Beim zweiten Mal habe ich etwas länger über die Beantwortung der einzelnen Fragen nachgedacht und versucht, insbesondere beim Systemaik-Teil wahrheitsgetreu(er) zu antworten. Und so fiel das Ergebnis diesmal auch weniger extrem aus: bei Empathie nur noch leicht über dem weiblichen Durchschnitt, aber immer noch: bei Systematik mehr als bei Empathie - und das ist mehr als beim männlichen Durchschnitt, wenn auch knapp
Mein Testergebnis:
Emphathizing Quotient: 56
Systemizing Quotient: 63
Brain Type: Systemizing
Zum Vergleich:
Durchschnnittwerte EQ: Frauen 48 - Männer 39 Punkte
Durchschnittswerte SQ: Frauen 51,7 - Männer 61,2 Punkte.
Aber - hallo - da stimmt doch was nicht? Auch bei Frauen ist die Durchscnittspunktzahl höher bei "systematisierend" als bei "empathisch". Liegt das nur daran, dass der Systematik-Testteil mehr Fragen umfaßt? Aber trotzdem ist das doch seltsam: warum werden Frauen insgesamt als "emphatisch" beschrieben (trotz knapp höherer Punktzahl für "systematisierend" - bei meinem Ergebnis steht dann aber dick da: "systemizing"? Kommt mir alles etwas schief und krumm vor.
Und bitte schön warum werden zum Schluß Geschlecht, Alter, Bildungsgrad und, besonders absurd, ob ich Immobilienbesitzer bin oder nicht, abgefragt? Welchen Einfluß hat das dann auf das Ergebnis?
Samstag, 29. September 2007
Freitag, 28. September 2007
Systematik/Emphatie
Robert hat mich mal wieder auf einen Test hingewiesen, nach dem "Haben Sie Asperger" und "Wie weiblich/männlich ist Ihr Hirn" diesmal: "Ist Ihr Hirn eher emphatisch oder systematisch?". Ich habe erst den emphatischen Teil des Tests gemacht, mit erwartetem Ergebnis: sehr emphatisch. Beim systematischen Teil des Tests aber muß ich irgendwas falsch gemacht haben: das Ergebnis liegt noch weit darüber! Über dem Durchschnitt der männlichen Vergleichsgruppe! Ich habe ein Mega-Männerhirn!
Ich muß wohl doch einige Fragen etwas geschönt beantwortet haben in dem Unwillen, mich in ins Klischee weiblich=Empathie, männlich=Systematik pressen zu lassen. Ehrlicherweise fällt es mir doch nicht so ganz leicht, mir die Autobahnverbindungen in und um Berlin vorzustellen und auch die Namen von Pflanzen interessieren mich nicht ganz so stark, wie ich behauptet habe.
Ich muß wohl doch einige Fragen etwas geschönt beantwortet haben in dem Unwillen, mich in ins Klischee weiblich=Empathie, männlich=Systematik pressen zu lassen. Ehrlicherweise fällt es mir doch nicht so ganz leicht, mir die Autobahnverbindungen in und um Berlin vorzustellen und auch die Namen von Pflanzen interessieren mich nicht ganz so stark, wie ich behauptet habe.
Kunst!
Die merkwürdigen und schönen Gebilde im Tiergarten sind tatsächlich Kunst, wie vermutet. Ich habe sie bei Tag gesehen, es sind allerdings Lichtinstallationen. Das muß ich mir dringend nochmal bei Dämmerung ansehen!
Donnerstag, 27. September 2007
Kunst?
Irrer Anblick: heute morgen schwammen auf dem Tiergartengewässer mindestens ein Dutzend dieser gestreiften viereckigen Plastikkoffer und etwa genausoviele kleine Flöße vollgestellt mit Plastikflaschen unterschiedlichster Größe und Form in diversen Farben. Wie seltsame Schwäne und Seerosen.
Im frühen Morgenlicht und auf dem stillen Wasser schwebend sah das surreal und wunderschön aus.
Im frühen Morgenlicht und auf dem stillen Wasser schwebend sah das surreal und wunderschön aus.
Mittwoch, 26. September 2007
The Master
Jetzt bin ich schon fast durch mit "The Master" von Colm Tóibín. Dies ist nun tatsächlich eine fiktionalisierte Biographie, nämlich ca. 5 Jahre im Leben von Henry James. Lange stand es ungelesen im Bücherregal, weil ich immer vorhatte, erst mindestens einen Roman von Henry James zu lesen. Um zu wissen, "worum es geht" sozusagen. Zu meiner Schande sei's gesagt, bisher kenne ich nur Auszüge aus "Portrait of a Lady" und ein oder zwei seiner Geschichten.
