Mittwoch, 19. Dezember 2007

3:10 to Yuma

Wer kann mir bitte erklären, warum beim Showdown der Schurke mit dem ihn bewachenden Farmer zum Zug rennt, der ihn ins Gefängnis und zum sicheren Todesurteil bringen wird, obwohl 7 seiner Leute rundherum alles zu Klump schießen, um ihn zu befreien? Zwei, drei Schritte in die andere Richtunge - achwas: einfach stehenbleiben! - und er wäre frei. Was bitte soll das? Und wer kann mir erklären, warum besagter aufrechter Farmer mit seinem Holzbein, das ihn zu Beginn des Filmes deutlich humpeln läßt, auf einmal rennen kann wie ein junges Reh? Gut, der Farmer hat ein Gewehr, das ist aber nicht die ganze Zeit auf den Schurken gerichtet, denn damit muß er ja die wild ballernden 7 irgendwie im Schach halten. Also kein schlagendes Argument, sollte man meinen, zumal für jemanden, der trotz Handschellen und permanenter Überwachung durch 5 Leute es geschafft hat, davon 2 umzubringen. Wer soll das glauben, daß der sich brav wie ein Lamm zur Schlachtbank zum Zug führen läßt?

Dienstag, 18. Dezember 2007

Plätzchenblog

Auch diesen Advent bin ich wieder dem Backwahn verfallen und habe gefühlte 20 Sorten Plätzchen fabriziert. Diesmal war ich sehr experimentierfreudig, habe auf die Klassiker (Vanillekipferl, Zimtsterne, Lebkuchen) verzichtet und mal Neues ausprobiert: Pistazientaler, Linzer Plätzchen, Dinkelbutterplätzchen und doppelte nach dem Rezept einer Mutter einer Freundin. Dafür habe ich mir sogar eine spezielle Ausstechform für 3,90 Euro zugelegt. Also nochmal richtig in Hardware investiert.
Gelernt habe ich: es kommt nicht nur auf den Geschmack an, die fertigen Plätzchen müssen schon auch schön aussehen. Das tun die Experimente eher weniger. Man merke: Teig von Linzer Torte läuft beim Backen ziemlich auseinander. Merkt man bei der Torte nicht so, weil sie in einer Form gebacken wird. Macht man aber Plätzchen aus dem Teig (wieder mit dem ja schon so heißenden "Linzer Ausstecher" - das bedeutet pro Plätzchen 2 Plätzchen ausstechen und diese mit Marmelade zusammensetzen, also 3 Arbeitsschritte pro Plätzchen!), sehen sie auf dem Blech wunderschön und perfekt aus und erfüllten mich mit großem Plätzchenbäckerinnenstolz - aber nur, solange sie nicht gebacken sind. Gebacken sehen sie dann aus wie die eine merkwürdige Bärenart im Frankfurter Zoo, nämlich als kämen sie von einem Planeten mit sehr viel geringerer Schwerkraft. (Wer sagt mir eigentlich, daß in meinem sowieso gänzlich unberechenbaren Gasofen dieselbe Schwerkraft herrscht wie im Rest des Universums?)
Die Pistazientaler sehen nicht berühmt aus, sind aber geschmacklich hinreichend befriedigend. Experiment also halbwegs gelungen. Falls die jemand auch mal machen will: dünn ausrollen! Wirklich!
Jedenfalls: nächstes Jahr werden wieder nur die Klassiker gebacken bzw. ausschließlich Sorten, die aus eigener Eßerfahrung quality approved sind. Da weiß man, was man hat. Guten Abend.

Montag, 17. Dezember 2007

Weihnachtsbaumverkauf

Der Weihnachtsbaumverkauf rund um das Charlottenburger Schloß ist in türkischer Hand, egal, bei welchem Stand ich mich am Samstag umschaute, überall verkaufen Türken (schuldigung: türkisch(stämmig)e Mitbürger) einem die Christbäume. Irgendwie verkehrte Welt. Kommt mir ein bißchen vor wie ein vegetarischer Metzger.
Wäre das nicht überhaupt ein super Angriffsziel für "Terroranschläge mutmaßlicher Islamisten": Christbaumverkaufsstellen und Weihnachtsmärkte? Ach, was red ich: die Kirchen am 24.12. abends! Warum da noch keiner drauf gekommen ist?
Oder ist da schon jemand drauf gekommen? Wir werden es merken. In einer Woche.

Dienstag, 13. November 2007

Armlehnen

Immer dasselbe: sitzt man neben einer Frau (im ICE, im Kino, im Theater, egal wo), bleibt die geteilte Armlehne in aller Regel frei, es sei denn (vor allem im Zug) die früher Dagewesene ist so herrisch, ihr älteres Recht auf das Territorium auszuspielen, was i.d.R. stillschweigend anerkannt wird, so daß diejenige, die zuerst alleine saß, die Armlehne weiter für sich beanspruchen kann.
Ganz anders, wenn ich neben einem Mann sitze! Auch dann, wenn ich schon Stunden alleine dasaß und ganz klar die älteren Rechte habe und dann ein Mann z.B. zusteigt, sagen wir mal: in Wolfsburg, wenn man von Frankfurt am Main nach Berlin fährt. Dann ist man nicht nur die Armlehne sofort los, sondern sie wird nicht mal als neutrales Territorium anerkannt und von beiden freigehalten. Wenn man neben einem Mann sitzt, beansprucht der sofort - und völlig selbstverständlich - alle verfügbaren Armlehnen für sich. Was ist das nur!?
Mein Experiment, die gemeinsame Armlehne sehr deutlich und selbstsicher für mich zu beanspruchen und meinen Arm breit und bräsig auf der Lehne zu belassen endet regelmäßig mit zu großem Kuschelfaktor. Und immer bin ich diejenige, die die Nerven verliert und die unerwünschte Tuchfühlung beendet, indem ich die Armlehne aufgebe. Neulich wurde mein Ellbogen sogar rüde vom zugestiegenen Arm von der Armlehne geschubst. Meine Beschwerde stieß auf total taube Ohren: nein, gar nicht, er hätte meinen Ellbogen gar nicht runtergeschubst.
Wer kann mir dieses Phänomen erklären? Letzteres Beispiel scheint mir dafür zu sprechen, dass Männer einfach nix merken. Eben auch nicht, wenn sie Kontakt zu einem Fremdarm haben und diesen weg- und runterschieben.
Bei den Konstellationen Frau-Frau und Mann-Frau ist die Armlehnenlage empirisch und abschließend geklärt. Was mich aber brennend interessiert: wie wird die Armlehne verteilt, wenn zwei Männer nebeneinander sitzen??
Ich bitte dringend um erhellende Kommentare!

Freitag, 9. November 2007

Wide Open


Nachdem ich "Clear" von Nicola Barker so großartig fand, habe ich ihren Roman von 1998 mit großen Erwartungen gelesen. Und wieder war ich am Anfang abgestoßen - diesmal nicht vom Stil, der nicht so aufdringlich "kinky" ist und auf den ersten Blick vergleichsweise bieder, sondern von den Figuren und der - durch einen Bezug auf Becketts Stück gleich angekündigten - Handlung: Mann gabelt einen durchgeknallten Obdachlosen auf, sie nennen sich bald so wie der jeweils andere und es ist absehbar, daß das Leben des - scheinbar - normalen Mannes ursurpiert werden wird vom anderen. Vor meinem inneren Auge lief der Rollentausch ab, wie der normal wirkende Mensch mit Arbeit und Wohnstatt zum durchgeknallten Obdachlosen wird und dieser wiederum Job und Wohnstatt übernimmt. Schwer zu ertragen.
Ganz so ist es dann nicht.
Nicola Barker verwebt wieder verschiedenste Charaktere, Ideenstränge und Geschichten eng und enger miteinander; das ist ganz klar konstruiert, wirkt auch konstruiert - aber nicht aufgesetzt. Wieder das Phänomen: bei ihr funktioniert, was bei anderen gewollt und gezwungen wirkt. Wieder absolut originelle - und so treffende! - Sprachbilder ("A whole herd of feelings trampled across his face"), wieder eine extrem seltsame Personnage (der Mann ohne große Zehen), wieder extrem seltsame Ideen (ein merkwürdiges Monsterwesen in einem Karton, der nie geöffnet wird) und komplexe Verknüpfungen. Überhaupt wieder eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit.
Und erneut - wenn auch aus ganz anderen Gründen - ein mich erstmal abstoßendes Buch, das mehr und mehr gewinnt. Es hätte es verdient gehabt, schneller und intensiver gelesen zu werden - nicht auf 14 Tage verteilt in U-Bahn-Fahrten- und Mittagspausen-Häppchen.
In "Clear" geht es auf allen Ebenen um Transparenz, hier um Offenheit - eng verwandte Themen, die dieselbe Stoßrichtung haben. Wenn bei Barkers neuestem Roman "Darkmans" der Titel ebenfalls derart programmatisch ist, wird das ein deutlicher Themenwechsel.

