Samstag, 24. Oktober 2009

Das weiße Band

Ein Film mit der Wucht einer Dampfwalze und der atemlosen Spannung eines Thrillers. Die hyperrealistischen, fast schmerzhaft brillianten Schwarzweißbilder erzeugen eine fast fantasyhaft irreale Atmosphäre. Die von Regression und allgegenwärtiger Brutalität durchtränkte Geschichte quält und läßt nicht los. Erschrecktend war mir, wie vertraut mir vieles vorkam - aber woher? Unbedingt ansehen.

Donnerstag, 30. Juli 2009

The radiant way

von Margaret Drabble ist ein "Re-Read". Und wieder einfach klasse. So gut beobachtet, so gut in Worte gefaßt, so ein trockener und doch so mitfühlend-menschlicher Stil, so eine Nachsicht mit dem Rumwursteln, das Leben ist, so interessante vielschichtige und absolut überzeugende Charaktere. So viel so lakonisch. Ich habe eine alte, second hand getauschte Taschenbuchausgabe, auf der groß steht "her novel for the eighties" - und trotz der politisch-zeitgeschichtlich sehr bedeutungsvollen Bezüge (Miner Strike, Margaret Thatcher) ist es kein bißchen dated.

Dienstag, 28. Juli 2009

Der Turm

von Uwe Tellkamp war mir aufgrund des Hypes suspekt. Aber: tolles Buch. Eins der wenigen der letzten Monate, das mich wirklich gepackt - und gehalten - hat. Am Ende wird es etwas zu sehr "Neue Vahr Süd" des Ostens, aber das kann an meinem Desinteresse an Jungmänneragglomerationen liegen. Episches Werk, in jeder Hinsicht, und endlich mal jenseits alles DDR-Gnadenlostrockenrealismus.

Freitag, 15. Mai 2009

Alles neu

O.k., jetzt hab ich nachgeguckt: auch nach neuer Rechtschreibung heißt es "Maßstäbe". Wie peinlich.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Massstäbe

Wird das nach neuer Rechtschreibung wirklich so geschrieben, sieht ja völlig absurd aus, egal, jedenfalls müssen diese ja wohl so ziemlich den Bach runtergegangen sein, wenn von einem Film immerzu als bestes bzw. bemerkenswertestes Feature der krude übertriebene Akzent einer Nebenfigur hervorgehoben wird - und es dann im Anschluß heißt, der Film sei gut.

Montag, 11. Mai 2009

Le premier jour du reste de ta vie

Der wunderbare Film läuft im deutschen Kino unter dem deutschen (ha!) Verleihtitel "C'est la vie - so ist das Leben" und ist der schönste Film, den ich seit langem gesehen habe. Gewiß, die Dramaturgie schürzt manchmal etwas heftig und rückt Freud und Leid hart am Klischee entlangschrammend oder auch mittenrein semmelnd arg dicht aneinander; aber die Bilder sind bei aller verhaltenen Eleganz angenehm lakonisch und unaufdringlich witzig - fast wie ein Komödien-Subtext unter der Geschichte. Und das Thema der ständig flüchtigen Gegenwart, der Nostalgie und Trauer um das Verrinnen der Zeit, die manchmal schwer erträgliche Gleichzeitigkeit der verschiedenen Zeiten im Bewußtsein - ein Thema voller Resonanz, das hier erstaunlicherweise ohne sinnträchtige Schwere sehr menschlich und behutsam in die Handlungsstränge eingesetzt wird: leicht, ohne oberflächlich zu werden. Die vorletzte Szene dann ist ein so überaus zärtliches, herzzerreißendes Bild für sehnsuchtsvolle Trauer, dies allein origineller und eindringlicher als manch kompletter Film.

Sonntag, 10. Mai 2009

Star Trek

Langweilig. Uninteressant. Unwitzig. Einzig geil: warum sehen die Sternenflottenuniformen nur ca. 5-10 Jahre vor der Originalserie (jetzt in Star-Trek-Zeit) aus wie 100 Jahre früher designt? Warum fieser Grobstrick auf Vulkan? Warum Wiona Ryder für ne Rolle besetzen, für die sie (schlecht) 20 Jahre älter geschminkt ist?
Fragen ans Star-Trek-Universum...