"The Master" ist - zumindest für mich - auch extrem lesenswert, ohne etwas über Henry James zu wissen bzw. seine Bücher zu kennen. Für mich ist es fast irrelevant, daß die Hauptperson des Buches eben Henry James ist. Es wird ein hochkomplizierter, sehr introvertierter Charakter geschildert und seine detaillierte Sicht auf die Welt - insbesondere die Menschen. Die Schilderung der Charaktere, wie sich in ihrer Erscheinung und ihren Gesten ihr ganzes Wesen enthüllt, ist wunderbar.
Alles ist streng aus der Sicht und Innenperspektive von Henry James' erzählt, so daß ich nicht ganz aufgedröselt habe, ob das seine Erzählstimme ist oder die von Colm Tóibín, die so minutiös und hochkomplex die Charaktere beschreibt, geistig hochinteressiert, emotional dagegen meist unbeteiligt.
Jedenfalls: tolles Buch!
"The Master" ist - zumindest für mich - auch extrem lesenswert, ohne etwas über Henry James zu wissen bzw. seine Bücher zu kennen. Für mich ist es fast irrelevant, daß die Hauptperson des Buches eben Henry James ist. Es wird ein hochkomplizierter, sehr introvertierter Charakter geschildert und seine detaillierte Sicht auf die Welt - insbesondere die Menschen. Die Schilderung der Charaktere, wie sich in ihrer Erscheinung und ihren Gesten ihr ganzes Wesen enthüllt, ist wunderbar.
Alles ist streng aus der Sicht und Innenperspektive von Henry James' erzählt, so daß ich nicht ganz aufgedröselt habe, ob das seine Erzählstimme ist oder die von Colm Tóibín, die so minutiös und hochkomplex die Charaktere beschreibt, geistig hochinteressiert, emotional dagegen meist unbeteiligt.
Jedenfalls: tolles Buch!
In Worte fassen
Das In-Worte-Fassen einer schlimmen oder gar schrecklichen Begebenheit scheint eine Art zu sein, das Geschehene zu verarbeiten. Es ist, als wolle man mit dem Überführen des Geschehens in Worte dessen Unmittelbarkeit bannen. Wenn ich etwas häufig genug ausspreche, verliert es seinen Schrecken?
Ich frage mich, ob nicht das Gegenteil der Fall ist. Ob nicht das Einkleiden von Schrecken in Worte den Horror nur verstärkt. Am Anfang war das Wort - das heißt doch, daß Worte unbedingt Realität sind. Aus Worten ist die Welt gebildet.
Oder so: es scheint eine gewisse Lust daran zu geben, Gräßlichkeiten in aller Ausführlichkeit und möglichst drastisch zu schildern. Im normalen Leben wird es selten etwas sein wie "und dann schoß ihm das Blut aus Mund und Nase, überall war Blut..." Eher kleiner Gräßlichkeiten, denen mit einer gewissen Begeisterung an eben der Gräßlichkeit Worte verliehen werden.
Aber vielleicht ist es besser, so etwas nicht wieder und wieder in Worten abzubilden und ihnen damit wieder und wieder anschauliche Realität zu verleihen.
Ich frage mich, ob nicht das Gegenteil der Fall ist. Ob nicht das Einkleiden von Schrecken in Worte den Horror nur verstärkt. Am Anfang war das Wort - das heißt doch, daß Worte unbedingt Realität sind. Aus Worten ist die Welt gebildet.
Oder so: es scheint eine gewisse Lust daran zu geben, Gräßlichkeiten in aller Ausführlichkeit und möglichst drastisch zu schildern. Im normalen Leben wird es selten etwas sein wie "und dann schoß ihm das Blut aus Mund und Nase, überall war Blut..." Eher kleiner Gräßlichkeiten, denen mit einer gewissen Begeisterung an eben der Gräßlichkeit Worte verliehen werden.
Aber vielleicht ist es besser, so etwas nicht wieder und wieder in Worten abzubilden und ihnen damit wieder und wieder anschauliche Realität zu verleihen.
Trauer II
Natürlich ist es ein Reflex des Mitgefühls, daß wir jeden Todesfall als Unglück für die nahe Beteiligten erleben, für die Witwe, die Waisen, die überlebenden Eltern gar oder die Geschwister. Natürlich erschreckt uns jeder Tod, weil die Trauernden unser Mitleid haben.
Natürlich stimmt uns jeder Tod traurig, weil jeder Tod ein Verlust ist, weil jeder Mensch unwiederbringlich ist.
Aber persönliche Trauer, das Gefühl, daß mir jemand weggenommen wurde, das mitunter minütliche schmerzliche Vermissen, eine schockartige Veränderung im eigenen Leben, wann erleidet man das?
Wenn ein Mensch stirbt, den wir geliebt haben. Auch wenn wir ihn vielleicht selten getroffen oder jahrelang nicht gesehen haben - wenn wir an jemandem hängen, tut es weh, wenn er aufhört, da zu sein.