Donnerstag, 8. November 2007

Auf der anderen Seite

Hmpf. Nicht meine Tasse Tee. Hanna Schygulla wie immer unerträglich pomadig. Die Erzählstruktur fand ich unnötig verschachtelt und insgesamt alles reichlich konstruiert - vermutlich, weil mich alle und alles reichlich kaltließ. Professor für Germanistik kauft spontan Buchladen in Istanbul? Es rennen immer alle Figuren haarscharf aneinander vorbei? Naja... Am besten gefiel mir noch das erste Kapitel und die Figur der toughen, völlig selbständigen und unabhängigen Yeter.

Odette Toulemonde

Es ist mir unendlich peinlich, überhaupt in diesem Film gewesen zu sein; es war ein grauer, trister und regnerischer Herbstsonntag, und mir war nach einem Film wie ein Schaumbad. Stattdessen: gequirlte Scheiße. Ich mußte den Brechreiz unterdrücken. Der abgrundtief mieseste Film seit.... Teen Wolf? Mehr Worte und Gedanken will ich nicht an ihn verschwenden. Schrecklich, einfach schrecklich. Der ganze Film eine einzige Beleidigung.
Schade, daß im Filmpalast Berlin immer nur Mist läuft - ein wunderschönes Kino; fast war der Film es wert, endlich mal in diesem Kino gewesen zu sein.

Freitag, 2. November 2007

Glass Books of the Dream Eaters

von Gordon W. Dahlquist - ich hatte mir einen spannenden Schmöker versprochen, einen Schinken zum Wegschlabbern an einem faulen Herbstwochenende, mal wieder Urlaub fürs Hirn und von der Realität. Diese Hoffnung schien nicht übertrieben, da u.a. der Guardian schrieb "it is a page-turner" -überhaupt ist das Buch ziemlich gehypt als sonstwie originell und ehrgeizig und spannend usw. usf.
Alles Lüge. Es ist stinkend langweilig und uninterressant. Die Charaktere sind nicht nur platt und eindimensional, sondern werden dadurch auch noch unnötig völlig unplausibel gemacht (nichts gegen eindimensionale Charaktere, heldenhafte Helden und liebende Liebende, wenn sie überzeugend und knackig sind), daß ihnen nach ca. 500 (von 880!) Seiten plötzlich an den Haaren herbeigezogene Skrupel/Gefühle/Motive zugeschrieben werden. Da kann man auch gleich in das Buch reinschreiben: "dies ist ein ehrgeiziger Roman und die Figuren sind komplex und tiefgründig!"
Die Handlung besteht daraus, daß die 3 Helden zusammen oder jeder für sich von A nach B gelangen müssen, dabei ständig dem Tod entrinnen und ihrerseits in Notwehr diverse Leute umbringen. Und wie lange sie immer dazu brauchen! Hundert Seiten für eine Zugfahrt! "This book is all about transportation!" Und alles scheint in Zeitlupe vor sich zu gehen, soll aber eigentlich action-packed daherkommen. Und dann auch noch so unanschaulich schlecht beschrieben, daß die Räume/Häuser/Züge/Städte oder einfach die "Abläufe" einfach nicht plastisch werden wollen - ich kann mir die Örtlichkeiten nie richitig vorstellen und bin häufig verwirrt, wie sie jetzt auf einmal in den nächsten Raum gelangt sind. Schlecht! Wie konnten so viele Kritiker dem Autor seine Prätension abkaufen: spannender, dabei aber komplexer und richtig phantasievoller Rundumschlag? Die haben das Buch, so meine Vermutung, alle nach ca. 100 Seiten weggelegt - und wissen nicht, daß auf den nächsten 780 Seiten nichts, aber auch gar nichts anderes mehr passiert!
So richtig angefangen zu hassen habe ich es dann wegen kleiner, nerviger Schlampigkeiten: es spielen (mal wieder) Deutsche eine Rolle, und die kommen aus "Macklenburg" und heißen z.B. "Flaüss". Hallo?? Kann man das nicht anständig lektorieren und wenigstens mal in Wikipedia nachgucken, wie diese Gegend wirklich heißt? Und wo im Deutschen diese lustigen Pünktchen auf Vokalen gesetzt zu werden pflegen?
Es hängt mir auch zum Hals raus, daß auf jeder Seite (mindestens!) einmal irgendjemand "scoffed". Gibt's keine anderen Vokabeln? Schonmal was von Synonymenlexika gehört? Und wozu diese künstlichen Cliffhanger - kaum ein Abschnitt ist länger als 2,5 Seiten, Szenen werden willkürlich unterbochen, nur um Spannung vorzutäuschen - ätzend! Schlecht, so schlecht!
Das alles ist geschrieben wie darauf geschielt, die Rechte für eine Verfilmung möglichst teuer zu verkaufen - aber ich möchte bitte bitte nie die Verfilmung dieses Machwerks erleben müssen.

Freitag, 26. Oktober 2007

Stardust

Ein großer Spaß! Totaler Schwachsinn - und ein großer Spaß! Man darf keinesfalls über Handlung oder Kohärenz nachdenken. Warum trägt das Kutschpferd auf einmal einen Sattel? Warum lassen ihre ersten beiden Zauberein die böse Hexe sichtlich altern, die nächsten aber erstmal nicht? Warum ist das Einhorn so magisch, daß es die Zauberfessel einfach so, schwupps, auflösen kann, dann jedoch stumpf die Sternenfrau direkt zur bösen Hexe trägt, um danach aber wiederum den Held vor dem vergifteten Weinkelch zu retten? Man sieht schon, alles, was ein Märchen braucht, ist vorhanden, böse Hexe, Held, Sagengestalten - und ein Stern, der zur Erde gefallen sich als nettes Mädel entpuppt. Ganz hübsche Idee eigentlich. Zum ganz großen Spaß wird der Film aber durch u.a. Robert De Niro als hochkultivierte Tucke, die vor der Mannschaft den harten Piratenkapitän mimen muß, "to keep the family business". Oder Ricky Gervais, das britische Original von Stromberg als schmieriger Händler mit Schwäche des Mundschließmuskels. Das ist fast schon zu selbstverliebt und metaebenenüberdreht, wie die beiden nichtmal ansatzweise schauspielen, sondern ganz dreist sich selber bzw. sehr manieriert eine ihrer Standardlieblingsrollen geben - aber es macht einfach Spaß. Ganz groß auch die Szene der Liebeserklärung. Der Held ist gerade eine Maus, Schnitt - Gegenschnitt ist also: niedliche Claire Danes - niedliches Mäuschen. Selten hat ein Kinopublikum bei einer Liebesszene so hingerissen geseufzt wie beim Anblick der (gerührt?) zitternden Schnauze des puscheligen großäugigen Mäuschens, dem gerade bedingungslose Liebe erklärt wird.
Wenn die Action überhandnimmt - Handlung kann man es kaum nennen - und sich das Ganze zum Showdown zuspitzt, wird es zunehmend öde, dann bleiben all die witzigen und netten Ideen und Dialoge auf der Strecke und es bleibt der typische Märchenblockbuster mit viel Special Effects für möglichst hohen Schauwert.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

ge- und mißlungene Werbung

Unlängst bin ich über zwei - nebeneinanderhängende - Werbeplakate gestolpert, beide bemerkenswert. Auf dem einen warb Fuerzabruta - irgend so n Actioneventgroßveranstaltungzirkus, sieht aus wie ein Bastard von Circe du Soleil und "Stomp" - damit, daß sie 3 Monate im "legendären Londoner Veranstaltungsort 'The Roundhouse' ausverkauft" waren. Na super. Will man eine Veranstaltung sehen, die selber so unlegendär ist, daß sie damit werben muß, an legendären Orten gegeben zu werden? Ein typischer Fall von "das weltberühmte Artistenpaar".
Brilliant dagegen das Plakat des Konzerthausorchesters Berlin, auf dem groß und untereinander schlicht steht: Gluck. Gluck. Gluck. Darunter, ganz klein: "Drei Opern von Christoph W. Gluck im Konzerthaus Berlin." Die Werbeagentur war ihr Geld echt wert!