Sonntag, 3. Mai 2009

Macht

Macht ist mir per se suspekt; allein das Streben nach Macht scheint mir fragwuerdig, zu nah (!s. letzter Post) verwandt mit Manipulation nehme ich das Konzept "Macht" wahr. Macht hat man ueber jemanden - und das macht diesen wiederum machtlos.
Was aber, wenn Macht auch verstanden werden koennte als die Faehigkeit, andere zu einem Handeln zu motivieren, das anders nicht zustande kaeme?
Das wuerde bedeuten, es wird aus intrinsischer Motivation agiert, die aber ohne die "Macht" des Gegenuebers so nicht entstanden waere.
So erfuellen wir doch - gerne, aus freien Stuecken und wahrhaft ungezwungen - Wuensche eines geliebten Menschen; der so, selbstverstaendlich, Macht ueber uns hat. Oder uns Macht gibt? Denn wir haben es in der Hand, den Wunsch zu erfuellen - oder nicht. (s. auch www.thisisindexed.com vom 30.4.09!)
Ist Macht vielleicht nicht die Einwegbeeinflussung, als die ich es bislang wahrgenommen habe?

Samstag, 2. Mai 2009

Aehnlichkeiten

Interessanter Gedanke von Robert Spaemann in der letzten "Zeit": Aehnlichkeit ist ein Unterbegriff von Ferne; alles laesst sich zueinander in Beziehung setzen unter dem Begriff von Naehe, auch Ferne, denn unendliche Ferne gibt es nicht, nur weniger grosse Naehe. Aehnlichkeit ist eine qualitative Naehe. Gefuehlte Naehe nennen wir Sympathie oder Liebe - wobei Spaemann ausdruecklich darauf hinweist, dass es in allen Bereichen ein Irrtum ist, Aehnlichkeit zu verstehen als partielle Identitaet und partielle Verschiedenheit. Allein dieser Teilgedanke: wow! Ja - und wie wichtig!
(Kann ich mir diesen Begriff vorstellen im Konzept eines Gegenuebers, das ein Ich mit Eigensinn ist, ohne aufzuhoeren, Gemeinsamkeiten zu teilen? Oder widerspricht es dem gerade?)
"Alles, was ist, ist Anderem, was ist, aehnlich, sonst koennten wir von ihm nicht sprechen und nicht wissen... Naehe und Ferne zu Anderem ist konstitutiv fuer das, was ist. Aber verstehen wir, was Naehe und Ferne ist? Ich wuerde es gern verstehen."
Ja, ich auch.

Dienstag, 21. April 2009

Stellet Licht

Ein Film aus bemerkenswerten Bildern von großer Schönheit, Kraft - und Leere. Der bleibende Eindruck bei mir ist vor allem einer der Leere. Die extreme Langsamkeit und Kargheit des Films wirkt entfremdend, befremdend - und nahezu abstoßend.
In einer Kritik wird Valeska Grisebachs Film "Sehnsucht" erwähnt, und in der Tat sind beide Filme sehr ähnlich. Mal sehen, ob auch "Stellet Licht" trotz meiner inneren Distanz und meines Befremdens so eine bleibende Wirkung haben wird.

Freitag, 3. April 2009

Gender Studies

Noch ein Nachtrag zur Re:publica: toll war: immer leere Frauenklos, nie ne Schlange! Ich wunderte mich spätestens beim zweiten Klogang, kam dann aber erst 1/2 Tag drauf: Ratio Männer:Frauen auf der re:publica dürfte so 70:30 gewesen sein.
Nicht wirklich verwunderlich... then again: warum nicht verwunderlich? Es ging ja um _social_ web irgendwie, und Soziales, Kommunikation ist ja traditionell Frauendomäne.
Hmmm...mal genauer drüber nachdenken.