Natürlich stimmt uns jeder Tod traurig, weil jeder Tod ein Verlust ist, weil jeder Mensch unwiederbringlich ist.
Aber persönliche Trauer, das Gefühl, daß mir jemand weggenommen wurde, das mitunter minütliche schmerzliche Vermissen, eine schockartige Veränderung im eigenen Leben, wann erleidet man das?
Wenn ein Mensch stirbt, den wir geliebt haben. Auch wenn wir ihn vielleicht selten getroffen oder jahrelang nicht gesehen haben - wenn wir an jemandem hängen, tut es weh, wenn er aufhört, da zu sein.
Dienstag, 25. September 2007
Trauer
Was genau ist Trauer? Wann ist Trauer mehr als nur das Erschrecken über die Sterblichkeit, vor allem auch die eigene?
Können wir um jemanden trauern, der in unserem täglichen Dasein keine Rolle gespielt hat?
Betrauern wir die endgültige Abwesenheit eines Menschen, den wir kaum vermissen können, da er für unser Leben keine wirkliche Bedeutung hatte? Wenn ich einen Menschen zwar Zeit meines Lebens kannte, ihn aber nur ein- oder zweimal im Jahr ohne besonderes Interesse gesehen habe - was genau bedeutet dessen Tod mir? Ist es mehr als eine abstrakte Traurigkeit über die Vergänglichkeit, mehr als das Erschrecken über die Erinnerung an den eigenen Tod, mehr als das Bedauern, daß sich unsere persönliche Welt unkontrollierbar und endgültig verändert hat?
Vielleicht ist Trauer ein Gradmesser für die Liebe. Das Gefühl eines ureigenen Verlustes, wenn mit dem Sterben eines Menschen ein Stück des eigenen Herzens herausgerissen wird. Wenn plötzlich der geliebte Mensch nicht mehr existiert - die Liebe aber natürlich nicht mit dessen Tod aufhört in uns und uns täglich quält: da ist niemand mehr, dem diese Liebe gilt. Sie geht nicht ins Leere, aber in eine schmerzende Abwesenheit.
Können wir um jemanden trauern, der in unserem täglichen Dasein keine Rolle gespielt hat?
Betrauern wir die endgültige Abwesenheit eines Menschen, den wir kaum vermissen können, da er für unser Leben keine wirkliche Bedeutung hatte? Wenn ich einen Menschen zwar Zeit meines Lebens kannte, ihn aber nur ein- oder zweimal im Jahr ohne besonderes Interesse gesehen habe - was genau bedeutet dessen Tod mir? Ist es mehr als eine abstrakte Traurigkeit über die Vergänglichkeit, mehr als das Erschrecken über die Erinnerung an den eigenen Tod, mehr als das Bedauern, daß sich unsere persönliche Welt unkontrollierbar und endgültig verändert hat?
Vielleicht ist Trauer ein Gradmesser für die Liebe. Das Gefühl eines ureigenen Verlustes, wenn mit dem Sterben eines Menschen ein Stück des eigenen Herzens herausgerissen wird. Wenn plötzlich der geliebte Mensch nicht mehr existiert - die Liebe aber natürlich nicht mit dessen Tod aufhört in uns und uns täglich quält: da ist niemand mehr, dem diese Liebe gilt. Sie geht nicht ins Leere, aber in eine schmerzende Abwesenheit.
Donnerstag, 20. September 2007
lustige Münchner
Noch eine schöne Formulierung habe ich in München in einem Biergarten (jetzt wollte ich erst "Tiergarten" schreiben, das stimmt zwar manchmal auch irgendwie in den Biergärten, aber ist jetzt doch nicht das, was ich meinte) auf einem Schild gelesen: "Bediente Terrasse".
Ist ja klar, was damit gemeint ist, ich bin aber hinreichend jugendsprachenverdorben (oder wie nennt man das, insbesondere, wenn man selber so was von gar nicht mehr jugendlich ist? Slang?), daß mich das Schild doch merkwürdig anmutet.
"Die Terrasse ist ja sowas von bedient."
Was nur, frage ich mich, läßt eine Terrasse bedient sein? Was bedeutet für eine Terrasse eine Zumutung, die sie bedrückt, niedergeschlagen, erschöpft, oder sonstwie bedient sein läßt?
Ist ja klar, was damit gemeint ist, ich bin aber hinreichend jugendsprachenverdorben (oder wie nennt man das, insbesondere, wenn man selber so was von gar nicht mehr jugendlich ist? Slang?), daß mich das Schild doch merkwürdig anmutet.
"Die Terrasse ist ja sowas von bedient."