Und nun noch der Hinweis auf einen Slogan, der das Genre weit transzendiert, indem er exakt die unstete Rastlosigkeit und nie endende Unfertigkeit des Daseins beschreibt und mich damit jeden Morgen dermaßen existentiell trifft, daß ich danach kaum den Tag zu bewältigen vermag: "Es gibt immer was tun tun."

Dienstag, 23. Oktober 2007

Am Seil


von Thomas Lang hat offenbar so dermaßen keinen Eindruck bei mir hinterlassen, daß ich gestern abend anfing, es zum zweiten Mal zu lesen. Die ersten Seiten kamen mir merkwürdig bekannt vor, und Weiterblättern bestätigte den Verdacht: das Buch hab ich schonmal gelesen! Au Backe.
Das spricht allerdings eher gegen mein Gedächtnis (vorzeitiger Beginn von Alzheimer?) als gegen das Buch.
Wann werde ich das erste Mal 7 Euro bezahlen, um mir im Kino einen Film anzugucken, den ich bereits gesehen habe?

Gefahr und Begierde

Ein schöner Film fürs Charlottenburger Bildungsbürgertum. Entsprechend war das Delphi am Freitagabend so voll wie zur Berlinale, inklusive Schlangestehen, Reindrängeln und Plätzeverteidigen. Und was man da für Gespräche mit anhören mußte! "Das ist doch derselbe Regisseur wie 'In the Mood for Love' und dieser 'Brüllender Tiger, fliegender Drache' " - "Nein, 'In the Mood for Love' ist von Wang Ka Woi". Kreisch!
Ich wußte schon auf dem Hinweg, wie ich den Film finden würde: gepflegter Gefühlsschinken mit genug Anspruch bzw. hinreichend exklusivem Setting, um eben den Goldenen Löwen zu gewinnen. Nicht gerade eine vorurteilsfreie Herangehensweise, aber ich finde Ang Lee grandios überbewertet. Er macht seit "Sinn und Sinnlichkeit" genau das: aufwendige Gefühlsschinken ohne nennenswerten Erkenntnisgewinn. Aber ich schweife ab. Also: Gefahr und Begierde; das stimmt ja schonmal ein auf großes - na? - eben: großes Gefühl.
(Die Internet Movie Database gibt übrigens als Plot Keywords (!) u.a. an: Male Frontal Nudity, Female Full Frontal Nudity, Leg Spreading, Mahjong, Orgasm, Student, Explicit Sex, WW II. Aha.)
Die erste Hälfte (eineinviertel Stunden, es gibt sich ja kaum ein Filmemacher mehr mit unter 2 Stunden zufrieden) war dann überraschend: eine Hand voll Studenten plant nicht nur, sondern versucht auch ernsthaft, ein Attentat auf einen hohen Politiker durchzuführen. Die spätpubertäre Mischung von abgrundtiefer Naivität mit patriotischem Sendungswahn, das Gefühl, alles tun und erreichen zu können, dabei die Konsequenzen aber in keiner Weise abzusehen - das war so absolut "wahr" und eindringlich, manchmal sogar auf einem hauchschmalen Grad zur Farce, dabei aber letztlich so zutiefst tragisch, weil diese Kinder überhaupt nicht kapieren, wie sie sich gerade ihre Seelen zugrunde richten. Richtig groß. Genau so isses doch, das Lebensgefühl um die 20: gefühlsduselige Omnipotenzgefühle, die Suche nach einem großen Ziel, dem man sich (gerne etwas fanatisch, eben noch in keiner Weise angekränkelt von des Gedanke Blässe) verschreibt - aber letztlich ist alles nur ein Spiel. Meint man. Ist es aber nicht.
Am Anfang scheint der irre Plan tatsächlich zu funktionieren, am Ende mißlingt - natürlich - alles aufs Gräßlichste, und sie reiten sich so richtig in die Scheiße.
Dann kommt die zweite Hälfte des Films - und die ist wie erwartet: Zwiespalt der Gefühle, Agentin entwickelt echte Gefühle für das Objekt, der vielleicht auch für sie - oder weiß er doch, daß sie eine Agentin ist, blahblahblah. Alles in gediegenen, sehr ästhetischen und durchdachten Bildern. Interessant ist jetzt (neben auffallend expliziten und akrobatischen Sexszenen) allenfalls noch der Aspekt der Macht: in dem Moment, in dem er denkt, er hat sie (die Frau, die Macht), macht er genau das, worauf sie seit Jahren hinarbeitet. Jeder von beiden meint im Moment der Niederlage, den/die andere/n endlich bezwungen zu haben.
Leider läßt Ang Lee ca. 20 Minuten vor Schluß die weibliche Hauptfigur genau das in einem Dialog nochmal ausführlich ausformulieren. Autsch. Schade eigentlich.
Achja, und: wer Mahjong kann (ich kann es nicht), hat mehr vom Film.
Also: ein gepflegter Gefühlsschinken...

Montag, 22. Oktober 2007

Adrian Mole - The Cappuccino Years


Witzig wie alle Adrian Mole-Bücher. Die Zeit liegt zwar schon so lange zurück (Beginn von New Labour, also 1997), daß das ganze etwas ältlich wirkt, ich manche Referenzen bzw. verulkte Zeitgeistkisten auch nicht so ganz kapiere - aber trotzdem sehr nett. Mehr gelacht habe ich allerdings bei "Adrian Mole and the Weapons of Mass Destruction" - aber das kann einfach daran liegen, daß ich das zeitnäher gelesen habe. Lange überlegt habe ich, warum das ganze Konzept funktionert und sich beim Lesen nicht immerzu die Zehennägel hochrollen vor Fremdschämen. Robert hatte die Lösung: weil man in Adrian Mole drinsteckt (sozusagen), also nie Opfer seiner Doofheit wird. Und man schämt sich nicht fremd, weil man ihn nicht von außen wahrnimmt. Man ist quasi gepuffert durch den Filter seiner Stumpfheit.

The Sad Truth About Hapiness

von Anne Giardini - übrigens die Tocher von Carol Shields - ist eine weitere Enttäuschung. Thema - offensichtlich - "Happiness", das ist doch immer irgendwie interessant. Mit meiner Schäche für Familiengeschichten gefiel mir der Anfang, die Kindheit der Hauptfigur und Ich-Erzählerin, erstmal gut. Floß nett und ruhig dahin, mit souveräner, abgeklärter, unaufgeregter Erzählstimme. Dann kommt recht schnell, nach ca. 30 Seiten und einem Kapitel der Clou: die Mitbewoherin entwirft Tests für Frauenzeitschriften, diesmal einen, der beantwortet, wie lang die Lebenserwartung ist. Und weil sie die Frage, ob sie glücklich sei, mit "Nein" beantwortet, sinkt ihre Lebenserwartung rapide - auf ca. 3 Monate. Schön schräg! Aber jetzt wird es leider zäh. Sie hat zwar plötzlich z.B. 3 Galane - aber warum und wieso, bleibt schleierhaft, die anfangs noch angenehm ruhige Erzählstimmer wirkt zunehmend bräsig. Irgendwie zündet das Buch nicht; Erzählstimme und der immer schriller werdende Plot werden immer disparater. Irgendwas funktioniert einfach nicht. Auch ihr Job ist ausführlich und anspielungsreich geschildert: sie führt Mammographien durch. Sicherlich sehr bedeutungsgeladen, zumal die Mutter der Autorin an Brustkrebs starb. Aber auch da: die Beschreibungen, die Bilder heben nicht ab, gewinnen keine Resonanz.
Wieder ein Buch, das ich nicht zu Ende gelesen habe.

Freitag, 12. Oktober 2007

Ende der Bücherglückssträhne




"Indecision" von Benjamin Kunkel - allein der Titel! Ein Buch wie für mich geschrieben! Das kann ja nur großartig sein! Dachte ich so. Handelt von einem (man kanns ja eigentlich schon nicht mehr hören, lesen oder sehen) nicht erwachsen werden wollenden Endzwanziger oder schon Thirtysomething in New York, der an akuter und chronischer Entschlußlosigkeit leiden soll. Da stellte ich mir schon die wunderbarsten kafkaesken Szenen aktiver Entschlußunfähigkeit vor sowie minutiöse Beschreibungen der absurdesten Techniken zur Entscheidungsfindung (Münzenwerfen, Würfeln, Abzählen, um nur mal die unspektakulärsten und nächsliegenden zu nennen). Aber nö. Nix da.
Dwight Wilmerding ist ein ganz normaler, sogar ein besonders netter Kerl, halt n bisschen schluffig. Es fällt einem sofort der männliche Moppel aus dem Film "Knocked up" ein. (Überhaupt fallen einem sofort ganz viele Filme ein und umgekehrt viele Szenen in dem Buch auf, die als Film besser funktionieren würden als im geschriebenen Wort. Unangenehm.) Das originellste am Hauptcharakter ist noch sein Name. "Charakter" trifft es sowieso nicht - sagen wir mal lieber "Hauptfigur", das paßt eher. Worin nun seine besondere Entscheidungsunfähigkeit besteht, ist mir auf 120 Seiten nicht klar geworden; sie ist weder besonders auffällig noch bereitet sie ihm auffällig Probleme. Da brauch man nur mal zum nächtbesten Verhaltenstherapeuten zu gehen, der kann einem überzeugendere Beispiele für Entscheidungsunfähigkeit beschreiben, daß man nicht mehr aus dem Haus geht, weil man sich nicht entscheiden kann, was man anziehen soll. Nur mal so als Beispiel.
Aber sowas eindeutiges gibt's nicht in dem Buch. Die "Aussage" soll wohl sein: dieses typische Slackerdasein, dieser Ennui am Leben mit um die 30 sind lediglich Symptome der zugrunde liegenden Krankheit, keine Entscheidung fällen zu können oder wollen.
Tut mir leid - das ist zu wenig für knapp 250 Seiten, ich kann das so neu oder bemerkenswert auch nicht finden. Die Idee ist ja ganz witzig, daß es ein neues Medikament gegen Unentschlossenheit gibt, Dwight dies einnimmt und nun auf die Heilung wartet - aber ich warte seit mindestens 40 Seiten mit ihm und verliere langsam die Geduld. Dwight denkt auf Seite 90 "It seemed like the only way I had of thinking about anything was to think about something else. And this really ruined the procedure."
Wie treffend! Es scheint, daß Herr Kunkel eigentlich über was ganz anderes schreiben will, das aber nicht gebacken kriegt, - und das runiniert den Vorgang, nämlich den des Lesens!

Ich kann mich außerdem des Eindrucks nicht erwehren, daß hier jemand zu gewollt zu Werke geht; daß z.B. Benjamin Kunkel sich den Spruch, mit dem sich Dwight in seinem Job als Tech Support am Telephon meldet ("Hello and thank you for calling the Problem Resolution Center. This is Dwight speaking") mit ganz viel Hirnschmalz aufwändig einzig und allein dafür ausgedacht hat, dann den Joke bringen zu können: "Hello and thank you for calling the Dwight Resolution Center. This is Problem speaking."
Haha.
Irgendwie ist das alles zu offensichtlich auf Effekt und Witz ausgelegt; da will jemand ganz arg geistreich sein, raus kommt dabei aber spätpubertärer, reichlich uninteressanter Quark. Was ein verwöhntes pseudointellektuelles Jüngelchen aus New York halt so für Probleme hält.
Schade, da wurde eine witzige Idee und ein gutes Thema verdaddelt.
Auf dem Umschlag steht das Zitat von Arthur Phillips, "Benjamin Kunkel is able to provoke deep thought and deep laughter in equal measure." Ich kann das für mich umformulieren: "Benjamin Kunkel is able to provoke me". Punkt.

Ich bin wahrlich nicht sehr entschlußfreudig, aber nach 120 Seiten der Unentschlossenheit habe ich immerhin diese Entscheidung getroffen: an dieses Buch verschwende ich keine weitere Lebenszeit.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Still Life

Ein Film um den Drei-Schluchten-Staudamm in China.
Sicherlich ein poetisches Meisterwerk (wie der Spiegel oder sonstwer schreibt).
Ich bin eingeschlafen.

Offiziell Provinz

That's it: München ist officially Provinz.
Letzte Woche bin ich einen Tag in der Stadt rumgelatscht und hatte einen knapp über knielangen (wie man das gerade so hat) orangeroten Rock mit 3 eingesetzten Stoffbahnen in verschiedenen Grüntönen an. So oft und auffällig bin ich nicht mehr angegafft worden, seit ich ca. 1985 in einer Hose mit einem weißen und einem schwarzen Hosenbein zur Schule gegangen bin.
Was ist das denn??
In Berlin hat noch niemand auch nur einen Blick verschwendet, wenn ich den Rock trage - und so soll es sein! DAS ist Stadt!

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Hinterher


Habe so lange nichts geschrieben, daß es jetzt zig Bücher abzuarbeiten gibt: als nächstes "Clear" von Nicola Barker. Ich hatte das Riesenglück, daß ich es lesen mußte. Weil: "Digging to America" hatte ich ausgelesen und es stand die 6stündige Zugfahrt von München nach Berlin an; als Lesestoff hatte ich nur noch den Roman von Nicola Barker. Hätte ich weiteren Lesestoff in petto gehabt, wäre ich über die ersten 30 Seiten niemals hinausgekommen, weil, o Mann, was ein oberaffiger Stil! Kreisch! Wie die Rezensentin im Guardian schreibt (überhaupt eine sehr tolle und treffende Kritik): sie war die ersten 50 Seiten nur angenervt und hätte am liebsten geschrieen "what's with all the italics?"
So ein - auf den ersten Blick - furchtbarer jung-forscher Stil, schreiben wie geredet wird (angeblich), voller Ausrufezeichen, Kursivdruck, what have you. Nicht meine Tasse Tee, sowas von nicht. Meine Idee: So würde Herr Stuckradt-Barre (schreibt der sich so?) gerne schreiben, wenn er könnte, nur eben auf deutsch.
Aber dann, nach ein paar Dutzend Seiten, lo and behold: Inhalt! Oder so: hier schreibt nicht irgendein Jungspunt, der das cool findet, einen ach so flapsigen Stil zu schreiben, sondern hier schreibt jemand mit Ideen, die all die vielen überlappenden Ideengeschichten ineinanderdrillt mit diesem atemlosen GedachtgleichGesagtgleichGeschrieben-Stil, der mit den Seiten eine unerwartete und ganz eigenartige Poetik entfaltet.
Handlung bzw. Dreh- und Angelpunkt: der amerikanische "Illusionist" (Mittelding zwischen Aktionskünstler und Magier) David Blaine schließt sich für 44 Tage ohne Nahrung in eine transparente 3x3x2 m große Kiste ein, die an der Tower Bridge in der Luft hängt. (Das ist Fakt, die Aktion und diesen Künstler gab bzw. gibt es.) Was soll das, was soll man davon halten, hat das irgendeine Wirkung, bedeutet das irgendwas oder ist es reine monitär motivierte Selbstdarstellung? Das fragt sich der Icherzähler und eine handvoll seiner Bekannter, und seine 44 Tage sind der "Plot" des Romans, der vollgestopft ist mit Geistesgeschichte, Zeitgeist, Irrwitz und Witz.
Kleine Kostprobe dafür: der Untertitel des Romans lautet "A Transparent Novel"... auch wenn die Relation transparenter Roman - transparente Kiste sehr - mein Gott, ja: transparent ist - wie geil! Dadurch öffnen sich (zumindest für mein unsubtiles Hirn) weitere zahlreiche Facetten und Durchblicke des Buches. Großartig!
Letztlich vielleicht nicht mehr als eine intellektuelle Spielerei, das Buch, aber als solche so gelungen und anregend! Und nach der - allerdings nötigen - Desensibiliierung auch: ein Buch, in dem Sprache nicht nur dazu dient, eine Geschichte zu transportieren, sondern Teil des Spiels ist, Lust an der Sprache und ihren Ausdrucksmöglichkeiten.
Nicola Barkers neues Buch "Darkmans" (auf der Kurzliste des diesjährigen Man Booker Prize) ist bislang leider nur als Hardcover erschienen, auf das Taschenbuch muß ich also wohl noch ne Weile warten.