WLAN-lose Re:publica

Es bleibt nervig und irgendwie mega-absurd, daß die Konferenz über Web 2.0, die "Bloggersphäre" (grauenhaftes Wort!) etc. weitgehend ohne WLAN-Versorgung über die Bühne geht. Ich war selten so anhaltend immer wieder aufs neue so frustriert - und ich bin wahrlich nicht die große Websüchtige, aber wenn ich schon auf SO einem Event bin, will ich doch twittern und bloggen darüber! Tja, ging aber nicht.
Schade eigentlich...
Ein netter Mitgenervter brachte den bestechenden, aber sicher falschen (?) Gedanken auf, so könne gewährleistet werden, daß nichts negatives gebloggt oder getwittert würde... deswegen keine Strom- und Netzversorgung!?

Wikipedia

Weniger interessant als gehofft ist der Vortrag vom Wikipedia-Gründer Jimmy (nicht Jimbo, wie ich dem Programm nachplappernd getwittert habe) Wales: mehr ein Werbevortrag mit vielen Statistiken zur Erfolgsgeschichte von Wikipedia.
Interessant, dass die deutsche Wikipedia die fehlerfreieste ist.
Fraglich finde ich die Aussage, dass die guten Blogger Journalisten ersetzen (können) - was ist mit der Reichweite? Nicht im Sinne der Weite - die ist gegeben, natürlich, sondern im Sinne der Breite! Wie viele Menschen lesen ein Blog - die meisten Blogs belegen doch den schönen Spruch "never before have so many said so little to so few." (Zitatbelegung folgt, bis dahin: courtesy of J)
Sehr schön und bedenkenswert aber der Gedanke, daß ein Gemeinschaftsprodukt wie Wikipedia sich qualitätsmäßig nicht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner einpegelt, sondern daß die Akzeptanz eines Artikels umso größer ist, je besser dieser ist: also daß höhere Qualität der gemeinsame Nenner ist!
Zu schön, um wahr zu sein, so denke ich spontan, gleichzeitig doch hoffend, Mr Wales habe recht!

Donnerstag, 2. April 2009

Web 2.0 - Re:publica

Ich komme morgens um kurz vor 10 nach 10 km Radfahren ziemlich verschwitzt am Friedrichstadtpalast an - scheint mir irgendwie unpassend. Radeln Geeks zum Geek-Event quer durch die Stadt, den Laptop im Fahrradkorb? Ich glaube kaum.
Überhaupt fühl ich mich nicht wirklich richtig am Platz. Habe zwar zur Tarnung ein Laptop dabei - aber das ist ein 3 (?) Jahre altes ThinkPad, das outet mich wohl eher als Außenseiterin. Ebenso outet mich, dass ich keinen Netzzugang kriege - im Friedrichstadtpalast scheint das Re:publica-Netz nicht wirklich zu funktionieren. Aber natürlich sind genug Leute über Iphone oder sonstwie autark im Netz.
Der Friedrichstadtpalast ist erstaunlich angenehm; und ich sehe absolut den Reiz der peer group; muß toll sein, wirklich dazuzugehören zu der hippen Netz-Crowd und cool vom Leder ziehen zu können. Dazugehören, yeah!
Immerhin erstaunlich: meine automatisierte Gruppenabwehr schaltet sich hier nicht ein: das Volk ist angenehm autistisch; als Einzelgängerin falle ich nicht wirklich auf.
In der freebees-Tasche ist irgendwelcher Kram, dabei wäre, was man wirklich bräuchte, n Verlängerungskabel!

Freitag, 27. Februar 2009

Vom Eise befreit...

Heute morgen das erste Mal seit letztem Oktober mit dem Fahrrad zur Arbeit; ein Hauch von Frühling in der Luft, trügerisch natürlich, in Berlin kann der Winter noch einen guten Monat festkleben, aber trotzdem: es ist schon hell, Temperaturen im Plusbereich, Vogelzwitschern, kein Regen, fast ein paar Sonnenstrahlen und der letzte Kilometer durch den Tiergarten - Frühlings Erwachen.

Dienstag, 17. Februar 2009

The Exploding Girl


Dieser Film aus dem Forum ist mein Liebling der paar diesjährigen Berlinale-Filme. Die Geschichte (plot könnte man es erst recht nicht nennen) kaum der Rede wert: College-Mädel fährt in den Semsterferien heim zu Muttern in New York, telephoniert mit boy friend (bzw. eben nicht, weil der nicht erreichbar ist), der trennt sich dann per Telephon, gleichzeitig wirbt der alte Schulfreund verhalten um ihre Gunst. Why this movie, könnte man denken, aber: was ein wunder-, wunderschöner Film! Schon das Anfangsbild, wie auf der Autoscheibe gespiegelt das Laub grün dahinflirrt und dahinter das schlafende Gesicht des Mädchens mal deutlicher, mal fast gar nicht mehr zu sehen ist!
Die Bilder sind stringent durchkomponiert, meist strukturiert bzw. verengt durch vertikale Linien: Wände, Türrahmen, auf den Straßen laufen die Figuren oft zwischen Baumstämmen. Und diese Szene auf dem Hausdach! Wie die Tauben über den durchscheinenden Himmel fliegen, wie die Kamera auf einmal die Perspektive wechselt und wir auf der anderen Seite des Paares sind!
Die Stimmung ist romantisch-schwebend, fast lyrisch, trotz der fast dokumentarisch wirkenden Handkamera, die den Figuren stets mit Abstand folgt und oft dem Straßenverkehr erlaubt, sich zwischen sie und die Hauptfiguren zu schieben, und die letzte Szene - der Kreis schließt sich, es ist die Autofahrt zurück zum College - in der sich langsam langsam die Hände der beiden scheinbar Schlafenden fassen und verschränken, ist nach dem ruhigen intensiven Film herzrührend.

Freitag, 13. Februar 2009

Beeswax


Auch am Montag gesehen, in 45 Minuten vom Potsdamer Platz ins schon überfüllte Delphi-Foyer, wo auf Einlaß gewartet wird für diesen kleinen feinen amerikanischen Independent-Film über ein Zwillingsschwesternpaar in Austin. Genau was ich erwartet oder erhofft hatte, und nach "Alle anderen" Balsam für die Seele: ein schönes quirky setting in einem Vintage-Klamotten- und anderes-Laden, wunderbar echte und dennoch sympathisch verschrobene Figuren - und zwei überaus charismatische Laiendarstellerinnen in den Hauptrollen, die geradezu strahlen und zumindest mich völlig mitnehmen in ihr Filmleben. Man hat ein bißchen das Gefühl, netten Menschen bei ihrem normalen Leben zuzusehen, ohne das es das quälend langsame oder pomadige der so hoch gelobten, von mir aber als unerträglich empfundenen Berliner Schule hätte.
Der Regisseur wirkt beim anschließenden Gespräch wie ein total netter Kerl, der die Lampen an hat und mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde. Er sagt dann das, was ich schon länger wabernd dachte, aber nie so hätte auf den Punkt bringen können: er suche bei Filmen immer das Gefühl, dem Geschehen oder den Figuren ein bisschen hinterher zu sein: das sei das Größte, was ein Film erreichen könne, weil "wie im wahren Leben", wo man auch nicht immer genau weiß, was was bedeutet und wie es wohl weitergeht. Genau das hat er erreicht: man lebt mit, manchmal nicht ganz genau wissend, was warum passiert und wo man ist - und dann immer wieder bei Großaufnahmen der ausdrucksvollen Frauengesichter, bei denen man als Zuschauer quasi in ihre Augen blickt, ist man ganz bei den Figuren, ganz im Filmmoment.
Wunderbar.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Alle anderen