Was nur, frage ich mich, läßt eine Terrasse bedient sein? Was bedeutet für eine Terrasse eine Zumutung, die sie bedrückt, niedergeschlagen, erschöpft, oder sonstwie bedient sein läßt?
Dienstag, 18. September 2007
Tröstliche Formulierung
"Dann verläßt mich der Mut" - so eine tröstliche Formulierung! Anders als "dann verliere ich den Mut" oder gar "dann bin ich zu feige" ist das etwas, für das ich keinerlei Verantwortung habe, das sich gänzlich meiner Kontrolle entzieht. Ich entscheide nicht, ich handel nicht - das macht alles der Mut ganz alleine. Der beschließt einfach, mich zu verlassen und geht.
Montag, 17. September 2007
Fehlzitat
So ein Zufall: Gerade fällt mir eine wissenschaftliche Abhandlung in die Hand, 2003 in der Michigan State University Press erschienen, "Gendering Talk" von Robert Hopper. Dort steht als Vorwort des zweiten Kapitels ein Zitat aus den "Stone Diaries". Als Verfasserin wird eine "Carol Stone" angegeben und der erste Satz dieses Kapitels in Mr Hoppers Buch lautet: "This segment from Carol Stone's fictionalized memoir 'The Stone Diaries'..."
Hallo!?
Carol Shields heißt die Frau!
Erstens: bitteschön, richtiges Zitieren in einer wissenschaftlichen Arbeit, das sollte ja wohl mindestens klappen!
Zweitens - und viel schöner: voll reingefallen!
Carol Shields' (!) Buch verwischt die Grenzen zwischen fiktionaler und wirklicher Biographie und mehr. Wie es jemand im San Francisco Chronicle viel besser ausgedrückt hat: " 'The Stone Diaries' chips away at our most cherished, comforting beliefs about the immutability of facts and fate."
Das gelingt nun offenbar so souverän, dass Herr Robert Hopper (Professor for Communication at the University of Texas - o.k., es ist nicht Harvard, aber trotzdem) nicht mehr auseinanderbekommt, was hier Fiktion und was Realität ist und der Fehleinschätzung "fiktionalisierte Memoiren" erliegt. Nein, knapp vorbei - es handelt sich um einen Roman! Roman! Fiktion! Nix (Auto)Biographie! Der Name der Verfasserin lautet also auch nicht Stone - Stone heißt anfänglich die Romanfigur!
Drittens - und gänzlich gruselig: Dieses Fehlzitat findet sich in einem Buch, das das "Gendering" in Kommunikationsprozessen zwischen Mann und Frau behandelt.
Man addiere dann noch Frau Senta Trömel-Plötz' (no games with names!) Erkenntnis, daß die Verunstaltung oder falsche Wiedergabe des Namens eine probate Mißachtung ist, die überwiegend Frauen zu erdulden haben - und: bingo!
Hallo!?
Carol Shields heißt die Frau!
Erstens: bitteschön, richtiges Zitieren in einer wissenschaftlichen Arbeit, das sollte ja wohl mindestens klappen!
Zweitens - und viel schöner: voll reingefallen!
Carol Shields' (!) Buch verwischt die Grenzen zwischen fiktionaler und wirklicher Biographie und mehr. Wie es jemand im San Francisco Chronicle viel besser ausgedrückt hat: " 'The Stone Diaries' chips away at our most cherished, comforting beliefs about the immutability of facts and fate."
Das gelingt nun offenbar so souverän, dass Herr Robert Hopper (Professor for Communication at the University of Texas - o.k., es ist nicht Harvard, aber trotzdem) nicht mehr auseinanderbekommt, was hier Fiktion und was Realität ist und der Fehleinschätzung "fiktionalisierte Memoiren" erliegt. Nein, knapp vorbei - es handelt sich um einen Roman! Roman! Fiktion! Nix (Auto)Biographie! Der Name der Verfasserin lautet also auch nicht Stone - Stone heißt anfänglich die Romanfigur!
Drittens - und gänzlich gruselig: Dieses Fehlzitat findet sich in einem Buch, das das "Gendering" in Kommunikationsprozessen zwischen Mann und Frau behandelt.
Man addiere dann noch Frau Senta Trömel-Plötz' (no games with names!) Erkenntnis, daß die Verunstaltung oder falsche Wiedergabe des Namens eine probate Mißachtung ist, die überwiegend Frauen zu erdulden haben - und: bingo!