Digging to America


von Anne Tyler handelt von zwei Familien in den USA, die jeweils ein Kind aus Korea adoptieren. Die beiden Familien lernen sich am Flughafengate kennen, als beide Kinder zufällig mit demselben Flugzeug ankommen. Diese erste Szene ist klasse geschrieben, wie von einem unbeteiligtem, distanzierten Zeugen beobachtet. Die Familien bleiben dann in Kontakt, die beiden Mädchen wachsen als beste Freundinnen auf. Interessant ist, daß eine der beiden Familien iranischstämmig ist - und daß deren Adoptivkind das "unattraktivere", kleinere, häßlichere, introvertiertere Baby ist. Diese Entscheidung hätte ins Auge gehen können: die "richtigen" Amerikaner bekommen das süße Bilderbuchbaby, die "Einwanderer" das schwierigere Resterampenkind - was ist das für eine Aussage!? Aber es funktoniert, weil dieses Baby aus Familiensicht überhaupt nicht als "minderwertig" wahrgenommen wird, weil die US- Mutter als etwas nervige Übermutter dargestellt wird - und weil der Fokus des Buches weniger auf der Geschichte der beiden adoptieren Kinder als vielmehr auf der aus dem Iran immigrierten Großmutter Maryam liegt; das Thema des Buches ist, ganz klar: "Fremdheit". Bemerkenswert ist, daß dieses Thema gerade NICHT anhand der beiden Adoptivkinder aus Korea behandelt wird - deren Herkunft ist irrelevant, sie werden nicht als "Fremde" in den USA dargestellt. Vermutlich, weil diese Kinder, in Amerika auf typisch amerikanische Weise aufwachsend, eben nicht fremd sein werden, nur ein Heimatland kennen werden. Im Gegensatz zu Maryam, die sich, obwohl seit langem eingebürgert, immer noch als Fremde in den USA wahrnimmt. Die Geschichte der beiden Familien wird etwa 5 Jahre lang verfolgt - über den 11.9.2001 hinweg, der aber nur als Echo hineinklingt.
In der Schlußszene überwindet Maryam ihr Außenseitertum, in dem sie sich eingerichtet hatte, da damit auch in sicheres Gefühl der Überlegenheit einherging. Im Buch wirkt das - Anne Tyler sei Dank - nicht pathetisch. Es bleibt aber doch ein schales Gefühl. Die Aussage, als Immigrant(in) dürfte man nicht an seiner Außenseiterrolle festhalten, sondern solle sich mit Haut und Haaren der neuen Heimat verschreiben, wird von der amerikanischen(!) Autorin getroffen; das mutet bei allem Respekt vor Anne Tyler und ihren ehrenwerten Absichten doch etwas anmaßend an.
Dennoch: der Roman ist von bewährter Anny-Tyler-Qualität, amüsant, gut zu lesen und nicht dumm.

Dienstag, 2. Oktober 2007

One Good Turn

von Kate Atkinson habe ich gestern zu Ende gelesen.
Wie immer bei ihr eine klasse Erzählstimme, sehr sehr witzig, voller Bonmots. Mein Liebling: "That was what the world was like, things improved but they didn't get better." Auch sehr schön (wenn auch irgendwie naheliegend) ist es, auf "I've found Jesus" die Mutter der Bekehrten antworten zu lassen "oh, where was he?".
Es ist der zweite Kriminalroman von Kate Atkinson, und die auf dem Taschenbuch aufgedruckten Kritiken überschlagen sich vor Lob, er sei so hochliterarisch. Ehrlich gesagt - das ist mir etwas entgangen. Vielleicht war ich zu sehr im "Dies-ist-nur-ein-Krimi"-Lesemodus und habe den Roman einfach vergnüglich weggeschlabbert, ohne mir z.B. besonders tiefschürfende Gedanken über die offensichtlich bedeutungsvollen Russischen Puppen zu machen. Das Buch soll ganz eindeutig wie diese ineinandergesteckten Puppen funktionieren - nur ist etwa die Auflösung nicht im Mindesten so paßgenau und zwangsläufig wie die kleinste, verborgene Puppe. Und so sehr ich den trockenen Tonfall der Autorin schätze - wenn alle Charaktere genau diesen Tonfall übernehmen und alle die gleiche abgeklärte, ironische Skepsis an den Tag legen, fehlt mir ja schon was.
Daß dies nun ein literarisches Meisterwerk ist, würd ich nicht dringend meinen - aber ein großes Lesevergnügen!

Ein fliehendes Pferd

Ein Film, den ich überhaupt nicht auf dem Plan hatte, im Gegenteil, den ich dezidiert nicht sehen wollte. Martin Walser - ochnö. Und dann noch mit Katja Riemann! Die nervt mich seit den fiesen Komödien der 80er Jahre. Erinnert sich da noch jemand dran? An den Boom des deutschen Films in der Form übler Geschlechterkampfklamotten vor nunmehr - o Graus - 20 Jahren? War schon ein schlimmes Jahrzehnt, die Achziger.
Eine überaus positive Rezension in der epd Film stimmte mich dann um - zum Glück. Klasse Film, und, die größte Überraschung für mich: Katja Riemann ist großartig. Zum Niederknien. Ist ja ohnehin ein Schauspieler-Film, aber keiner der beiden Männer kommt an sie ran. Wie da in einem Blick, in einer Körperdrehung ein ganzes Leben liegt - ich war schwer beeindruckt.
Der Film ist auch sehr elegant gemacht; Schnitte fallen mir selten auf, meist, wenn sie gewollt künstlerisch oder anstrengend schnell sind. In diesem Film aber sind sie mir aufgefallen, weil sie minimal anders sind, als erwartet (ich kann nichtmal sagen, ob einen Sekundenbruchteil früher oder später), und dadurch ganz stark die Aufmerksamkeit auf die Person, auf das Geschehen bündeln. Irgendwie rhythmisch, intensiv, sehr genau kam mir das vor.
Die ganze Geschichte ist dann doch nicht wirklich klischeefrei, aber überaus amüsant. Und so langsam schleicht sich dann das Abgründigere - oder ist es nur die Midlife-Crisis? - in die extrem unterhaltsamen Szenen. Sehr gelungen.

Samstag, 29. September 2007

Empathie/Systematik II

Beim zweiten Mal habe ich etwas länger über die Beantwortung der einzelnen Fragen nachgedacht und versucht, insbesondere beim Systemaik-Teil wahrheitsgetreu(er) zu antworten. Und so fiel das Ergebnis diesmal auch weniger extrem aus: bei Empathie nur noch leicht über dem weiblichen Durchschnitt, aber immer noch: bei Systematik mehr als bei Empathie - und das ist mehr als beim männlichen Durchschnitt, wenn auch knapp

Mein Testergebnis:
Emphathizing Quotient: 56
Systemizing Quotient: 63
Brain Type: Systemizing

Zum Vergleich:
Durchschnnittwerte EQ: Frauen 48 - Männer 39 Punkte
Durchschnittswerte SQ: Frauen 51,7 - Männer 61,2 Punkte.