Nur 15 Stunden später sitze ich am Montag wieder im Berlinale-Palast bei der Premiere des zweiten deutschen Wettbewerbsbeitrags. Der erste Film von Maren Ade war eine beklemmende Lektion in Fremdscham; dieser Film über ein Paar, dessen Beziehungsgefüge katalysiert durch die Begegnung mit einem sehr anderen Paar in Schieflage gerät, ist ebenfalls sehr eindringlich, zumal "too close to home for comfort". Mich nimmt der Film schwer mit - kommen alle Beziehungen unweigerlich an diesen Punkt des Ungleichgewichts, der Machtspiele, der Rollenzuweisung und Fremddefinition der eigenen Identität, der Selbstentfremdung? Sicher spielt meine Übermüdung eine Rolle dafür, wie hart der Film mich trifft, aber es dürfte auch auf seine Qualität zurückzuführen sein, darauf, wie echt die Charaktere wirken, wie genau beobachtet dieser elende slippery slope dargestellt ist.
Hinterher frage ich mich, was genau die Relevanz eines derart aufs rein Privat-Persönliche beschränkten Filmes ist - ist das nicht reine Nabelschau, l'art pour l'art? Oder nicht, weil die Gesellschaft nunmal aus Individuen (bzw. Paaren...) besteht? Komisch, dieser Gedanke - so untypisch für mich, die ich finde, das Überpersönliche spiegelt sich im Individuellen.
Vielleicht nur der Kontrast zu "Storm" mit seinem weiteren Thema?

Dienstag, 10. Februar 2009

Rage



Dies war der Film, den ich unbedingt sehen wollte, weil ich "Yes" von Sally Potter - vor 3 Jahren auf der Berlinale im Panorama gesehen - so wunderbar fand, und so nahm ich billigend in Kauf, an einem Sonntag abend - vielmehr: Montag morgen! - erst um 1:00 Uhr ins Bett zu kommen, weil die Wettbewerbspremiere nunmal Sonntag abend um 22:30 Uhr war. Das brutale Schlafdefizit hat sich nicht gelohnt. Interessant ist die Idee des Erzählers - ein wiederkehrendes Element in Sally Potters Filmen. Hier ist er nicht zu sehen oder zu hören, und doch gäbe es ohne ihn keinen Film, er ist Auslöser des Erzählens der Figuren vor monochromen Hintergrund, aus denen sich die Geschichte formt. Sicher der formal experimentellste Film des Wettbewerbs - aber es reicht nicht für eineinhalb Stunden. Vielleicht hat Sally Potter zu sehr vernachlässigt, dass Film doch letztlich ein optisches Medium ist - ich hatte irgendwann keine Lust mehr, hinzusehen, außer bei Judi Dench. Es lag wohl nicht nur an meiner Müdigkeit, auch andere fanden den Film zu lang und letztlich zu inhaltslos.

Montag, 9. Februar 2009

Storm


Jawoll, so ist es dann auch: der neue Film von Hans-Christian Schmid im Wettbewerb am Samstag abend ist richtig gut. Seine wie immer nüchterne und klare und trotzdem schöne Bildersprache gewinnt immer mehr an Eindringlichkeit, je länger der Film dauert: die Gänge, durch die die Personen immerzu laufen und die mit Karten auf- oder zugeschlossen werden wirken immer beengender, immer mehr wie ein Gefängnis, insgesamt alles immer intensiver. Die Hauptdarstellerinnen sind großartig, ebenso die Nebendarsteller allesamt, und die Geschichte über einen Prozeß vor dem Gerichtshof in Den Haag ist nah an der Verfahrensrealität, überzeugend, klug und trotzdem sehr berührend.

Sonntag, 8. Februar 2009

Human Zoo


Mein erster Film der diesjährigen Berlinale am Samstag nachmittag; eine Wiederholung des Panorama-Eröffnungsfilms. Und: gequirlte Scheiße. Wirklich der schlechtes Film seit gefühlt mindestens einem Jahr. Er will Rock'n Roll sein, wild und aufregend - und ist dabei nur klischeehaft und platt. Eine hundertmal gesehene abgedroschene Einstellung jagt die nächste (Liebespaar im Gegenlicht vor Fenster mit - ja wirklich, mit! - leise wehenden Gardinen, um Finger kreisende Pistolen etc. Auch extreme Froschperspektive und schräge Bildausschnitte bleiben nicht 2 schier endlose Stunden lang interessant. Die Schnitte bzw. Überblenden vom Jetzt (Marseille, sepiafarben) zur Vergangenheit (Balkankrieg, Kosovo, blaugrau) sind schlecht, die Dialoge sind zum Davonlaufen, entweder unerträglich kindisch-kitschig oder wie abgelesene Vorträge zum Thema Assimilation oder Sozialdarwinismus - grauenvoll. Das kommt sogar die wunderbare Hiam Abbass scheiße rüber. Der Film wird dem Thema des Balkankrieges und Integration von Einwanderern sowas von nicht gerecht - zuviel "Lady Vengeance", zuviel sinnleere Effekthascherei, zu wenig Gedanken oder von mir aus auch Gefühl - und zuviel Möchtegern-Luc-Besson, der in meiner Achtung gestiegen ist, denn er hat den Film produziert, sich aber dann von ihm distanziert.
Mein Trost: die Qualität der Berlinale-Filme kann nur besser werden!