Hallam Foe
Gut, ich habe nicht viel erwartet, und dann hat ein Film es ja meist leichter, mich doch für sich einzunehmen. Nachdem ich wußte, daß Freunde aus Langeweile aus dem Film rausgegangen sind, wollte ich ihn dann doch sehen - wegen Schottland und Edinburgh, also eigentlich nur als Diashow und um schottisch zu hören. Dann fand ich die Geschichte des ödipal und sonstwie verstörten Jungen aber doch überraschend anrührend und auch unterhaltsam, zumal der Film manchmal durchaus einen gewissen schrägen Witz hat. Insgesamt viel weniger abgründig als der frühere Film des Regisseurs "Young Adam" - und mit viel mehr Optimismus. Ich hatte als Charaktere überwiegend Monster erwartet, die einen völlig kalt lassen oder gar abstoßen, aber so schräg oder unwahrscheinlich sie letztlich sind, wecken sie doch alle durchaus Sympathie oder Mitgefühl. Auch für Hallam hatte ich irgendwie Verständnis oder auch Mitleid, weil sein Spannen und seine Mutterfixierung doch sichtlich einem verstörten armen Seelchen entspringen. Und er sich damit auch immer selber verletzt.Und: klasse Musik! Nicht umsonst hat der Soundtrack den Silbernen Bären 2007 bekommen. Gibt dem Film eine rauhe Energie und Drive.
unprätentiös
Vor einer Dönerbutze in München steht das Schild: "Sie müssen essen, sonst verhungern wir beide."
Dermaßen knallhart war mir der Kausalzusammenhang zwischen meinem Hunger und der Existenzsicherung von Imbißbudenbesitzern bisher nicht klargemacht worden. Jetzt kann ich an keiner Dönerbude mehr vorbeigehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Dermaßen knallhart war mir der Kausalzusammenhang zwischen meinem Hunger und der Existenzsicherung von Imbißbudenbesitzern bisher nicht klargemacht worden. Jetzt kann ich an keiner Dönerbude mehr vorbeigehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Donnerstag, 13. September 2007
Schweres am Morgen - und völlig Triviales
In den "Stone Diaries" gibt es die Figur des Barker Flett, ein Botaniker, der vor Intimität und enger menschlicher Verwicklung zurückschreckt. Er rettet sich in die Systematik der botanischen Nomenklatur, lebt allein und verbietet sich seine eine spontane emotionale Regung: er fühlt sich - 22jährig - zu einem elfjährigen Mädchen hingezogen, daß so etwas wie sein Mündel ist. Auch nachdem sie wieder bei ihrem Vater lebt, schreibt er ihr regelmäßig alle 2 Monate einen Brief, 20 Jahre lang. Diese Frau und die Briefe an sie sind - abgesehen vom täglichen Umgang mit Kollegen, Nachbarn - seine einzige Verbindung mit einem anderen Mensch. Wie anrührend! Wie herzzerreissend!
Aber warum eigentlich?
Warum nehmen wir (wir? oder nur ich?) diesen Typ von Charakter als besonders tragisch wahr? In Büchern, Filmen, Theaterstücken - warum gehen die Figuren so ans Herz, die ihre Freunde verlieren, die ihre Liebe nicht finden, die wir allein in - meist eher dunklen, abendlichen - Räumen sehen? Vielleicht wollten sie ihre Liebe gar nicht finden, vielleicht haben sie ihre Freundschaft selber weggeworfen, vielleicht _wollen_ sie allein sein! Sind das nicht vielleicht die glücklicheren Menschen? Sie können sich ihre Illusionen und ihre Träume ewig bewahren. Ohne Realitätsabgleich keine Desillusionierung. Die von weitem Geliebte bleibt auf immer vollkommen, der jung verstorbene Freund auf immer ein Idol.
Überhaupt: warum erscheint uns Einsamkeit als so ein schlimmes Los, das schlimmste überhaupt? Was genau daran erscheint uns so erbarmenswert, was genau daran schreckt uns so?
Ist die Angst vor Einsamkeit letztlich und ganz am Grunde nichts anderes als die Angst vorm Tod, dem ultimativen Alleinsein? Empfinden wir die einsamen Helden als so herzzerreißend, weil dahinter unsere Angst liegt, bis zum Ende und am Ende allein zu sein? Allein zu sein, wenn die Not am größten ist?
Falls das so ist, kann man das Mitgefühl mit den einsamen Existenzen in der Kunst (aber ob auch im Leben?) getrost hinter sich lassen: jeder stirbt sich selbst. Am Ende ist jeder ganz für sich.
And now for something _completely_ different:
Ich wußte es! Noch vor wenigen Wochen tönte ich, niemals, nie im Leben, never ever würde ich den skinny-Jeans-Mist mitmachen. Und schon bin ich weichgekocht. Gestern habe ich eine Jeans gekauft, die weit weg davon ist, skinny zu sein. Aber sie ist auch bei weitem nicht weit (haha) , ausgestellt oder gerade geschnitten. Also vielleicht: Röhre. Und das ist, wir wollen uns nichts vormachen, der erste Schritt zur skinny Jeans.