Aber - hallo - da stimmt doch was nicht? Auch bei Frauen ist die Durchscnittspunktzahl höher bei "systematisierend" als bei "empathisch". Liegt das nur daran, dass der Systematik-Testteil mehr Fragen umfaßt? Aber trotzdem ist das doch seltsam: warum werden Frauen insgesamt als "emphatisch" beschrieben (trotz knapp höherer Punktzahl für "systematisierend" - bei meinem Ergebnis steht dann aber dick da: "systemizing"? Kommt mir alles etwas schief und krumm vor.
Und bitte schön warum werden zum Schluß Geschlecht, Alter, Bildungsgrad und, besonders absurd, ob ich Immobilienbesitzer bin oder nicht, abgefragt? Welchen Einfluß hat das dann auf das Ergebnis?

Freitag, 28. September 2007

Systematik/Emphatie

Robert hat mich mal wieder auf einen Test hingewiesen, nach dem "Haben Sie Asperger" und "Wie weiblich/männlich ist Ihr Hirn" diesmal: "Ist Ihr Hirn eher emphatisch oder systematisch?". Ich habe erst den emphatischen Teil des Tests gemacht, mit erwartetem Ergebnis: sehr emphatisch. Beim systematischen Teil des Tests aber muß ich irgendwas falsch gemacht haben: das Ergebnis liegt noch weit darüber! Über dem Durchschnitt der männlichen Vergleichsgruppe! Ich habe ein Mega-Männerhirn!

Ich muß wohl doch einige Fragen etwas geschönt beantwortet haben in dem Unwillen, mich in ins Klischee weiblich=Empathie, männlich=Systematik pressen zu lassen. Ehrlicherweise fällt es mir doch nicht so ganz leicht, mir die Autobahnverbindungen in und um Berlin vorzustellen und auch die Namen von Pflanzen interessieren mich nicht ganz so stark, wie ich behauptet habe.

Kunst!

Die merkwürdigen und schönen Gebilde im Tiergarten sind tatsächlich Kunst, wie vermutet. Ich habe sie bei Tag gesehen, es sind allerdings Lichtinstallationen. Das muß ich mir dringend nochmal bei Dämmerung ansehen!

Donnerstag, 27. September 2007

Kunst?

Irrer Anblick: heute morgen schwammen auf dem Tiergartengewässer mindestens ein Dutzend dieser gestreiften viereckigen Plastikkoffer und etwa genausoviele kleine Flöße vollgestellt mit Plastikflaschen unterschiedlichster Größe und Form in diversen Farben. Wie seltsame Schwäne und Seerosen.
Im frühen Morgenlicht und auf dem stillen Wasser schwebend sah das surreal und wunderschön aus.

Mittwoch, 26. September 2007

The Master

Jetzt bin ich schon fast durch mit "The Master" von Colm Tóibín. Dies ist nun tatsächlich eine fiktionalisierte Biographie, nämlich ca. 5 Jahre im Leben von Henry James. Lange stand es ungelesen im Bücherregal, weil ich immer vorhatte, erst mindestens einen Roman von Henry James zu lesen. Um zu wissen, "worum es geht" sozusagen. Zu meiner Schande sei's gesagt, bisher kenne ich nur Auszüge aus "Portrait of a Lady" und ein oder zwei seiner Geschichten.
"The Master" ist - zumindest für mich - auch extrem lesenswert, ohne etwas über Henry James zu wissen bzw. seine Bücher zu kennen. Für mich ist es fast irrelevant, daß die Hauptperson des Buches eben Henry James ist. Es wird ein hochkomplizierter, sehr introvertierter Charakter geschildert und seine detaillierte Sicht auf die Welt - insbesondere die Menschen. Die Schilderung der Charaktere, wie sich in ihrer Erscheinung und ihren Gesten ihr ganzes Wesen enthüllt, ist wunderbar.
Alles ist streng aus der Sicht und Innenperspektive von Henry James' erzählt, so daß ich nicht ganz aufgedröselt habe, ob das seine Erzählstimme ist oder die von Colm Tóibín, die so minutiös und hochkomplex die Charaktere beschreibt, geistig hochinteressiert, emotional dagegen meist unbeteiligt.
Jedenfalls: tolles Buch!

In Worte fassen

Das In-Worte-Fassen einer schlimmen oder gar schrecklichen Begebenheit scheint eine Art zu sein, das Geschehene zu verarbeiten. Es ist, als wolle man mit dem Überführen des Geschehens in Worte dessen Unmittelbarkeit bannen. Wenn ich etwas häufig genug ausspreche, verliert es seinen Schrecken?
Ich frage mich, ob nicht das Gegenteil der Fall ist. Ob nicht das Einkleiden von Schrecken in Worte den Horror nur verstärkt. Am Anfang war das Wort - das heißt doch, daß Worte unbedingt Realität sind. Aus Worten ist die Welt gebildet.

Oder so: es scheint eine gewisse Lust daran zu geben, Gräßlichkeiten in aller Ausführlichkeit und möglichst drastisch zu schildern. Im normalen Leben wird es selten etwas sein wie "und dann schoß ihm das Blut aus Mund und Nase, überall war Blut..." Eher kleiner Gräßlichkeiten, denen mit einer gewissen Begeisterung an eben der Gräßlichkeit Worte verliehen werden.

Aber vielleicht ist es besser, so etwas nicht wieder und wieder in Worten abzubilden und ihnen damit wieder und wieder anschauliche Realität zu verleihen.

Trauer II

Natürlich ist es ein Reflex des Mitgefühls, daß wir jeden Todesfall als Unglück für die nahe Beteiligten erleben, für die Witwe, die Waisen, die überlebenden Eltern gar oder die Geschwister. Natürlich erschreckt uns jeder Tod, weil die Trauernden unser Mitleid haben.

Natürlich stimmt uns jeder Tod traurig, weil jeder Tod ein Verlust ist, weil jeder Mensch unwiederbringlich ist.



Aber persönliche Trauer, das Gefühl, daß mir jemand weggenommen wurde, das mitunter minütliche schmerzliche Vermissen, eine schockartige Veränderung im eigenen Leben, wann erleidet man das?

Wenn ein Mensch stirbt, den wir geliebt haben. Auch wenn wir ihn vielleicht selten getroffen oder jahrelang nicht gesehen haben - wenn wir an jemandem hängen, tut es weh, wenn er aufhört, da zu sein.

Dienstag, 25. September 2007

Trauer

Was genau ist Trauer? Wann ist Trauer mehr als nur das Erschrecken über die Sterblichkeit, vor allem auch die eigene?
Können wir um jemanden trauern, der in unserem täglichen Dasein keine Rolle gespielt hat?
Betrauern wir die endgültige Abwesenheit eines Menschen, den wir kaum vermissen können, da er für unser Leben keine wirkliche Bedeutung hatte? Wenn ich einen Menschen zwar Zeit meines Lebens kannte, ihn aber nur ein- oder zweimal im Jahr ohne besonderes Interesse gesehen habe - was genau bedeutet dessen Tod mir? Ist es mehr als eine abstrakte Traurigkeit über die Vergänglichkeit, mehr als das Erschrecken über die Erinnerung an den eigenen Tod, mehr als das Bedauern, daß sich unsere persönliche Welt unkontrollierbar und endgültig verändert hat?

Vielleicht ist Trauer ein Gradmesser für die Liebe. Das Gefühl eines ureigenen Verlustes, wenn mit dem Sterben eines Menschen ein Stück des eigenen Herzens herausgerissen wird. Wenn plötzlich der geliebte Mensch nicht mehr existiert - die Liebe aber natürlich nicht mit dessen Tod aufhört in uns und uns täglich quält: da ist niemand mehr, dem diese Liebe gilt. Sie geht nicht ins Leere, aber in eine schmerzende Abwesenheit.

Donnerstag, 20. September 2007

lustige Münchner

Noch eine schöne Formulierung habe ich in München in einem Biergarten (jetzt wollte ich erst "Tiergarten" schreiben, das stimmt zwar manchmal auch irgendwie in den Biergärten, aber ist jetzt doch nicht das, was ich meinte) auf einem Schild gelesen: "Bediente Terrasse".
Ist ja klar, was damit gemeint ist, ich bin aber hinreichend jugendsprachenverdorben (oder wie nennt man das, insbesondere, wenn man selber so was von gar nicht mehr jugendlich ist? Slang?), daß mich das Schild doch merkwürdig anmutet.
"Die Terrasse ist ja sowas von bedient."
Was nur, frage ich mich, läßt eine Terrasse bedient sein? Was bedeutet für eine Terrasse eine Zumutung, die sie bedrückt, niedergeschlagen, erschöpft, oder sonstwie bedient sein läßt?

Dienstag, 18. September 2007

Tröstliche Formulierung

"Dann verläßt mich der Mut" - so eine tröstliche Formulierung! Anders als "dann verliere ich den Mut" oder gar "dann bin ich zu feige" ist das etwas, für das ich keinerlei Verantwortung habe, das sich gänzlich meiner Kontrolle entzieht. Ich entscheide nicht, ich handel nicht - das macht alles der Mut ganz alleine. Der beschließt einfach, mich zu verlassen und geht.

Montag, 17. September 2007

Fehlzitat

So ein Zufall: Gerade fällt mir eine wissenschaftliche Abhandlung in die Hand, 2003 in der Michigan State University Press erschienen, "Gendering Talk" von Robert Hopper. Dort steht als Vorwort des zweiten Kapitels ein Zitat aus den "Stone Diaries". Als Verfasserin wird eine "Carol Stone" angegeben und der erste Satz dieses Kapitels in Mr Hoppers Buch lautet: "This segment from Carol Stone's fictionalized memoir 'The Stone Diaries'..."
Hallo!?
Carol Shields heißt die Frau!

Erstens: bitteschön, richtiges Zitieren in einer wissenschaftlichen Arbeit, das sollte ja wohl mindestens klappen!
Zweitens - und viel schöner: voll reingefallen!
Carol Shields' (!) Buch verwischt die Grenzen zwischen fiktionaler und wirklicher Biographie und mehr. Wie es jemand im San Francisco Chronicle viel besser ausgedrückt hat: " 'The Stone Diaries' chips away at our most cherished, comforting beliefs about the immutability of facts and fate."
Das gelingt nun offenbar so souverän, dass Herr Robert Hopper (Professor for Communication at the University of Texas - o.k., es ist nicht Harvard, aber trotzdem) nicht mehr auseinanderbekommt, was hier Fiktion und was Realität ist und der Fehleinschätzung "fiktionalisierte Memoiren" erliegt. Nein, knapp vorbei - es handelt sich um einen Roman! Roman! Fiktion! Nix (Auto)Biographie! Der Name der Verfasserin lautet also auch nicht Stone - Stone heißt anfänglich die Romanfigur!
Drittens - und gänzlich gruselig: Dieses Fehlzitat findet sich in einem Buch, das das "Gendering" in Kommunikationsprozessen zwischen Mann und Frau behandelt.
Man addiere dann noch Frau Senta Trömel-Plötz' (no games with names!) Erkenntnis, daß die Verunstaltung oder falsche Wiedergabe des Namens eine probate Mißachtung ist, die überwiegend Frauen zu erdulden haben - und: bingo!

Hallam Foe

Gut, ich habe nicht viel erwartet, und dann hat ein Film es ja meist leichter, mich doch für sich einzunehmen. Nachdem ich wußte, daß Freunde aus Langeweile aus dem Film rausgegangen sind, wollte ich ihn dann doch sehen - wegen Schottland und Edinburgh, also eigentlich nur als Diashow und um schottisch zu hören. Dann fand ich die Geschichte des ödipal und sonstwie verstörten Jungen aber doch überraschend anrührend und auch unterhaltsam, zumal der Film manchmal durchaus einen gewissen schrägen Witz hat. Insgesamt viel weniger abgründig als der frühere Film des Regisseurs "Young Adam" - und mit viel mehr Optimismus. Ich hatte als Charaktere überwiegend Monster erwartet, die einen völlig kalt lassen oder gar abstoßen, aber so schräg oder unwahrscheinlich sie letztlich sind, wecken sie doch alle durchaus Sympathie oder Mitgefühl. Auch für Hallam hatte ich irgendwie Verständnis oder auch Mitleid, weil sein Spannen und seine Mutterfixierung doch sichtlich einem verstörten armen Seelchen entspringen. Und er sich damit auch immer selber verletzt.
Und: klasse Musik! Nicht umsonst hat der Soundtrack den Silbernen Bären 2007 bekommen. Gibt dem Film eine rauhe Energie und Drive.

unprätentiös

Vor einer Dönerbutze in München steht das Schild: "Sie müssen essen, sonst verhungern wir beide."
Dermaßen knallhart war mir der Kausalzusammenhang zwischen meinem Hunger und der Existenzsicherung von Imbißbudenbesitzern bisher nicht klargemacht worden. Jetzt kann ich an keiner Dönerbude mehr vorbeigehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Donnerstag, 13. September 2007

Schweres am Morgen - und völlig Triviales

In den "Stone Diaries" gibt es die Figur des Barker Flett, ein Botaniker, der vor Intimität und enger menschlicher Verwicklung zurückschreckt. Er rettet sich in die Systematik der botanischen Nomenklatur, lebt allein und verbietet sich seine eine spontane emotionale Regung: er fühlt sich - 22jährig - zu einem elfjährigen Mädchen hingezogen, daß so etwas wie sein Mündel ist. Auch nachdem sie wieder bei ihrem Vater lebt, schreibt er ihr regelmäßig alle 2 Monate einen Brief, 20 Jahre lang. Diese Frau und die Briefe an sie sind - abgesehen vom täglichen Umgang mit Kollegen, Nachbarn - seine einzige Verbindung mit einem anderen Mensch. Wie anrührend! Wie herzzerreissend!
Aber warum eigentlich?
Warum nehmen wir (wir? oder nur ich?) diesen Typ von Charakter als besonders tragisch wahr? In Büchern, Filmen, Theaterstücken - warum gehen die Figuren so ans Herz, die ihre Freunde verlieren, die ihre Liebe nicht finden, die wir allein in - meist eher dunklen, abendlichen - Räumen sehen? Vielleicht wollten sie ihre Liebe gar nicht finden, vielleicht haben sie ihre Freundschaft selber weggeworfen, vielleicht _wollen_ sie allein sein! Sind das nicht vielleicht die glücklicheren Menschen? Sie können sich ihre Illusionen und ihre Träume ewig bewahren. Ohne Realitätsabgleich keine Desillusionierung. Die von weitem Geliebte bleibt auf immer vollkommen, der jung verstorbene Freund auf immer ein Idol.
Überhaupt: warum erscheint uns Einsamkeit als so ein schlimmes Los, das schlimmste überhaupt? Was genau daran erscheint uns so erbarmenswert, was genau daran schreckt uns so?
Ist die Angst vor Einsamkeit letztlich und ganz am Grunde nichts anderes als die Angst vorm Tod, dem ultimativen Alleinsein? Empfinden wir die einsamen Helden als so herzzerreißend, weil dahinter unsere Angst liegt, bis zum Ende und am Ende allein zu sein? Allein zu sein, wenn die Not am größten ist?
Falls das so ist, kann man das Mitgefühl mit den einsamen Existenzen in der Kunst (aber ob auch im Leben?) getrost hinter sich lassen: jeder stirbt sich selbst. Am Ende ist jeder ganz für sich.

And now for something _completely_ different:
Ich wußte es! Noch vor wenigen Wochen tönte ich, niemals, nie im Leben, never ever würde ich den skinny-Jeans-Mist mitmachen. Und schon bin ich weichgekocht. Gestern habe ich eine Jeans gekauft, die weit weg davon ist, skinny zu sein. Aber sie ist auch bei weitem nicht weit (haha) , ausgestellt oder gerade geschnitten. Also vielleicht: Röhre. Und das ist, wir wollen uns nichts vormachen, der erste Schritt zur skinny Jeans.
Meine Resistenzen gegen das furchtbare 80er-Jahre-Revival sind offenbar der Augeninfektion zum Opfer gefallen... das Immunsystem wird anderweitig beansprucht, da ist der privaten Wiederkehr von Ringel-T-Shirts und Schulterpolstern Tür und Tor geöffnet.

Mittwoch, 12. September 2007

Knocked up/Beim ersten Mal

Fieser Film. Eine Stunde kann man das noch mehr oder weniger witzig finden (my guess: als Mann eher witziger, ist eher son Jungsfilm). Aber dann werden einem doch nur noch massiv konservativste family values reingedrückt. Und das macht den Film letztlich so ärgerlich: daß er total verlogen ist. Kommt so lockerlässig und jungspuntig daher, transportiert letztlich aber nur beinhart fieseste Pseudomoral. Lieber irgendein Vater als gar kein Vater, für's Kind rauft man sich zusammen.
Davon mal ganz abgesehen: wie wahrscheinlich! Die blonde Karrieretusse, die auch unter Preßwehen einen golden schimmernden Teint hat und der dickliche Oberschlaffi erkennen, dass sie genau richtig füreinander sind und sich innig lieben. Klar doch. Ganz bestimmt.

Dienstag, 11. September 2007

Mehr über Bücher. Und : Lebkuchen!


Nachdem ich darüber deliriert habe, wie toll Philip Pullman doch ist, ist mir eingefallen, dass ich ja noch ein Buch angefangen und nach ca. 80 Seiten wieder weggelegt habe - und daß das von Philip Pullman war, nämlich "The Tin Princess".

Wie der Klappentext sagt, ein "swashbuckling Victorian thriller". Aha. Ein verwegener Thriller. Das Aufregendste für mich als deutschsprachigen Leser war, daß es um ein fiktives winziges Land zwischen Österreich und Deutschland geht und daher einige deutsche Floskeln eingestreut waren, und die Leute "Frau" bzw. "Herr" Sowieso (bzw. Soandso) hießen. Und die Beschreibung des Landes ist wahlweise witzig oder ärgerlich: ein kinderklischeehaftes Bayern oder Österreich. Das hat mein Interesse aber nicht mehr als wie gesagt ca. 80 Seiten gefesselt. Irgendwie zuwenig Handlung, zu uninteressante Charaktere. 5 Seiten lang wird beschrieben, wie die - durch ein Attentat ihres soeben angetrauten Gatten und frischgebackenen Königs nun ihrerseits frischgebackene - Königin eine Fahne auf einen Hügel schleppt. Was daran aber derart großartig und heroisch ist, daß mich das 5 Seiten lang packen soll, hat sich mir nicht erschlossen.

Außerdem bin ich zu "Summer Sisters" noch auf die hübsche Einschätzung (der Cosmopolitan) gestoßen: "You'll love it like a sister". Au Backe. Arme Schwestern...

And now for something completely different:
endlich gibt es Spekulatius, Lebkuchen und den ganzen anderen Weihnachtskram!
Dem Kalender nach etwas früh, aber dem Wetter ja durchaus angemessen. Ich war in letzter Zeit im Supermarkt jedesmal regelrecht irritiert, daß es noch keinen Weihnachstgebäckkram gab.
Wahrscheinlich ist Weihnachten dieses Jahr auch ein paar Wochen früher, nachdem der November in den September vorverlegt wurde. Komisch nur, daß die Bäume noch so grün sind.

gutes Buch schlechtes Buch

Jetzt hab ich in den letzten 4 oder 5 Tagen fast ebensoviele Bücher angefangen - und alle wieder weggelegt. Was ist los? Bin ich's oder sind's die Bücher?
Los gings mit einem englischen Kinderbuch "Magyk" von Angie Sage. (Das y! irgendwie affig, mich hats aber angezogen.) Angeblich ganz toll, die Rezension war so ungefähr "Watch it, Harry Potter, here's a new young magician". Was die ca. 100 Seiten des Buches, die ich durchgehalten habe, mir aber nur gezeigt haben, ist, wie gut Harry Potter wirklich ist. Oder Philip Pullman, der ja merkwürdigerweise in Deutschland ziemlich unbekannt ist.
Naja, das wird sich ändern, wenn die Verfilmung von "Northern Lights" im Dezember ins Kino kommt. Noch dazu mit sexy Nicole Kidman und sexy blond Bond Daniel Craig. Damit auch die Eltern was davon haben. Oder so. Mir graut es jetzt schon davor, dass ein zu unrecht hierzulande unbekanntes Buch dann der Renner wird, weil die Verfilmung - die dem Buch einfach nicht gerecht werden kann, oder geht der Film 8 Stunden? - als Blockbuster ins Kino gepuscht wird. Strategisch zur Weihnachtszeit. Das Buch zum Film. Kennt man ja.
Anyway - ich schweife ab.
Also das erste Buch war doofes Kinderbuch, was will man erwarten, also gut, weggelegt.
Weil ich im Moment aber starkes Bedürnis nach hirnlosem Eskapismus habe, kam als nächstes ein Bestseller, zugegeben von vor 10 Jahren und evtl. auch nur in den USA: "Sommer Sisters" von Judy Blum. Oder Blume?
Immerhin damals ein New York Times Book of the Year, wenn das Jahr auch schon etwas zurueckliegt. Jedenfalls: auch das ging nur 50 Seiten. Nee, sowas hat man schon zu oft gelesen, Jugendfreundschaft zweier gaaanz unterschiedlicher Mädchen, die sich dann entfremden, einmal darf man raten, warum, genau: wegen eines Mannes. Oder noch Jugens? Soweit hab ich nicht gelesen, um das sagen zu können.
Der Eskapismus bringt's auch nicht, also doch wieder zu anspruchsvollerem:

"Carry Me Down" von M J Hyland, immerhin letztes Jahr auf der Kurzliste des Man Booker Prize. Das ging aber auch nicht: nach 20 Seiten soll ein Sack mit Katzenjungen ertränkt werden, als das nicht klappt, werden sie mit dem Kopf an die Badewanne geknallt. Nichts gegen Gräuel, das ist prinzipiell schon o.k. in Büchern, wenn es Sinn hat (hier hat es Sinn). Nein, was mich eher abgestossen hat, war die insgesamt so dermassen deprimierende Atmosphäre einer vage dysfunktionalen Familie mit einem ebenso ungreifbar aber deutlich durchgeknallten 11jährigen. Dem man auch noch hilflos ausgeliefert ist, weil er der Ich-Erzähler ist. Und der im letzten Viertel des Buches versucht, seine schlafende Mutter zu ersticken. Nee, das geht im Moment nicht, bei dem deprimierendem Herbstwetter kann ich solche Gesellschaft nicht verkraften. Wie muß man drauf sein, um dieses Buch als "instantly likeable" und "unputdownable" zu beschreiben? (Wie auf dem Umschlag geschehen, letzteres von niemand geringeren als Ali Smith.) Völlig unverständlich.


Also zu einer Bekannten, Carol Shields. Ihr "The Stone Diaries", für das sie den Pulitzer Preis bekommen hat. Und siehe da - es liegt nicht (nur) an mir: ein Buch zum Dranbleiben, das Gefühl, bei der Erzählstimme gut aufgehoben zu sein und Neues über scheinbar Belangloses zu erfahren.
Hurra. Endlich wieder ein Buch zum Lesen-Wollen.

Wen es interessiert (und wen WIRD es interessieren, was hier steht?) - ein relativ sicherer Tip für Leute, die Carol Shields (und vielleicht insbes. "The Stone Diaries") mögen, dürfte "Gilead" von Marilynne Robinson sein. Dieselbe "serene" - hier fällt mir mal wieder nicht das deutsche entsprechende Wort ein, vielleicht "ruhig/gelassen"- und zutiefst humane, irgendwie weise, ernste, aber nicht humorlose Erzählhaltung bzw. Erzählstimme. Dieselbe Einsicht in Alltägliches und seine Transzendenz.

Genug für heute.