In einem Interview mit Doris Dörrie zu ihrem neuen Film Kirschblüten-Hanami sagt sie auf die Frage, warum so selten Komödien auf Filmfestivals laufen, die meisten Leuten trauten ihren Tränen mehr als ihrem Humor. Das finde ich einen interessanten - und auch überzeugenden - Gedanken, egal, wie doof ich Frau Dörrie und ihre Filme ansonsten finde.
Vielleicht ist es nicht nur eine Frage des größeren Vertrauens in die Tränen, sondern auch der Wertigkeit - Weinen ist mehr wert, ist wertiger, als Lachen. Lachen ist die niedere Gefühlsäußerung, Weinen die edlere.
Dabei ist doch klar, wie einfach auf die Tränendrüse gedrückt werden kann. Es müssen nur entsprechende Harmonieabfolgen in der Filmmusik abgespult werden zusammen mit Großaufnahmen trauriger Gesichter z.B. bei schmerzlichen Abschieden - und die Tränen fließen. Von E.T. über Forrest Gump bis Brokeback Mountain: ich sitze im Kino und heule. Und das regelrecht auf Knopfdruck und gegen meinen Willen! Ich weiß genau, daß ich manipuliert werde, ich kann sogar präzise analysieren, wie diese Manipulation funktioniert - die Tränchen laufen trotzdem.
Wie kann das ein sichereres Urteil, wie kann das die verläßlichere Reaktion sein als Lachen?
Wenn ich einem als Qualitätsurteil mißtraue, dann sind das meine Tränen im Kino!
Lachen dagegen ist das Erkennen einer wahrhaftigen Darstellung der abgründigen Absurdität des Lebens - das Wiedererkennen der Realität bei gleichzeitiger Anerkennung des Transzendentieren und Erträglichmachen derselben durch Komik.
Meinem Lachen vertraue ich blind.
Donnerstag, 7. Februar 2008
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