Meine Resistenzen gegen das furchtbare 80er-Jahre-Revival sind offenbar der Augeninfektion zum Opfer gefallen... das Immunsystem wird anderweitig beansprucht, da ist der privaten Wiederkehr von Ringel-T-Shirts und Schulterpolstern Tür und Tor geöffnet.
Aber warum eigentlich?
Warum nehmen wir (wir? oder nur ich?) diesen Typ von Charakter als besonders tragisch wahr? In Büchern, Filmen, Theaterstücken - warum gehen die Figuren so ans Herz, die ihre Freunde verlieren, die ihre Liebe nicht finden, die wir allein in - meist eher dunklen, abendlichen - Räumen sehen? Vielleicht wollten sie ihre Liebe gar nicht finden, vielleicht haben sie ihre Freundschaft selber weggeworfen, vielleicht _wollen_ sie allein sein! Sind das nicht vielleicht die glücklicheren Menschen? Sie können sich ihre Illusionen und ihre Träume ewig bewahren. Ohne Realitätsabgleich keine Desillusionierung. Die von weitem Geliebte bleibt auf immer vollkommen, der jung verstorbene Freund auf immer ein Idol.
Überhaupt: warum erscheint uns Einsamkeit als so ein schlimmes Los, das schlimmste überhaupt? Was genau daran erscheint uns so erbarmenswert, was genau daran schreckt uns so?
Ist die Angst vor Einsamkeit letztlich und ganz am Grunde nichts anderes als die Angst vorm Tod, dem ultimativen Alleinsein? Empfinden wir die einsamen Helden als so herzzerreißend, weil dahinter unsere Angst liegt, bis zum Ende und am Ende allein zu sein? Allein zu sein, wenn die Not am größten ist?
Falls das so ist, kann man das Mitgefühl mit den einsamen Existenzen in der Kunst (aber ob auch im Leben?) getrost hinter sich lassen: jeder stirbt sich selbst. Am Ende ist jeder ganz für sich.
And now for something _completely_ different:
Ich wußte es! Noch vor wenigen Wochen tönte ich, niemals, nie im Leben, never ever würde ich den skinny-Jeans-Mist mitmachen. Und schon bin ich weichgekocht. Gestern habe ich eine Jeans gekauft, die weit weg davon ist, skinny zu sein. Aber sie ist auch bei weitem nicht weit (haha) , ausgestellt oder gerade geschnitten. Also vielleicht: Röhre. Und das ist, wir wollen uns nichts vormachen, der erste Schritt zur skinny Jeans.
Meine Resistenzen gegen das furchtbare 80er-Jahre-Revival sind offenbar der Augeninfektion zum Opfer gefallen... das Immunsystem wird anderweitig beansprucht, da ist der privaten Wiederkehr von Ringel-T-Shirts und Schulterpolstern Tür und Tor geöffnet.
Mittwoch, 12. September 2007
Knocked up/Beim ersten Mal
Fieser Film. Eine Stunde kann man das noch mehr oder weniger witzig finden (my guess: als Mann eher witziger, ist eher son Jungsfilm). Aber dann werden einem doch nur noch massiv konservativste family values reingedrückt. Und das macht den Film letztlich so ärgerlich: daß er total verlogen ist. Kommt so lockerlässig und jungspuntig daher, transportiert letztlich aber nur beinhart fieseste Pseudomoral. Lieber irgendein Vater als gar kein Vater, für's Kind rauft man sich zusammen.
Davon mal ganz abgesehen: wie wahrscheinlich! Die blonde Karrieretusse, die auch unter Preßwehen einen golden schimmernden Teint hat und der dickliche Oberschlaffi erkennen, dass sie genau richtig füreinander sind und sich innig lieben. Klar doch. Ganz bestimmt.
Davon mal ganz abgesehen: wie wahrscheinlich! Die blonde Karrieretusse, die auch unter Preßwehen einen golden schimmernden Teint hat und der dickliche Oberschlaffi erkennen, dass sie genau richtig füreinander sind und sich innig lieben. Klar doch. Ganz bestimmt.
Dienstag, 11. September 2007
Mehr über Bücher. Und : Lebkuchen!

Nachdem ich darüber deliriert habe, wie toll Philip Pullman doch ist, ist mir eingefallen, dass ich ja noch ein Buch angefangen und nach ca. 80 Seiten wieder weggelegt habe - und daß das von Philip Pullman war, nämlich "The Tin Princess".
