversprechend, und die ersten Seiten sind mindboggling. Mir blieb die Luft weg. Richtig geil gemacht, und so ne super Idee: Anfang der 70er Jahre läuft Philippe Petit zwischen den Türmen des World Trade Centers auf einem Seil; geschildert wird diese Szene aus der Sicht der Untenstehenden (Umstehende sind es in dem Fall ja nicht wirklich). Ganz großes Kino, diese Szene und großartig geschrieben.
Danach wird es dann irgendwie beliebig. Liegt es an mir oder ist der Episodenroman, bei dem sich die Episoden dann immer dichter verschränken und aus unterschiedlichen Ich-Erzähler/innen-Perspektive erzählt werden, einfach ausgereizt? Mir kommt es immer wie (meist billige) Effekthascherei vor. Zumal mir das Thema, der Kern, nicht klar wird. Will mir der Roman um einen Fast-Heiligen, seinen Bruder und Nutten in der Bronx und einem Richterehepaar, dessen Sohn im Vietnamkrieg umgekommen ist, mitteilen, dass Geschichte vor allem aus individuellen, vergessenen Geschichten besteht? Das wäre wirklich zu banal für einen Roman, der mit soviel Wums und Inhaltsanspruch daherkommt. Was dann aber die Essenz sein soll, um die soviel Wind gemacht wird, entzieht sich mir. Aber das liegt vermutlich an mir - die Kritik ist voll des Lobes.

Keine Kommentare: