Dienstag, 23. Dezember 2008

Surreale S-Bahn

Am Südkreuz formerly known as Papestraße steige ich in eine am Bahnsteig als "S 41 nach Gesundbrunnen über Westkreuz" ausgewiesene S-Bahn (bin dort immer leicht desorientiert, die Richtung scheint mir aber hinzuhauen). In der S-Bahn sagt die Lauftextanzeige "S 42 Richtung Hermannstraße, nächster Halt Tempelhof", die Stimme vom Band meint dasselbe. Mist, denke ich und mache mich bereit, an der nächsten Station (=Tempelhof) wieder auszusteigen, gucke zufällig auf das Schild auf dem Bahnsteig, und das sagt: Schöneberg. Da ist ja eigentlich klar, was Sache ist bzw. daß die Anzeige und -Sage in der S-Bahn falsch gepolt ist. Trotzdem bleibt es 15 Minuten lang an jedem S-Bahnhof für mich leicht unwägbar, wo ich nun wirklich bin - ich traue den Schildern auf den Bahnhöfen nicht dringend mehr als der in der S-Bahn laufenden Anzeige, meinen eigenen Sinnen nicht mehr als dem geschriebenen Wort, meiner eigenen Erkenntnis nicht unbedingt mehr als der vermittelten Wirklichkeit. Das Ganze ergibt ein 15 Minuten anhaltendes surreales Gefühl von Vertigo - entschieden kafkaesk.

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