Donnerstag, 5. Februar 2009

Immer wieder februars

kommt die Berlinale. Diesmal von vornherein gebremster Schaum: gerade investiere ich soviel Zeit in anderes, jetzt auch noch Kinostreß? Ochnö.
Dennoch: die ersten Karten sind erstanden, für Freitag hat nichts geklappt - voller Servereinbruch am ersten online-Vorverkaufstag, also alles wie immer. Sa und So jeweils zwei Filme und erstaunlicherweise jeweils einen Premiere, dabei hab ich groß getönt "Wettbewerb, warum sollte ich Wettbewerb gucken?!"
Diesmal überhaupt meine Filmauswahl völlig kursorisch, nach mir selbst völlig unklaren Kriterien. Höchstens: alles Filme über Frauen, das könnte ein - zufälliger - gemeinsamer Nenner sein. Zufall? Ich hab dieses Jahr jedenfalls keinerlei Schwerpunkt gesetzt, anders als sonst, als ich überwiegend Panorama oder Generation 14plus (auch finanziell günstig, der Geheimtip ist es dieses Jahr aber auch nicht mehr, die Karten ebenso schnell weg wie fürs Panorama) geguckt habe oder vor allem englischsprachige Filme oder deutsche Filme oder Filme aus Osteuropa oder Ostasien - nix dergleichen dieses Jahr. Mal sehen, was dabei für eine Mischung rauskommt... und was für Qualitäten.
Die Kassenschlangen mittags bis gestern erstaunlich kurz, dafür heute umso länger - wie viele Leute haben noch nicht kapiert, dass der Kartenverkauf vor dem Eröffnungstag anfängt? Oder liegt es daran, dass heute die Karten für Samstag dran sind? Jedenfalls kommen mit den langen Schlangen die ersten Fernsehteams, auch lustig, als wäre das in irgendeinem Wortsinn eine Neuigkeit, das mit den Schlangen.
Die ersten Kartenpannen sind mir auch schon passiert; einen Film nicht gekriegt, einen anderen verpeilt, dafür schon für den letzten Sonntag eine Karte für einen Film, den ich eigentlich Montag abend hätte sehen wollen und können... also auch da alles wie immer. Ist doch schön, wenn es Konstanten im Leben gibt!

Freitag, 30. Januar 2009

Nunc Stans

Seit einigen Woche bin ich besessen von der Angst, zu vergessen und in Folge davon vom Dokumentieren von Geschehen. Was ist das? Mir ist das völlig fremd, bislang habe ich mich auf mein Elephantengedächtnis verlassen in dem Vertrauen, dass bleibt, was Bedeutung hat. Ist das ein Rückfall in die ungute Starre der letzten Jahre, das krampfige Festhalten, von dem ich mich glücklich befreit hatte? Ich hoffe, es bedeutet im Gegenteil die Überwindung des grauenhaft grauen Nunc Stans und nehme als Indiz, dass ich erstmals seit Jahren nicht nur Vergangenes festhalten will, sondern gleichzeitig mir auch Zukunft vorstellen mag und kann.