Wie der Klappentext sagt, ein "swashbuckling Victorian thriller". Aha. Ein verwegener Thriller. Das Aufregendste für mich als deutschsprachigen Leser war, daß es um ein fiktives winziges Land zwischen Österreich und Deutschland geht und daher einige deutsche Floskeln eingestreut waren, und die Leute "Frau" bzw. "Herr" Sowieso (bzw. Soandso) hießen. Und die Beschreibung des Landes ist wahlweise witzig oder ärgerlich: ein kinderklischeehaftes Bayern oder Österreich. Das hat mein Interesse aber nicht mehr als wie gesagt ca. 80 Seiten gefesselt. Irgendwie zuwenig Handlung, zu uninteressante Charaktere. 5 Seiten lang wird beschrieben, wie die - durch ein Attentat ihres soeben angetrauten Gatten und frischgebackenen Königs nun ihrerseits frischgebackene - Königin eine Fahne auf einen Hügel schleppt. Was daran aber derart großartig und heroisch ist, daß mich das 5 Seiten lang packen soll, hat sich mir nicht erschlossen.
Außerdem bin ich zu "Summer Sisters" noch auf die hübsche Einschätzung (der Cosmopolitan) gestoßen: "You'll love it like a sister". Au Backe. Arme Schwestern...
And now for something completely different:
endlich gibt es Spekulatius, Lebkuchen und den ganzen anderen Weihnachtskram!
Dem Kalender nach etwas früh, aber dem Wetter ja durchaus angemessen. Ich war in letzter Zeit im Supermarkt jedesmal regelrecht irritiert, daß es noch keinen Weihnachstgebäckkram gab.
Wahrscheinlich ist Weihnachten dieses Jahr auch ein paar Wochen früher, nachdem der November in den September vorverlegt wurde. Komisch nur, daß die Bäume noch so grün sind.
Außerdem bin ich zu "Summer Sisters" noch auf die hübsche Einschätzung (der Cosmopolitan) gestoßen: "You'll love it like a sister". Au Backe. Arme Schwestern...
And now for something completely different:
endlich gibt es Spekulatius, Lebkuchen und den ganzen anderen Weihnachtskram!
Dem Kalender nach etwas früh, aber dem Wetter ja durchaus angemessen. Ich war in letzter Zeit im Supermarkt jedesmal regelrecht irritiert, daß es noch keinen Weihnachstgebäckkram gab.
Wahrscheinlich ist Weihnachten dieses Jahr auch ein paar Wochen früher, nachdem der November in den September vorverlegt wurde. Komisch nur, daß die Bäume noch so grün sind.
gutes Buch schlechtes Buch
Jetzt hab ich in den letzten 4 oder 5 Tagen fast ebensoviele Bücher angefangen - und alle wieder weggelegt. Was ist los? Bin ich's oder sind's die Bücher?
Los gings mit einem englischen Kinderbuch "Magyk" von Angie Sage. (Das y! irgendwie affig, mich hats aber angezogen.) Angeblich ganz toll, die Rezension war so ungefähr "Watch it, Harry Potter, here's a new young magician". Was die ca. 100 Seiten des Buches, die ich durchgehalten habe, mir aber nur gezeigt haben, ist, wie gut Harry Potter wirklich ist. Oder Philip Pullman, der ja merkwürdigerweise in Deutschland ziemlich unbekannt ist.
Naja, das wird sich ändern, wenn die Verfilmung von "Northern Lights" im Dezember ins Kino kommt. Noch dazu mit sexy Nicole Kidman und sexy blond Bond Daniel Craig. Damit auch die Eltern was davon haben. Oder so. Mir graut es jetzt schon davor, dass ein zu unrecht hierzulande unbekanntes Buch dann der Renner wird, weil die Verfilmung - die dem Buch einfach nicht gerecht werden kann, oder geht der Film 8 Stunden? - als Blockbuster ins Kino gepuscht wird. Strategisch zur Weihnachtszeit. Das Buch zum Film. Kennt man ja.
Anyway - ich schweife ab.
Also das erste Buch war doofes Kinderbuch, was will man erwarten, also gut, weggelegt.
Weil ich im Moment aber starkes Bedürnis nach hirnlosem Eskapismus habe, kam als nächstes ein Bestseller, zugegeben von vor 10 Jahren und evtl. auch nur in den USA: "Sommer Sisters" von Judy Blum. Oder Blume?
Also zu einer Bekannten, Carol Shields. Ihr "The Stone Diaries", für das sie den Pulitzer Preis bekommen hat. Und siehe da - es liegt nicht (nur) an mir: ein Buch zum Dranbleiben, das Gefühl, bei der Erzählstimme gut aufgehoben zu sein und Neues über scheinbar Belangloses zu erfahren.
Hurra. Endlich wieder ein Buch zum Lesen-Wollen.
Wen es interessiert (und wen WIRD es interessieren, was hier steht?) - ein relativ sicherer Tip für Leute, die Carol Shields (und vielleicht insbes. "The Stone Diaries") mögen, dürfte "Gilead" von Marilynne Robinson sein. Dieselbe "serene" - hier fällt mir mal wieder nicht das deutsche entsprechende Wort ein, vielleicht "ruhig/gelassen"- und zutiefst humane, irgendwie weise, ernste, aber nicht humorlose Erzählhaltung bzw. Erzählstimme. Dieselbe Einsicht in Alltägliches und seine Transzendenz.