Mittwoch, 28. Januar 2009

The Road


Dieses Werk hatte ich schon einmal angefangen, konnte die postapokalyptische Welt und die düstere Stimmung nicht ertragen und habe es weggelegt; jetzt der zweite Anlauf, nachdem ich es mit wärmster Empfehlung zum Geburtstag geschenkt bekam. Was ein Glück! Schon auf der ersten Seite stellt sich ein Kribbeln ein, dieses Gefühl, als würde das Hirn einen Gang höherschalten, weil etwas ganz besonderes und großartiges mit voller Wachheit aufgenommen werden will.
Die Sprache ist der Hammer - und den Vergleich meine ich ernst, sowohl was die fast brutale Kraft angeht als auch das hammerschlagartige Stakkato der unvollständigen Sätze. Die ich sonst nicht mag und auch hier zunächst als störend maniriert empfinde - aber hier sind sie tatsächlich "richtig" - und so schmerzhaft ausdrucksvoll, daß es eine fast physische Reaktion auslöst. Wie macht McCarthy das nur, die Sprache ist eigentlich eiskalt und völlig distanziert, gar nicht auf Empathie aus - aber was für eine emotionale Wucht sie entwickelt! Etwas so aufregendes habe ich lange nicht gelesen.

Dienstag, 27. Januar 2009

So finster die Nacht


Ein Kindervampirfilm ("Ich bin 12 Jahre alt - aber das schon sehr lange") über die erste Liebe (zumindest für den Jungen, der erst seit 8 Monaten 12 Jahre alt ist) und was es heißt, Außenseiter zu sein in wundervoll komponierten, elegischen Bildern in ausgewaschenen Farben. Das Hinsehen ist eine Wonne, so schöne und eigenwillige Bilder (allein der Einsatz von Unschärfe!) habe ich lange nicht auf der Leinwand gesehen. Der Plot ist leider etwas dünn und z.T. unplausibel, und mit soviel Splatter hatte ich auch nicht gerechnet, zumal der reichlich unoriginell daherkommt und irgendwie überflüssig erscheint. Vielleicht dem Genre geschuldet, wer weiß, oder der die Lust des Regisseurs am Kontrast, Kontrast zu der vom Vampireffekt abgesehen eher leisen Geschichte.

Mittwoch, 21. Januar 2009

The Patron Saint of Liars



Dieser Roman von 1992 ist seit längerem das erste Buch, das mich packt, weil Geschichte und Erzählstimme von Rose direkt ins Herz gehen. Einem mißverstandenen Zeichen Gottes folgend - oder eher der typisch jungmädchenhaften übergroßen Sehnsucht nach der Liebe - heiratet sie, wird schwanger, verläßt ihren nicht geliebten Mann und sehr geliebte Mutter, um das Kind in einem von Nonnen geführten Heim für ledige Mütter auszutragen, zu gebären und dann sofort zur Adoption freizugeben. Dann aber entscheidet sich doch alles ganz anders; sie behält ihr Kind, bleibt als Köchin, heiratet erneut, erneut ohne Liebe - und trennt sich doch, emotional, sofort von ihrer Tochter. Die Icherzählung der Rose ist wunderbar getragen; die mythisch überhöhte, ernste Stimmung wird unterfüttert durch eine heilende Quelle und eine klarsichtige Nonne mit Stigmata an den Händen. Leider wechselt nach einem Drittel die Erzählstimmte zu Roses neuem Mann und für das letzte Drittel zu ihrer Tochter, und beide sind sehr viel weniger stimmig, gelungen und anrührend. Überhaupt bleibt das Gefühl zurück, daß der Roman seinen Versprechen des ersten Drittels nicht gerecht wird: der (innere) Plot verliert zu sehr an Dichte, die späteren Icherzähler sind wenig überzeugend und auch die angerissenen Themen werden nicht vertieft. Oder habe ich nur an Konzentration verloren?

Donnerstag, 1. Januar 2009

2009 aus zweiter Hand

Auf einer Weihnachtskarte wünschte mir eine liebe Freundin, daß 2009 so weitergehen möge, wie 2008 endete - vor nur 10 Tagen schien das ein wunderbarer Wunsch, jetzt sage ich "bitte bitte, nur das nicht!" Ich bin völlig einer Meinung mit Lucy von den Peanuts: "I think we've been stuck with a used year!" - es fühlt sich genau an wie in Dinner for One: the same procedure as last year, inklusive desselben Traumas.