Genug für heute.
Los gings mit einem englischen Kinderbuch "Magyk" von Angie Sage. (Das y! irgendwie affig, mich hats aber angezogen.) Angeblich ganz toll, die Rezension war so ungefähr "Watch it, Harry Potter, here's a new young magician". Was die ca. 100 Seiten des Buches, die ich durchgehalten habe, mir aber nur gezeigt haben, ist, wie gut Harry Potter wirklich ist. Oder Philip Pullman, der ja merkwürdigerweise in Deutschland ziemlich unbekannt ist.
Naja, das wird sich ändern, wenn die Verfilmung von "Northern Lights" im Dezember ins Kino kommt. Noch dazu mit sexy Nicole Kidman und sexy blond Bond Daniel Craig. Damit auch die Eltern was davon haben. Oder so. Mir graut es jetzt schon davor, dass ein zu unrecht hierzulande unbekanntes Buch dann der Renner wird, weil die Verfilmung - die dem Buch einfach nicht gerecht werden kann, oder geht der Film 8 Stunden? - als Blockbuster ins Kino gepuscht wird. Strategisch zur Weihnachtszeit. Das Buch zum Film. Kennt man ja.
Anyway - ich schweife ab.

Also das erste Buch war doofes Kinderbuch, was will man erwarten, also gut, weggelegt.
Weil ich im Moment aber starkes Bedürnis nach hirnlosem Eskapismus habe, kam als nächstes ein Bestseller, zugegeben von vor 10 Jahren und evtl. auch nur in den USA: "Sommer Sisters" von Judy Blum. Oder Blume?
Immerhin damals ein New York Times Book of the Year, wenn das Jahr auch schon etwas zurueckliegt. Jedenfalls: auch das ging nur 50 Seiten. Nee, sowas hat man schon zu oft gelesen, Jugendfreundschaft zweier gaaanz unterschiedlicher Mädchen, die sich dann entfremden, einmal darf man raten, warum, genau: wegen eines Mannes. Oder noch Jugens? Soweit hab ich nicht gelesen, um das sagen zu können.
Der Eskapismus bringt's auch nicht, also doch wieder zu anspruchsvollerem:
Der Eskapismus bringt's auch nicht, also doch wieder zu anspruchsvollerem:
"Carry Me Down" von M J Hyland, immerhin letztes Jahr auf der Kurzliste des Man Booker Prize. Das ging aber auch nicht: nach 20 Seiten soll ein Sack mit Katzenjungen ertränkt werden, als das nicht klappt, werden sie mit dem Kopf an die Badewanne geknallt. Nichts gegen Gräuel, das ist prinzipiell schon o.k. in Büchern, wenn es Sinn hat (hier hat es Sinn). Nein, was mich eher abgestossen hat, war die insgesamt so dermassen deprimierende Atmosphäre einer vage dysfunktionalen Familie mit einem ebenso ungreifbar aber deutlich durchgeknallten 11jährigen. Dem man auch noch hilflos ausgeliefert ist, weil er der Ich-Erzähler ist. Und der im letzten Viertel des Buches versucht, seine schlafende Mutter zu ersticken. Nee, das geht im Moment nicht, bei dem deprimierendem Herbstwetter kann ich solche Gesellschaft nicht verkraften. Wie muß man drauf sein, um dieses Buch als "instantly likeable" und "unputdownable" zu beschreiben? (Wie auf dem Umschlag geschehen, letzteres von niemand geringeren als Ali Smith.) Völlig unverständlich.
Also zu einer Bekannten, Carol Shields. Ihr "The Stone Diaries", für das sie den Pulitzer Preis bekommen hat. Und siehe da - es liegt nicht (nur) an mir: ein Buch zum Dranbleiben, das Gefühl, bei der Erzählstimme gut aufgehoben zu sein und Neues über scheinbar Belangloses zu erfahren.Hurra. Endlich wieder ein Buch zum Lesen-Wollen.
Wen es interessiert (und wen WIRD es interessieren, was hier steht?) - ein relativ sicherer Tip für Leute, die Carol Shields (und vielleicht insbes. "The Stone Diaries") mögen, dürfte "Gilead" von Marilynne Robinson sein. Dieselbe "serene" - hier fällt mir mal wieder nicht das deutsche entsprechende Wort ein, vielleicht "ruhig/gelassen"- und zutiefst humane, irgendwie weise, ernste, aber nicht humorlose Erzählhaltung bzw. Erzählstimme. Dieselbe Einsicht in Alltägliches und seine Transzendenz.
Genug für heute.
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